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Tag der Vollbeschäftigung

In Bayern herrscht (noch) Vollbeschäftigung

Die Arbeitslosenquote lag im Jahr 2018 ebenso wie im laufenden Jahr bei 2,9 Prozent. So niedrig ist die Arbeitslosigkeit in keinem anderen Bundesland. 5,7 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und 7,7 Millionen Erwerbstätige – das sind die höchsten Niveaus aller Zeiten!

In der bayerischen Wirtschaft finden viele Menschen einen Arbeitsplatz und die Unternehmen des Freistaats bieten ihren Beschäftigten auch gute und faire Bedingungen. Der weitaus größte Teil der Arbeitsplätze sind unverändert unbefristete Vollzeitstellen. Die Beschäftigten in Bayern verdienen überdurchschnittlich gut, ihre Reallöhne sind in den vergangenen Jahren spürbar gestiegen. Dahinter steht ein überdurchschnittliches Wachstum der bayerischen Wirtschaft. Im Schnitt der letzten fünf Jahre stieg das Bruttoinlandsprodukt im Freistaat um 2,4 Prozent pro Jahr.

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Katja Schlendorf-Elsäßer

Geschäftsführerin ibw

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Katja Schlendorf-Elsäßer
Starkes Bayern - Gute Arbeit
Faktenblatt | PDF

Vorsprung Bayern

In keinem anderen Flächenland war das Wachstum höher. Allerdings kühlt sich die Konjunktur zunehmend ab. Dies geht nicht spurlos am Arbeitsmarkt vorbei:

Die Beschäftigung liegt (derzeit) auf Rekordniveau

Derzeit stehen in Bayern über 5,7 Millionen Menschen in einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis. Das ist der höchste Beschäftigungsstand aller Zeiten. Gleiches gilt für die Zahl der Erwerbstätigen in Höhe von 7,7 Millionen. Und mit derzeit 242.000 Auszubildenden liegt die Ausbildungsquote in der bayerischen Wirtschaft bei 4,3 Prozent. Allein in den letzten fünf Jahren stieg die Beschäftigtenzahl in ganz Bayern um knapp 686.000, das ist ein Plus von über 14 Prozent. Bundesweit lag das Plus bei 11 Prozent.

Allerdings hat sich der Beschäftigungsanstieg deutlich verlangsamt

Von 2013 bis 2018 entstanden in Bayern monatlich ca. 10.000 neue Arbeitsstellen. Im laufenden Jahr waren es im Schnitt nur noch knapp 6.000.

Auf dem Arbeitsmarkt herrscht (noch) Vollbeschäftigung

Zwischen Januar und September 2019 lag die Arbeitslosenquote in Bayern bei 2,9 Prozent. Das ist bundesweit die niedrigste Quote und bedeutet praktisch Vollbeschäftigung. Zum Vergleich: Die westdeutsche Arbeitslosenquote betrug im selben Zeitraum 4,7 Prozent, deutschlandweit waren es 5,0 Prozent. In ganz Bayern ist die Arbeitslosigkeit unterdurchschnittlich. Selbst in Mittelfranken, dem Regierungsbezirk mit der höchsten Arbeitslosigkeit, lag die Quote zwischen Januar und September 2019 mit 3,5 Prozent deutlich unter dem (west-)deutschen Schnitt. Besonders gering ist die Jugendarbeitslosigkeit. Für die unter 25-Jährigen lag die Quote 2018 bei 2,5 Prozent (WestDeutschland: 4,1 Prozent, Deutschland: 4,6 Prozent). Vor allem Frauen und ältere Menschen profitieren von der positiven Arbeitsmarktentwicklung. Die Erwerbstätigenquote der Frauen stieg in den letzten zehn Jahren von knapp 66 auf 77 Prozent. Die Erwerbstätigenquote der Menschen zwischen 60 und 65 Jahren verdoppelte sich von knapp 28 auf 57,4 Prozent.

Allerdings geht die Arbeitslosigkeit nicht weiter zurück.

