Der weltweit steigende Rohstoffbedarf, eine zunehmende Konzentration auf Anbieterseite sowie die Einschränkung der Exporte von Förderländern zum Schutz eigener Industrien stellen mittel- und langfristig eine ernsthafte Bedrohung für die bayerische Wirtschaft dar. Diese Gefahr ist bislang wenig beachtet.
Zu diesem Ergebnis kommt eine von der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. beauftragte aktuelle Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln). Demnach werden die Probleme gerade bei der Versorgung mit Metallen und Mineralien unterschätzt.
Gewürzmetalle: Engpass kann Wertschöpfungsketten lahmlegen
Ein Engpass bei der Versorgung mit einem solchen Gewürzmetall kann allerdings komplette Wertschöpfungsketten lahm legen. Funktionsfähige Produkte können nicht mehr gefertigt und verkauft werden. Dies führt nicht nur beim Hersteller des Endproduktes, sondern auch bei den Zulieferern anderer für das Erzeugnis benötigter Stoffe sowie etwaigen Servicedienstleistern zu deutlichen Umsatzeinbrüchen und kann sogar deren Existenz bedrohen. Gewürzmetalle kommen insbesondere in allen Zukunftstechnologien zum Einsatz, beispielsweise für Energiespeicher, Beleuchtungssysteme oder in der Informationstechnologie.
Unternehmensbefragung: Beeinträchtigung durch mangelnde Rohstoffversorgung
Bei einer im Rahmen der Untersuchung durchgeführten Befragung von 8.000 Betrieben gaben 80 Prozent der Unternehmen an, mögliche Beeinträchtigungen für ihr Geschäft durch eine mangelnde Rohstoffversorgung zu sehen. Über zwei Drittel der Unternehmen sehen Preissteigerungen und starke Preisschwankungen als vorrangiges Risiko an, knapp die Hälfte der Unternehmen sorgt sich um die Rohstoffverfügbarkeit. Besonders kritisch wird die Rohstoffversorgung von der chemischen Industrie, der Metall- und Elektroindustrie sowie dem Verkehrswesen eingeschätzt.
Rohstoff-Risiko-Index gibt Hinweise zu kritischen Rohstoffen
Im Rahmen des Gutachtens wurde ein Rohstoff-Risiko-Index mit 37 kritischen Elementen erstellt. Dieser gibt den Gefährdungsgrad der Versorgung für Betriebe beispielsweise mit Lithium, Chrom oder Platin an. Der Index soll Unternehmen wie der Politik zur Entwicklung wirksamer Strategien gegen drohende Rohstoffengpässe dienen. Näheres findet sich im Anhang.
Forderungen an die Politik
Die Politik muss verschiedene Maßnahmen zur Unterstützung von Industrieunternehmen hinsichtlich der Rohstoffversorgung ergreifen. Die bayerische Wirtschaft erwartet von der Landes- bzw. Bundespolitik, Märkte zu öffnen und zu erhalten, das politische Netz mit Rohstoffländern eng zu knüpfen und zu pflegen, Grundlagenforschung hinsichtlich effizientem Rohstoffeinsatz einerseits und möglichen Rohstoff-Substituten zu unterstützen und gemeinsam mit der Wirtschaft zukunftsfeste Recyclingkonzepte zu entwickeln.




