Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V.:
„Wir sehen im Aktionsprogramm zur Umsetzung der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie einen wichtigen Schritt zur Stärkung von Wettbewerbsfähigkeit und Rohstoffsouveränität. Gleichzeitig gibt es aber in einigen Bereichen noch deutlichen Verbesserungsbedarf. Die geopolitischen Spannungen zeigen, wie abhängig wir von außereuropäischen Rohstoffen sind – hier muss Deutschland dringend gegensteuern. Positiv sind der geplante Aufbau von Märkten für zirkuläre Rohstoffe, zusätzliche Fördermittel sowie die Stärkung der öffentlichen Beschaffung. Jetzt kommt es auf eine schnelle und praxisnahe Umsetzung an.
Es braucht außerdem mehr Tempo bei der Digitalisierung, denn ohne funktionierende digitale Lösungen kann die Kreislaufführung nicht industriell wachsen. Zudem muss die Innovationsförderung weiter ausgebaut werden, um zirkuläre Geschäftsmodelle in die industrielle Breite zu tragen. Insgesamt sollte der Fokus stärker auf nachwachsenden Rohstoffen liegen: Die zirkuläre Bioökonomie kann Lieferketten stabilisieren, CO₂-Emissionen senken und zusätzliche Wertschöpfung schaffen. Deutschland kann hier mit starker Forschung aufwarten, was sich beispielsweise an einem Anteil an Patenten weltweit in bioökonomischen Prozesstechnologien von fast acht Prozent im Jahr 2024 zeigt. Die Potenziale sind erheblich. Damit sie gehoben werden können, braucht es mehr Tempo, Investitionssicherheit und eine enge Partnerschaft zwischen Politik und Wirtschaft.“