Letzte Aktualisierung: 15. Juli 2026
Pressemitteilung
Gewinne von heute sind eine Voraussetzung für Beschäftigung von morgen / Brossardt: „Notwendige Renditen nicht mehr erreicht, Deindustrialisierung ist die Folge“
Inhalt teilen
Ausreichende Gewinne sind für Unternehmen überlebenswichtig, nur diese schaffen die Möglichkeiten für Investitionen, Innovationen, die Sicherung von Beschäftigung und den langfristigen Erhalt des Unternehmens. Sie sind zudem die Triebfeder für Effizienzsteigerungen und Leistungsoptimierungen und garantieren die Funktionalität unserer Wirtschaftsordnung, der Sozialen Marktwirtschaft. „Gewinne sind die Grundvoraussetzung für unternehmerisches Tätigsein. Allen Marktteilnehmern muss klar sein, dass Unternehmen auf verlässliche Gewinne angewiesen sind. Das gilt aktuell vor dem Hintergrund der vier Megatrends Digitalisierung, Dekarbonisierung, Demografie und Deglobalisierung in ganz besonderer Weise. Nur mit Gewinnen können die Unternehmen die notwendigen Transformationsausgaben bezahlen. Sorge bereitet uns, dass aktuell bereits jedes vierte Unternehmen der Industrie und der unternehmensnahen Dienstleistungsbranchen nicht mehr in der Lage ist, erforderliche Investitionen zu tätigen. Bleiben Investitionen und Innovationen längerfristig aus, droht langfristig die Insolvenz“, fasst
Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. die Ergebnisse der Studie „Die Notwendigkeit von Unternehmensgewinnen“ zusammen. Die Studie wurde im Auftrag der vbw von der IW Consult GmbH erstellt und auf der Veranstaltung „Fokus Tarif: Zusammenspiel von Personalkosten und Gewinn“ vorgestellt.
Die vbw greift mit der Studie auch die gesellschaftliche Debatte über angeblich zu hohe Unternehmensgewinne auf, die häufig als Rechtfertigung für starke Lohnforderungen herangezogen werden. Der Blick auf die Entwicklung von Löhnen und Gewinnen zeigt aber, dass im Zeitraum zwischen 2015 und 2025 die Arbeitsentgelte pro Jahr um durchschnittlich 4,5 Prozent gestiegen sind, die Unternehmenseinkommen aber nur um 1,8 Prozent. Dazu kommt, dass Gewinne im Zeitablauf deutlich stärker als die Löhne schwanken. So sind vermeintlich starken Anstiegen meist kräftige Gewinneinbrüche vorausgegangen. „Zuletzt sanken die gesamtwirtschaftlichen Gewinne 2024 und 2025 um 8,1 Prozent bzw. 1,4 Prozent. Im gleichen Zeitraum legten die Löhne um 5,5 bzw. 5,1 Prozent zu. Dieses Missverhältnis kann nicht lange gut gehen. Deutschland ist ein Hochlohnland und hohe Arbeitskosten bereits ein Treiber für Verlagerungen. Die Auswirkungen auf die Beschäftigung sind gravierend: Ohne Gewinne wird langfristig Beschäftigung abgebaut, mit Gewinnen zeigt sich hingegen ein klarer Trend zum Beschäftigungsaufbau“, so Brossardt. Das belegt die Studie mit statistischen Analysen.
Um die Höhe ausreichender Gewinne zu quantifizieren, die für den Erhalt des Unternehmens notwendig sind, zieht die Studie die gewichteten Kapitalkosten heran. Entscheidend ist die notwendige Verzinsung, um die Kapitalkosten zu decken und gleichzeitig attraktiv für Investoren zu sein. Dabei zeigt sich für die Industrie ein äußerst kritisches Bild: Im Betrachtungszeitraum 2015 bis 2023 erreichten Kapitalrenditen in der deutschen Industrie nicht immer die notwendige Höhe. Dadurch steigt die Gefahr, dass Kapital aus der Industrie abgezogen wird, was die bisher schleichende Deindustrialisierung verstärkt „Wenn hier nicht entschieden gegengesteuert wird, werden weiter Arbeitsplätze abgebaut. Wir können nur mahnen, dass Gewinne überlebensnotwenig für Unternehmen und Beschäftigte sind. Dies gilt es insbesondere in der anstehenden M+E Tarifrunde zu berücksichtigen. Denn jeder Anstieg der Arbeitskosten treibt auch die Gesamtkosten ein gutes Stück nach oben: Bei gleichem Umsatz sinken dann die Gewinne. Wir brauchen einen moderaten, verantwortungsvollen Abschluss. Nicht, weil wir die Leistung der Beschäftigten nicht schätzen. Sondern weil moderate Abschlüsse heute die Voraussetzung dafür sind, dass es morgen überhaupt noch etwas zu verteilen gibt“, betont Brossardt.