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Themen und Services/Bildung/Weiterbildung

Letzte Aktualisierung: 30. April 2021

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OECD-Bericht zur Weiterbildung in Deutschland

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 Isabell Grella
Isabell Grella
Berufliche Bildung, Weiterbildung und Projekte
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Die OECD hat den im Auftrag der Nationalen Weiterbildungsstrategie (NWS) erstellten Bericht zur Weiterbildung in Deutschland vorgestellt. Der Bericht untersucht, wie effektiv das deutsche Weiterbildungssystem Individuen und Unternehmen auf die Veränderungen in der Arbeitswelt vorbereitet und welche Veränderungen aus Sicht der OECD notwendig sind, um das Weiterbildungssystem zukunftsfähiger zu machen.

Ergebnisse im Überblick

  • Deutschland hat ein starkes Bildungs- und Ausbildungssystem, insbesondere das Berufsbildungssystem ist leistungsfähig und anerkannt. Allerdings liegt Deutschland der OECD zufolge bei der Beteiligung an Lernangeboten, die über die Erstausbildung hinausgehen, deutlich hinter anderen, leistungsstarken OECD-Ländern wie etwa Norwegen. Die Weiterbildungsbeteiligung variiert zudem erheblich je nach Bevölkerungsgruppe.
  • Deutschlands Weiterbildungslandschaft hat eine der komplexesten Governance-Strukturen im OECD-Raum. Diese Struktur ist einerseits eine große Stärke, da das Weiterbildungsangebot so auf die unterschiedlichen Anforderungen von Individuen, Organisationen, und (regionalen) Arbeitsmärkten eingehen kann. Es ist andererseits aber auch eine Schwäche, da es Koordinations- und Kooperationsherausforderungen mit sich bringt.
  • Deutschland hat wichtige Maßnahmen zur Verbesserung der Zukunftsfähigkeit des Weiterbildungssystems identifiziert und in Angriff genommen. Dies umfasst die Entwicklung von Ansätzen für die Validierung von nicht-formalem und informellem Lernen, die Einführung von Teilqualifikationen in spezifischen Bereichen und die Förderung von Weiterbildungsmöglichkeiten an Hochschulen. Die Maßnahmen werden bisweilen nur stückweise und auf Projektbasis umgesetzt. Die strukturelle Eingliederung dieser Projekte in das Weiterbildungssystem erfolgt nur langsam.

Handlungsempfehlungen
Die OECS empfiehlt diese Ansätze:

  • Verbesserung der Governance-Strukturen in der Weiterbildung: Vertiefung der Zusammenarbeit der Akteure im Kontext der NWS, Erhöhung des Ambitionsniveaus der Strategie. Entwicklung eines deutschen Weiterbildungsgesetzes, das einen gemeinsamen Rechtsrahmen im gesamten Bundesgebiet sicherstellt.
  • Ausgestaltung und Einführung von Mindestqualitätsstandards für Weiterbildungsanbieter
  • Etablierung von Teilqualifikationen als fester Strukturbestandteil der deutschen Weiterbildungslandschaft
  • Systematische Herangehensweise an Beratung, Validierung und Teilqualifikationen: Einrichtung einer nationalen Initiative zur Weiterbildungsberatung, die das bestehende Angebot vernetzt und optimiert, regionale Angebotslücken schließt und Beratung unter einer einheitlichen Marke anbietet, inklusive online.
  • Erweiterung der Finanzierung und Bündelung der finanziellen Anreize: Bündelung der finanziellen Anreize und Schließung von Finanzierungslücken durch ein einheitliches Anreizsystem für Individuen. Einführung einer bundesweiten Regelung für Bildungszeiten. Nutzung vorhandener Möglichkeiten, Bundesinvestitionen für Weiterbildung in die Länder zu lenken.
  • Erhöhung der Gesamtinvestitionen in Weiterbildung
  • Verbesserung der finanziellen Anreize für Erwachsene mit geringen Grundkompetenzen

Bewertung des Berichts

Der Bericht ist geprägt von einem Idealbild eines Weiterbildungssystems, das über finanzielle/zeitliche Anreizsysteme, Regulierungen und Standards maßgeblich vom Staat mitverantwortet wird. Von diesem Idealbild weicht die Weiterbildung in Deutschland in vielen Punkten ab: Hierzulande liegt die Weiterbildung überwiegend in der Verantwortung der Unternehmen und ihrer Beschäftigten und zeichnet sich vor allem durch einen freien Wettbewerb der Anbieter sowie eine Vielzahl von Akteuren und Angeboten aus.

Darüber hinaus stützt sich die OECD auf Daten, die überwiegend aus dem Jahr 2016 oder sogar 2012 stammen und weist selbst darauf hin, dass insbesondere im Hinblick auf die Finanzierung von Weiterbildung keine validen Daten und auch kein Benchmark existieren.

Zutreffend in der Analyse der OECD ist, dass Beratungsangebote und Netzwerke gestärkt werden müssen und niedrigeschwellige Zugangsmöglichkeiten für spezielle Zielgruppen verbessert werden müssen. Diese Punkte werden von den Partnern der NWS bereits adressiert.

Eine Zusammenfassung der Ergebnisse sowie die kompletten Handlungsempfehlungen (deutsche Fassung) finden Sie unter oecd-ilibrary.org .