Die bayerische Wirtschaft
zum Dashboard Konjunktur

Bitte geben Sie Ihre Login-Daten ein

Login

Sie haben keine Login-Daten?

Login-Daten beantragen
Zur Übersicht

Letzte Aktualisierung: 24. August 2026

Pressemitteilung

Rund 7,2 Millionen Arbeitsplätze in Deutschland von Importnachfrage aus der EU abhängig / Brossardt: „EU wichtiger Wachstumstreiber, Stabilitätsanker und Wettbewerbsfaktor“

Über die Hälfte der deutschen Exporte gehen in die anderen 26 EU-Staaten. Diese Ausfuhren sorgen für eine jährliche Wertschöpfung in Deutschland von rund 550 Milliarden Euro, das sind 16 Prozent der gesamten Wertschöpfung; und sie sichern 7,2 Millionen Arbeitsplätze. Das ist das zentrale Ergebnis der von Prognos im Auftrag der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. erstellten Studie „Die Bedeutung der EU für Deutschland“. „Die Zahlen verdeutlichen die enge Einbindung der deutschen Wirtschaft in europäische Produktions- und Nachfragestrukturen. Die Europäische Union ist für Deutschland weit mehr als ein politisches Bündnis, sie ist das zentrale wirtschaftliche Umfeld Deutschlands. Sie fungiert zugleich als Absatzmarkt, Produktionsraum und institutioneller Rahmen. Die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands hängt daher maßgeblich von der Wachstumsdynamik der EU ab“, sagt vbw Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt.

Die Szenario-Ergebnisse zeigen, dass eine anhaltende wirtschaftliche Stagnation in der Europäischen Union deutlich stärkere negative Effekte auf Exporte, Wertschöpfung und Beschäftigung in Deutschland hätte als vergleichbare Entwicklungen in anderen großen Wirtschaftsräumen. „Spürbar wäre das insbesondere in exportorientierten Industriebranchen wie dem Maschinen- und Fahrzeugbau sowie in der Chemischen Industrie. Diese sind unmittelbar von der Nachfrage nach Endprodukten auf den europäischen Absatzmärkten abhängig. Zudem sind viele deutsche Unternehmen in grenzüberschreitende Lieferketten eingebunden, sodass eine sinkende Produktion in anderen EU-Ländern auch die Nachfrage nach deutschen Zwischenprodukten reduziert“, führt Brossardt aus und ergänzt: „Leicht schwächer fällt der negative Effekt einer Stagnation der US-amerikanischen Wirtschaft aus. Die Reaktion auf eine chinesische Stagnation liegt in diesem Vergleich auf Rang drei.“

Neben realwirtschaftlichen Verflechtungen spielen institutionelle Rahmenbedingungen eine zentrale Rolle. „Am Beispiel des Schengenraums zeigt sich, dass offene Grenzen erhebliche Effizienzgewinne ermöglichen, deren Einschränkung sowohl im Warenhandel als auch im Personenverkehr zu wirtschaftlichen Verlusten führt. Während sich zusätzliche Grenzkosten im Warenhandel negativ auf Preise, Produktionsverflechtungen und Nachfrageanpassungen in der Volkswirtschaft auswirken, entstehen im Tourismus und in der grenzüberschreitenden Arbeitskräftemobilität unmittelbare Kosten durch Zeitverluste. In der Gesamtbetrachtung ergibt sich für Deutschland ein jährlicher gesamtwirtschaftlicher Effekt des Schengenraums in einer Größenordnung von rund 1,5 bis 2 Milliarden Euro“, erläutert Brossardt.

Für die vbw zeigt sich ein klares Bild: Die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands ist eng an die Funktionsfähigkeit und Dynamik des europäischen Wirtschaftsraums gebunden. „Veränderungen in der wirtschaftlichen Entwicklung oder an den institutionellen Rahmenbedingungen der Europäischen Union wirken sich unmittelbar auf zentrale Größen der deutschen Volkswirtschaft aus. Die Sicherung und Weiterentwicklung der europäischen Integration ist vor diesem Hintergrund nicht nur eine ordnungspolitische oder politische Frage, sondern eine zentrale wirtschaftliche Voraussetzung für Stabilität, Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum in Deutschland“, so Brossardt.

Link zur Studie

Seite drucken