Saisonbereinigt ist sie in den Sommermonaten 2019 sogar leicht um 2.000 gestiegen. Gleichzeitig sinkt die Nachfrage nach Arbeitskräften: Seit Jahresanfang verzeichnet die Bundesagentur für Arbeit im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang bei neuen offenen Stellen um 9,3 Prozent. Gleichzeitig reduzierte sich der Bestand an offenen Stellen um 5,0 Prozent auf 128.605 im September 2019.

Die unbefristete Vollzeitstelle ist die Regel

73 Prozent der Beschäftigten in Bayern haben ein Vollzeitarbeitsverhältnis, in der Privatwirtschaft sind es sogar rund 80 Prozent. 88 Prozent der Arbeitsverhältnisse sind unbefristet.

Die Beschäftigten verdienen gut

Das Bruttomonatsentgelt eines Beschäftigten in Bayern betrug im ersten Halbjahr 2019 im Schnitt über alle Branchen 4.176 Euro. Inklusive Sonderzahlungen wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld ergibt dies ein Jahresbruttoentgelt von 55.530 Euro. Für eine*n typische*n Facharbeiter*in mit abgeschlossener Berufsausbildung lag das Bruttomonatsentgelt bei 3.380 Euro im Monat bzw. gut 43.000 Euro im Jahr. Damit liegen die Entgelte in Bayern ca. 6 Prozent über dem Bundesdurchschnitt.

Die Beschäftigten erhielten in den vergangenen Jahren ein spürbares Reallohnplus. Seit Ende der Wirtschaftskrise (2010) sind die Entgelte um 25 Prozent gestiegen, wobei die Produktivität nur um zehn Prozent zugenommen hat, sodass die Lohnstückkosten kräftig gestiegen sind. Die Inflation lag im selben Zeitraum bei gut 13 Prozent.

Aber die Warnsignale mehren sich.

Infolge der abkühlenden Konjunktur und eines schleichenden Verlusts an Wettbewerbsfähigkeit erleben wir zurzeit, dass insbesondere Industrieunternehmen zunehmend Arbeitszeitkonten abbauen, die Zeitarbeit deutlich zurückfahren und Kurzarbeit umsetzen oder planen. Im Schnitt des zweiten Quartals 2019 gab es in Bayern 7.524 Kurzarbeiter*innen. Ein Jahr zuvor waren es nur 1.478. Im August lagen den bayerischen Arbeitsagenturen von 174 Betrieben Anzeigen zur Kurzarbeit für weitere 4.261 Beschäftigte vor. Vor einem Jahr waren es 61 Anzeigen für 2.119 Beschäftigte.

Damit wir auch in Zukunft den „Tag der Vollbeschäftigung“ in Bayern begehen können, müssen wir alles dafür tun, dass sich die Standortfaktoren verbessern:

Kosten und Steuern reduzieren

Um die Wettbewerbsfähigkeit in Bayern und Deutschland zu halten und Arbeitsplätze zu sichern, müssen wir die fatale Kostenentwicklung der vergangenen Jahre stoppen. Beim Thema Kosten rangiert Bayern mittlerweile im internationalen Vergleich der industriellen Standortqualität auf Rang 40 von 45 untersuchten Staaten. Dies liegt insbesondere an den hohen Arbeitskosten, den Energiekosten und den Steuern.

Die industriellen Arbeitskosten in West-Deutschland lagen 2018 bei 42,90 Euro pro Stunde. Das waren die vierthöchsten weltweit. Sie liegen um ein Drittel höher als im Schnitt der anderen Industrieländer.

Außerdem schultern Unternehmen im Inland die im internationalen Vergleich zweithöchste Unternehmenssteuerlast. Auch bei den Stromkosten liegen wir mit den dritthöchsten Industrie-Strompreisen international mit an der Spitze.

Personenunternehmen zahlen in Deutschland fast 35 Prozent Unternehmenssteuern, Kapitalgesellschaften liegen bei gut 31 Prozent. In der OECD liegt der Durschnitt bei spürbar unter 25 Prozent. Frankreich, bisher Hochsteuerpartner in Europa, wird demnächst auf 25 Prozent absenken. Die Rote Laterne, die Deutschland 2008 abgegeben hatte, haben wir dann wieder.

