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Themen und Services/Arbeitsmarkt

Letzte Aktualisierung: 22. März 2021

Studie

Der Gender Pay Gap im Haushaltskontext

Dr. Markus Meyer
Dr. Markus Meyer
Arbeitsmarktpolitik, Arbeitslosenversicherung, Grundsicherung, Fachkräftesicherung, Vereinbarkeit Familie und Beruf, BGM/BGF
+49 (0)89-551 78-215 +49 (0)170-680 31 15
PDF | 1,5 MB

Eine neue vbw Studie zum Gender Pay Gap zeigt: Teilen sich Paare die Erwerbs- und Hausarbeit gleichberechtigt auf, ist bei ihnen de facto kein Verdienstunterschied festzustellen. Mehrheitlich organisieren Paare ihre Aufgabenteilung aber auch dann noch traditionell, wenn beide berufstätig sind. Dabei werden Entgeltunterschiede durch Rollenbilder verfestigt, nicht durch ungleiche Bezahlung.

Betrachtet werden bei der Untersuchung des Gender Pay Gaps im Haushaltskontext ausschließlich heterosexuelle Paarhaushalte, in denen beide Partner abhängig erwerbstätig sind. Der Blick auf den Haushalt ist deswegen wichtig, weil die individuellen Entscheidungen von Paaren über die Aufgabenteilung und die wirtschaftliche Haushaltsführung die gesamtgesellschaftlichen Verdienstunterschiede insgesamt stark beeinflussen.

Wesentliche Ergebnisse: Paare folgen traditionellen Rollenbildern und ökonomischem Kalkül

  • Der haushaltsbezogene Verdienstunterschied zwischen Männern und Frauen hat im Zeitverlauf (seit 2006) abgenommen. Die Aufgabenteilung wird egalitärer, die Entgeltlücke im Haushaltskontext kleiner.
  • Paare mit zwei abhängig beschäftigten Partnern organisieren die Aufgabenteilung im Haushalt dennoch mehrheitlich traditionell. Das bedeutet, dass der Mann sich (zeitlich) relativ stärker im Beruf engagiert und die Frau sich relativ stärker auf hauswirtschaftliche Aufgaben fokussiert.
  • Paare folgen einem klaren ökonomischen Kalkül, das auf die Lohndifferenz zurückwirkt: Der/die Besserverdienende „spezialisiert“ sich auf die Erwerbsarbeit, kümmert sich also um das Haushaltseinkommen. Die zunehmende Spezialisierung geht mit einer eher traditionellen Aufgabenteilung einher, was die Entgeltunterschiede wechselseitig verstärkt.
  • Altersunterschiede fördern ein ökonomisch begründetes Spezialisierungsmuster und eine traditionelle Aufgabenteilung. Zwar weisen Paare häufig ein ähnliches Ausbildungsniveau auf. Da Männer aber im Durchschnitt etwas älter als ihre Partnerinnen sind und (potenziell) bereits eine längere Erwerbsbiografie und daher einen Verdienstvorsprung aufweisen, wird die traditionelle Aufgabenteilung aus ökonomischem Kalkül, persönlichen Präferenzen und Rollenbildern befördert.
  • Ehepaare unterscheiden sich mit Blick auf eine ökonomisch motivierte Spezialisierung nicht signifikant von anderen Lebenspartnerschaften. Ein Splitting-Effekt, wonach die gemeinsame Veranlagung der beiden Partner eine ökonomisch motivierte Spezialisierung begünstigt, lässt sich nicht erkennen. Das Ehegattensplitting zementiert also nicht das Erwerbsverhalten in Paarhaushalten. Die Institution Ehe geht allerdings mit einer sehr deutlichen traditionellen Aufgabenteilung (Spezialisierung) einher, was den Verdienstabstand befördert.
  • (Klein-)Kinder haben erheblichen Einfluss auf das Spezialisierungsmuster und damit auf die Lohnlücke auf Haushaltsebene. Die Stundenanteile für Erwerbsarbeit verschieben sich nicht nur erwartungsgemäß im Jahr nach der Geburt (unter anderem Adoption) eines Kindes zum Mann, sondern dauerhaft. Selbst dann, wenn Frauen vor der Geburt stärker in die Erwerbsarbeit eingebunden waren, bleibt die Umkehrung bestehen. Mit jedem weiteren Kind verstärken sich diese Effekte.

Einordnung: Aufgabenteilung in Paarhaushalten verfestigt und verstärkt Lohnunterschiede

Die vbw Studie beleuchtet einen blinden Fleck in der Diskussion um die Entgeltunterschiede von Frauen und Männern: die gemeinschaftliche Entscheidung über die Aufgabenteilung und die gemeinsame wirtschaftliche Haushaltsführung als Paar. Es kann empirisch nachgewiesen werden, dass die persönlichen und rationalen (Lebens-)Entscheidungen von Paaren einen starken konservierenden Effekt auf die traditionellen Erwerbsbiografien und damit die Entgeltunterschiede zwischen Frauen und Männern haben.

Die Bemühungen um eine stärkere Erwerbsbeteiligung von Frauen (etwa durch die verbesserte Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Berufsorientierung, Frauenförderung) sind wichtig und richtig. Die Studienergebnisse können allerdings einen Erklärungsansatz bieten, warum trotz dieser Anstrengungen die messbaren Fortschritte bislang nicht größer ausfallen.

Die Aufgabenteilung ist nicht rein ökonomisch erklärbar. Der Grad der haushaltsinternen Spezialisierung hängt stärker mit Geschlechternormen und Rollenbildern zusammen als mit Spezialisierungsvorteilen. Staatliche Vorgaben können und sollen die gemeinschaftlich getroffenen Paarentscheidung über die Aufgabenverteilung nicht aushebeln. Es gilt, das (soziale) Subsidiaritätsprinzip zu wahren und gemeinschaftliche Entscheidungen von Paaren nicht zu sanktionieren. Festzuhalten ist auch, dass nicht die Lohnpolitik der Arbeitgeber dafür verantwortlich ist und sein darf, diesen gesellschaftlichen Tatsachen entgegenzuwirken.

Es bleibt schließlich eine politische und gesellschaftliche Wertentscheidung, ob ein Paar als Gemeinschaft oder zwei Einzelindividuen betrachtet werden soll.