Letzte Aktualisierung: 17. Juni 2026
Pressemitteilung
Innovative und wandlungsfähige Unternehmen in Oberfranken trotzen der Krise / Kaeser: „Bundesregierung braucht Mut und Durchsetzungskraft für echte Reformen“
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Im Rahmen eines Pressegesprächs der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. diskutierten Unternehmensvertreter aus Oberfranken wie es trotz großer Herausforderungen für die Wirtschaft gelingt, die Transformation mit Blick auf Dekarbonisierung, demografischen Wandel, De-Globalisierung und Digitalisierung aktiv und erfolgreich zu gestalten. „Eine Studie, die das IW Köln im Auftrag der vbw kürzlich erstellt hat, zeigt: Bayern ist aufgrund seiner energieintensiven Industriestruktur und seiner tiefen internationalen Handelsverflechtungen im Zuge der Transformation weitaus mehr gefordert als die anderen Bundesländer. In vielen Bereichen ist der Freistaat bereits gut aufgestellt. Die Voraussetzungen, das Potenzial der Transformation zu nutzen, sind in Bayern deutlich besser als andere Bundesländern“, erklärt Thomas Kaeser, Vorstandsvorsitzender der vbw Bezirksgruppe Oberfranken.
Allerdings bereitet der vbw eine andere Entwicklung zunehmend Sorgen: die De-Industrialisierung. Rund ein Viertel der Wertschöpfung im Freistaat erbringt das verarbeitende Gewerbe. In Oberfranken sind es 22,9 Prozent – vor zehn Jahren lag der Anteil noch um mehr als vier Prozent höher. Vom Erfolg der Industrie hängen auch Arbeitsplätze in der Dienstleistungsbranche ab, und die wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen den Regierungsbezirken sind eng. „Die Wettbewerbsfähigkeit unseres Industriestandorts hat in den letzten Jahren deutlich gelitten. Hohe Energiepreise und Arbeitskosten sowie eine ständig steigende Belastung durch bürokratische Vorgaben haben die Gewinne von Unternehmen schrumpfen lassen und schränken den Spielraum für Zukunftsinvestitionen ein“, so Kaeser. Die Bewertung von fünf wesentlichen Standortfaktoren sei in den vergangenen zwölf Jahren merklich zurückgegangen. Das gelte sowohl für den gesamten Freistaat als auch für Oberfranken. Unternehmensbefragungen in der Region zufolge, wird vor allem das sogenannte ‚Verwaltungshandeln‘ kritisiert. Die bürokratischen Auflagen öffentlicher Stellen sowie die Zulassungs- und Genehmigungsverfahren werden inzwischen deutlich belastender wahrgenommen. 2013 bewertete die oberfränkische Wirtschaft das Verwaltungshandeln noch mit der Schulnote 3,2, im Jahr 2025 nur noch mit 4,2. Kaeser betont: „Die Politik muss dringend dafür sorgen, dass sich die Rahmenbedingungen für Unternehmen zügig verbessern. Von der Bundesregierung erwarten wir endlich einen gezielten Reformwillen und effektive Umsetzungsstärke bei notwendigen Gesetzesvorhaben und Maßnahmen zur raschen und nachhaltigen Verbesserung der Standortbedingungen für die Wirtschaft.“
Trotz der schwierigen Lage gibt es in Oberfranken zahlreiche Unternehmen, welche die Transformation aktiv, innovativ und erfolgreich vorantreiben. Beispielhaft berichtete Tobias Hauk, Kaufmännischer Werkleiter der Robert Bosch GmbH in Bamberg beim Pressetermin, wie ihnen dies gelingt: „Bosch Bamberg ist ein gutes Beispiel dafür, wie Transformation in der Automobil- und Zulieferindustrie gelingen kann. Wir haben frühzeitig auf den Nachfragerückgang bei konventionellen Antrieben reagiert, unser Produktportfolio um Brennstoffzellen- und Wasserstofftechnologie erweitert und in die Qualifikation unserer Mitarbeitenden investiert. Wir freuen uns derzeit über eine stabile Auftragslage und Beschäftigungssituation, müssen aber aufgrund verlangsamter Marktentwicklungen bei Elektromobilität und Wasserstofftechnologie kontinuierlich an der Wettbewerbsfähigkeit des Standortes arbeiten.“