Der Ausstieg aus der Kernenergie und der im Energiekonzept der Deutschen Bundesregierung vorgesehene massive Umbau der Energieversorgung ändern die Anforderungen an das deutsche Übertragungsnetz gravierend. Das belegt die wissenschaftliche Untersuchung „Netzausbaubedarf zur Sicherung des Wirtschaftsstandorts Bayern“, die die BET GmbH für die vbw erstellt hat.
Der derzeit geplante konventionelle Ausbau des Stromnetzes reicht nicht aus, um Netzengpässe innerhalb Deutschlands zu verhindern. Wir brauchen sehr schnell ergänzende Hochspannungstransportleitungen, ein sogenanntes Overlay Grid. Ohne solche Stromautobahnen ist die Versorgungssicherheit Bayerns spätestens ab 2015 gefährdet. Das ist das klare und zugleich beunruhigende Ergebnis der Studie.
Zusätzlicher Netzausbau
Der Kernenergieausstieg und der gewaltige Ausbau der erneuerbaren Energien bedeuten eine gravierende Veränderung in der Verteilung von Last und Erzeugung in Deutschland. Folge ist ein deutlich veränderter Lastfluss in den Übertragungsnetzen. Grund dafür sind die hohen Windenergiepotenziale im Norden sowohl Onshore als auch Offshore. Sie sollen genutzt werden. Dazu kommt die Leistung zahlreicher fossiler Kraftwerke. Das führt zu einer massiven Zunahme der Lastflüsse nach Süden. Hier brauchen wir die Strommengen dringend, um die Erzeugung der schrittweise vom Netz gehenden Kernkraftwerke zu ersetzen und Bayern mit seinem hohen Industrieanteil und den zahlreichen energieintensiven Unternehmen auch künftig sicher mit Strom versorgen zu können.
Überschaubare Kosten
Nach den Untersuchungen von BET sind für eine sichere Stromversorgung in Deutschland zwei Übertragungstrassen notwendig und ab 2025 noch eine dritte. Die vbw fordert, schnellstmöglich mit Planung und Genehmigung der ersten beiden Trassen zu beginnen. Die Technologie ist vorhanden, und die Kosten sind verkraftbar.
Je nach Ausführung – als Freileitung oder Erdkabel – liegen die Investitionskosten bei etwa 2,5 beziehungsweise 4,3 Milliarden Euro für eine siebenhundert Kilometer lange Trasse, für die zunächst erforderlichen beiden Trassen zusammen also bei etwa fünf beziehungsweise 8,6 Milliarden Euro.
Umgelegt auf den Strompreis und die übliche Abschreibungszeit ergeben sich für die zwei Leitungen 40 Jahre lang Kosten von 0,08 bis 0,2 Cent / kWh. Verglichen mit der EEG-Umlage, die im Jahr 2012 3,59 Cent / kWh beträgt, relativ überschaubar. Und auch das Vorhalten von Stromerzeugungskapazität in neuen bayerischen Gaskraftwerken, die lediglich als Reserve für Netzengpässe dienen und deshalb nur wenig im Betrieb sind, wird auf längere Sicht wesentlich teurer sein als der dringend erforderliche bedarfsgerechte Ausbau des Übertragungsnetzes.
Um dem Wirtschaftsstandort Deutschland im Allgemeinen und Bayern im Besonderen auch in Zukunft eine sichere, zuverlässige und preisgünstige Energieversorgung garantieren zu können dürfen wir keine Zeit verlieren, der Einstieg in die Planung eines Overlay-Grid muss umgehend erfolgen.

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