Letzte Aktualisierung: 19. September 2018

Vorsprung Bayern

Rückblick - Infrastruktur für die Wirtschaft / Niederbayern

Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft trafen sich am 13. September 2018 in Deggendorf, um über die Infrastruktur in Niederbayern zu diskutieren.

Infrastrukturentwicklung ist Daueraufgabe

Wolfram Hatz, Vorsitzender des Vorstands der vbw Bezirksgruppe Niederbayern stellte gleich zu Beginn klar, dass die Infrastruktur der Region wertvolle Stärken besitze, die allerdings regelmäßig zu überprüfen und bedarfsgerecht anzupassen seien. Dies gewährleiste eine hohe Standortqualität. In den letzten Jahren habe sich die Infrastruktur Niederbayerns vielfach weiterentwickelt. So werden der Bau der Neufahrner Kurve Ende des Jahres abgeschlossen und die Anbindung Niederbayerns an den Flughafen München gewährleistet sein. Darüber hinaus schreiten die Vorbereitungen zum Ausbau der A3 spürbar voran. Bei anderen Themen, wie beispielsweise der Bau bzw. Ausbau der B20 und B15n, der Beseitigung von Funklöchern bei der mobilen Breitbandversorgung oder flächendeckende E-Government-Lösungen, gebe es noch viel zu tun. Verbesserungen seien ebenso bei der Gesundheitsinfrastruktur, flexiblen Angeboten zur Kinderbetreuung und leistungsfähigen F+E-Strukturen notwendig. Insgesamt bleibe die Entwicklung der niederbayerischen Infrastruktur eine Daueraufgabe.

Bernd Sibler: Niederbayern macht viele Fortschritte bei der Infrastruktur

Staatsminister Bernd Sibler erläuterte die Fortschritte in der Bildungspolitik. Zum neuen Schuljahr habe man 700 Lehrer eingestellt. Darüber hinaus habe man weitere Berufsschulstandorte in Niederbayern geschaffen. Deggendorf profitiere von einer neuen Fakultät für Digitalisierung, die im Endausbau 1.000 Studienplätze vorhalten werde. Die Angebote der Kinderbetreuung und der rhythmisierten Ganztagsschule würden weiter ausgebaut. In der Digitalisierung schreite man voran. So würden derzeit 50.000 digitale Klassenzimmer aufgebaut und die Lehrer zur Nutzung qualifiziert. Problem beim Breitbandausbau sei derzeit die fehlende Baukapazität. 2019 werde die A94 um 34 km erweitert, die nächsten Bauabschnitte seien auf dem Weg gebracht. Bei der A3 laufe die kontinuierliche Vorbereitung des Ausbaus in Abstimmung mit den Naturschutzbelangen.

Rita Röhrl: Standortqualität hängt von einer guten Infrastruktur ab

Die Landrätin des Landkreises Regen Rita Röhrl hob zunächst die Bedeutung des neugeschaffenen Technologiecampus Teisnach hervor, der der Region weiteren Aufschwung verleihe. Schon jetzt zeigten sich angesichts der insgesamt verbesserten Standortqualität bessere Bevölkerungsprognosen als noch vor einigen Jahren. Insgesamt gelte es aber, den Infrastrukturausbau weiter voranzutreiben, weil das öffentliche Leben nicht stehen bleibe. Schwierig sei allerdings, dass einige für die Allgemeinheit notwendige Infrastrukturprojekte mangels ausreichender Akzeptanz der Bevölkerung verzögert würden. Verbesserungspotenzial gäbe es insbesondere im ÖPNV. Angesichts der schlechten Angebote dominiere in der Region das Auto bei Ein- und Auspendlern. Das Ziel müsse weiterhin lauten, den Aufholprozess fortzusetzen. Weitere Qualitätsverbesserungen und Innovationen seien aufgrund zunehmender Regularien insbesondere für Krankenhäuser schwer. Darüber hinaus stehe das TEMPIS-Projekt vor einer ungewissen Zukunft, weil die Krankenkassen ihre Finanzierungszusage kassiert hätten.

Christian Heilmann: Infrastruktur muss nachhaltig gestaltet werden

Der Deggendorfer Stadrat Christian Heilmann bemängelte, dass viele Projekte in zu kleinen Schritten angegangen würden, anstatt diese komplett abzuwickeln – das verursache zusätzliche Kosten und verschlinge Zeit. Völlig unzureichend sei der ÖPNV in Niederbayern. Hier gelte es, ein besseres Verkehrskonzept mit stündlichen Busverbindungen zu realisieren. Viele Bahnstrecken seien in den letzten 40 Jahren stillgelegt worden. Bei der A3 gab er zu bedenken, dass der Ausbau zunächst fünf Jahre Stau mit sich brächte und einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag verschlinge. Mit Teilen des Investitionsvolumens ließe sich ein adäquates Verkehrskonzept für Schiene und ÖPNV realisieren. Der Bildunginfrastruktur in Niederbayern bescheinigte Christian Heilmann eine gute Ausgangsbasis für weitere notwendige Entwicklungsschritte. So müsse u. a. die Lehrerversorgung weiter verbessert werden. Bei den digitalen Klassenzimmern sehe er noch die Notwendigkeit zur Schaffung von Stellen für Systemadministratoren zur Wartung der Gerätschaften.

