Die bayerische Wirtschaft

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Letzte Aktualisierung: 14. Januar 2022

Pressemitteilung

Rückgang des Arbeitskräfteangebots in Bayern bis 2035 um rund 700.000 / Brossardt: „Gerade auch Berufswechsel können Ungleichgewichte am Arbeitsmarkt lindern“

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 Andreas Ebersperger
Andreas Ebersperger
Presse- / Öffentlichkeitsarbeit
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Derzeit sind Beschäftigte durch das Auftreten der Omikron-Variante verstärkt von Quarantäne betroffen. „Kurzfristige Personalausfälle verschärfen in manchen Bereichen den Fachkräftemangel und haben drastische Folgen: Die kritische Infrastruktur ist gefährdet und es drohen Produktionsstörungen in der Industrie“, sagte Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V., im Rahmen eines vbw Online-Kongresses zum Thema Fachkräftebedarf und Strukturwandel.

„Umso mehr muss das Thema Fachkräftesicherung auch mittel- und langfristig Priorität haben. Wie dringend das Problem ist, zeigt die aktuelle vbw Studie `Arbeitslandschaft Bayern: Zunehmenden Ungleichgewichten mit höherer Flexibilität begegnen´. Demnach geht das Arbeitskräfteangebot demografiebedingt in Bayern bis 2035 um neun Prozent bzw. rund 700.000 Personen zurück: von derzeit 6,5 Millionen auf 5,8 Millionen Personen. Damit verbunden ist ein immer deutlicheres Fachkräfte-Paradoxon: Arbeitskräfteknappheit in Teilbereichen der Wirtschaft bei gleichzeitigem Arbeitskräfteüberschuss in anderen“, so Brossardt weiter.

Das Ausmaß der „Mismatch“-Arbeitslosigkeit ist beachtlich: Bis zu 45 Prozent der gesamten Arbeitslosigkeit in Deutschland sind schon heute auf ein Missverhältnis zwischen Arbeitsangebot und Arbeitsnachfrage zurückzuführen. Laut Studie wird sich diese Lage in Bayern bis 2035 Jahr für Jahr verschärfen. So zeigt sich 2035 in den Maschinen- und Fahrzeugtechnikberufen ein Engpass im Freistaat von 15.000 Erwerbstätigen. In den nichtmedizinischen Gesundheitsberufen ist 2035 ebenfalls mit einem Arbeitskräftemangel von 15.000 Personen zu rechnen. Auch bei den gebäude- und versorgungstechnischen Berufen wird es einen erheblichen Engpass von 36.000 Arbeitskräften geben. Arbeitskräfteüberschüsse ergeben sich hingegen insbesondere bei den Lehr- und Forschungstätigkeiten an Hochschulen und bei der technischen Forschung und Entwicklung (jeweils rund 11.000).

„Per Saldo dominieren die Engpässe: 2035 zeigen sich in lediglich einem Drittel der Berufe Überschüsse, in zwei Dritteln aber droht Knappheit. Überschüsse gibt es tendenziell bei akademischen Tätigkeiten, Engpässe auf der Ebene der Fachkräfte mit berufsqualifizierendem Abschluss“, analysiert vbw Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt die Zahlen. Zur Linderung des Problems wirbt die vbw für verstärkte Qualifizierungen, eine breitere Erwerbsbeteiligung, vor allem von Frauen, eine Bildungsoffensive und die Zuwanderung qualifizierten Personals. „Außerdem wird die berufliche Flexibilität eine Rolle spielen, also die Frage, inwieweit der Einzelne bereit ist, den Beruf zu wechseln. Auch das kann die Mismatch-Arbeitslosigkeit verringern“, so Brossardt weiter.

Die Wahrscheinlichkeit eines Berufswechsels wird von der Studie höchst unterschiedlich bewertetet. Im Bereich der Informatik- und IKT-Berufe ist sie beispielsweise eher gering. Lediglich ein Drittel der Arbeitslosen aus diesem Bereich wird später in anderen Berufsgruppen tätig. Genau umgekehrt verhält es sich im Bereich der technischen Forschung, Entwicklung, Konstruktion und Produktionssteuerung: Hier münden über 60 Prozent der Arbeitslosen in eine andere Berufsgruppe ein. Brossardt: „Neben der Qualifikation haben natürlich auch Gehalt und Arbeitsbedingungen Einfluss auf einen möglichen Quereinstieg in einen Engpass-Beruf. Um die Umbrüche am Arbeitsmarkt abzufedern, sind passgenaue Qualifizierungs-, Weiterbildungs- und Umschulungsmaßnahmen Voraussetzungen für einen leichteren Wechsel aus einem Überschuss- in einen Engpassberuf.“

Bayerns Arbeitsministerin Carolina Trautner zu den Herausforderungen am bayerischen Arbeitsmarkt: „Nur mit gut qualifizierten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern werden wir den Fachkräftebedarf decken können. Berufliche Aus- und Weiterbildung ist hier der Schlüssel zum Erfolg!“ Die Arbeitsministerin weiter: „Eine abgeschlossene Berufsausbildung ist der Grundstein für ein selbstbestimmtes Berufsleben und beste Ausgangsbasis für Weiterbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten. Daher unterstützen wir auf vielfältige Weise den Übergang von Schule in Ausbildung. Mit unseren gezielten Maßnahmen im Rahmen des Pakts für berufliche Weiterbildung 4.0 stärken wir darüber hinaus gemeinsam mit den zentralen bayerischen Arbeitsmarktakteuren nachhaltig die Weiterbildungsbereitschaft von Beschäftigten und Unternehmen. So bieten die vom Bayerischen Arbeitsministerium geförderten Weiterbildungsinitiatorinnen und -initiatoren kostenlose Unterstützung bei Fragen rund um die berufliche Weiterbildung, beraten individuell und erarbeiten passgenaue Weiterbildungskonzepte.“
Die Studie und ein Webmagazin zur Studie sind abrufbar unter: www.vbw-bayern.de/arbeitslandschaftbayern