Auch die Arbeitnehmer leiden unter hohen Steuern. Unverheiratete Arbeitnehmer*innen ohne Kinder tragen in Deutschland laut OECD eine Steuer- und Abgabenlast in Höhe von 49,5 Prozent. Im Vergleich der 30 OECD-Mitgliedsländer ist das nach Belgien der zweithöchste Wert. Der OECD-Durchschnitt liegt bei 36 Prozent.

Saubere, sichere und bezahlbare Energie

Die Unternehmen sind auf die Verfügbarkeit von Strom und Energie angewiesen. Hierbei geht es gleichermaßen um Umweltverträglichkeit, Versorgungssicherheit sowie Bezahlbarkeit.

Die Industriestrompreise sind im Inland in den vergangenen zehn Jahren mit einem Plus von mehr als 60 Prozent doppelt so schnell gestiegen wie im Durchschnitt unserer Konkurrenten. Europaweit müssen die bayerische und deutsche Industrie mittlerweile die dritthöchsten Stromkosten verkraften. Auch in den USA, Japan und China sind die Stromkosten für die Industrieunternehmen geringer:

Strompreise für die Industrie in Europa 2018 (Cent pro kW/H)

01 Zypern 15,28 ...  
02 UK 13,04 36 Schweden 5,91
03 Deutschland 12,32 37 Ukraine 5,91
04 Italien 12,03 38 Türkei 5,75
05 Malta 11,97 39 Georgien 4,81

Mehr Flexibilität für Unternehmen

Wenn die bayerische Wirtschaft ihre Spitzenstellung erhalten oder ausbauen will, müssen Betriebe auf Entwicklungen schnell und flexibel reagieren können. Dafür brauchen Unternehmen mehr personalpolitische Flexibilität und weniger Bürokratie bzw. eine gezielte Deregulierung:

  • Das Arbeitszeitrecht muss an die moderne Arbeitswelt angepasst werden.
  • Behördliche Genehmigungsprozesse (z. B. bei Sonntagsarbeit) müssen schnell und effizient erfolgen und dürfen nicht über die gesetzlichen Anforderungen hinausschießen.
  • Die Möglichkeiten befristeter Beschäftigung dürfen nicht weiter eingeschränkt werden.
  • Der Aufgabenbereich des Betriebsrats muss auf die Gebiete beschränkt werden, die auch tatsächlich die Interessen der Mitarbeiter*innen berühren. Im Mitbestimmungsrecht muss generell ein Perspektivenwechsel stattfinden, und zwar vom Modus der Missbrauchsvermeidung (Präventions-Haltung) hin zum Modus der Missbrauchskontrolle.
  • Für moderne Organisationsformen der Zusammenarbeit brauchen wir eine gesetzliche Klarstellung, in welchen Fällen kein Arbeitsverhältnis und ggf. auch keine Pflicht des Auftraggebers zur Abführung von Sozialversicherungsbeiträgen begründet wird.
  • Die bestehenden Bestimmungen zum Arbeitnehmerdatenschutz müssen mit Augenmaß angewendet werden. Weitere Verschärfungen darf es nicht geben.
  • Den Arbeitnehmer*innen muss beim Arbeitsschutz mehr Eigenverantwortung überlassen werden. Es darf keine Verschärfungen im Arbeitsschutzrecht geben.

Intelligenter und effizienter Klimaschutz

Eine intelligente Klimaschutzpolitik ist aktive Standort- und Wirtschaftspolitik. Wir brauchen Anreize, die unser Land von Grund auf modernisieren, Innovationskräfte freisetzen und die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft stärken. Ein intelligenter und effizienter Klimaschutz verbindet Ökologie und Ökonomie ebenso wie die Ziele „Klimaschutz“ und „Konjunkturstärkung“. So ist zum Beispiel der Handel mit CO2-Emissionszertifikaten besser als eine CO2-Steuer, denn er sorgt auf marktwirtschaftlicher Basis dafür, dass die Klimaziele in den Sektoren Gebäude und Verkehr tatsächlich eingehalten werden, ohne Menschen und Unternehmen finanziell zu überfordern bzw. die Wettbewerbsfähigkeit am Standort Bayern zu gefährden.

Wertekanon der bayerischen Wirtschaft

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