Mobilfunkversorgung hat Nachholbedarf

Die Podiumsdiskussion befasste sich zunächst mit der digitalen Infrastruktur. Wolfram Hatz bemängelte die schlechte Mobilfunkversorgung in einigen Teilen Niederbayerns. Dies unterstrich auch Bernd Sibler mit dem Hinweis auf Verbindungsabbrüche an den Bahnstrecken. Mit dem neuen Mobilfunkpakt und dem Mastenprogramm werde dieses Problem jedoch angegangen. Rita Röhrl verwies darauf, dass es vielen Kommunen schwer falle, die notwendigen finanziellen Eigenanteile für den Mastenbau zu stemmen. Außerdem fehle häufig die Akzeptanz für den Mastenbau – jeder habe zwar ein Handy, aber viele wollten keine Masten.

Verkehrsinfrastruktur muss ausgebaut werden

Bei der Verkehrsinfrastruktur ergäbe sich noch erheblicher Verbesserungsbedarf. Wolfram Hatz verwies darauf, dass sein Unternehmenssitz in Ruhstorf nur unzureichend an München angebunden sei, wo sich viele seiner Kunden und Lieferanten befänden. Eine durchgehende Autobahn zwischen München und Passau wäre hier dringend erforderlich. Rita Röhrl sieht den Nachholbedarf ähnlich – die 20 bis 30 Jahre alten Straßen entsprächen vielfach nicht mehr den heutigen Notwendigkeiten. Dies unterstrich auch Bernd Sibler, der den seit Öffnung der Grenzen stark gestiegenen LKW-Verkehr als wichtigen Grund für den Ausbau der Autobahnen (z. B. der A3) sieht. Christian Heilmann gab zu bedenken, dass man mit einem entsprechenden Konzept für Schiene und ÖPNV Geld sparen und Flächenverbrauch reduzieren könne. Rita Röhrl zeigte sich aber skeptisch, ob gut ausgebaute Straßen durch den ÖPNV zu ersetzen seien. Sicher müsse man die Ertüchtigung des ÖPNV erreichen. Dabei gelte es, auch innovative Modelle, wie z. B. Rufbusse, in die Überlegungen einzubeziehen.

Wohnortnahe Bildung und Ausbildung bleiben wichtig

Die Podiumsrunde gab ein Bekenntnis zum Erhalt kleinerer Schulstandorte ab. Rita Röhrl sah in den steigenden Geburtenzahlen ein Argument, kleinen Schulen über die Übergangszeit hinwegzuhelfen. Bernd Sibler ergänzte dies mit dem Bekenntnis der Staatsregierung, möglichst alle Schulstandorte zu erhalten. So baue man z. B. neue Berufsschulen in Niederbayern auf, die eine Entspannung und Entzerrung der Schülerzahlen an den Standorten zur Folge habe. Wolfram Hatz begrüßte die zunehmenden Studierendenzahlen, sprach sich aber gleichzeitig für die Stärkung der beruflichen bzw. dualen Ausbildung aus. Zur Behebung des Fachkräftemangels könne die Ausbildung anerkannter Flüchtlinge einen Beitrag leisten.

Hausärztliche Versorgung muss in allen Regionen gesichert werden

Das Podium bemängelte die ungleichmäßige Verteilung von Hausärzten in Niederbayern. Christian Heilmann sah keine Patentlösung, sprach sich jedoch für die Erhöhung der Attraktivität ländlicher Räume für junge Mediziner aus. Rita Röhrl ergänzte, dass man den Nachwuchs zwar für die Krankenhäuser gewährleisten könne, jedoch weniger für die ländlichen Hausarztpraxen. Insbesondere der ausgeuferte bürokratische Aufwand schrecke viele junge Mediziner ab, sich selbständig zu machen. Hier könne man beispielsweise über einen Kooperation der Arztpraxen mit ansässigen Krankenhäusern bei der Abrechnung nachdenken.

Als weiteren Baustein zur Verbesserung der hausärztlichen Versorgung im ländlichen Raum sprach sich Bernd Sibler für die Weiterentwicklung der Telemedizin aus. Auch medizinische Versorgungszentren (MVZ) könnten eine Antwort sein. Der Freistatt gebe darüber hinaus schon heute finanzielle Unterstützung für ansiedlungswillige Ärzte. Wolfram Hatz sprach sich für eine verstärkte Ausbildung von Ärzten in Niederbayern aus.

Das Podium war sich einig, dass die gesundheitliche Versorgung nachhaltig gestärkt werden müsse.

Rückblick

Rückblick - Infrastruktur für die Wirtschaft / Niederbayern
am 13.09.2018 in Deggendorf

Bilder (5 Bilder)


Drucken
Ansprechpartner
Ansprechpartner

Volker M. Schilling

Mittelstand, Unternehmensfinanzierung, Digitalisierung

+49 (0)89-551 78-249
Volker M. Schilling
Content Sharing
Bitte loggen Sie sich ein, um den Einbettungs-Code für diese Seite zu erhalten.
nach oben