Im Rahmen der Münchner Medientage hat die vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. zur vierten Female Media Night eingeladen. Unter dem Motto „Konstruktiver Journalismus“ diskutierten Expertinnen unter anderem die Folgen einer generellen Tendenz der Medien zur Negativberichterstattung und die Möglichkeiten, dem entgegenzuwirken. „Wo auch immer auf der Welt etwas passiert, erfahren wir es in Windeseile. Medien berichten schnell und umfassend, und unsere Smartphones melden sich im Dauermodus. Gleichzeitig wenden sich junge Menschen zunehmend von klassischen Medien ab und informieren sich in sozialen Netzwerken. Der gesellschaftliche Diskurs verlagert sich damit immer stärker ins Netz und verliert dadurch nicht selten an Seriosität“, erläuterte vbw Vize-Präsidentin Carola Kupfer, die auch Präsidentin des BLVKK – Bayerischer Landesverband der Kultur- und Kreativwirtschaft ist.
Das Problem dabei: Immer weniger Menschen teilen ein gemeinsames Bild der Wirklichkeit. Algorithmen belohnen häufig nicht die sachlichste, sondern die lauteste Stimme. Nicht das beste Argument erhält Aufmerksamkeit, sondern der schärfste Angriff. Besonders Frauen, die sichtbar Verantwortung übernehmen, werden oft persönlich, abwertend und entmenschlichend angegriffen. Die Folgen sind spürbar. Das gesellschaftliche Klima hat sich verschlechtert, der Zusammenhalt bröckelt. Die Ergebnisse der jüngsten Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern sowie der Abgeordnetenhauswahl in Berlin zeigen, dass radikale, hetzerische und hasserfüllte Positionen an Zulauf gewinnen. „Hier kann konstruktiver Journalismus eine wichtige Rolle einnehmen. Er zeigt nicht nur, was ist, sondern auch, wie es weitergehen kann und beschreibt nicht nur Missstände, sondern befasst sich wesentlich mit Lösungen und Perspektiven“, so Kupfer.
Die schwierigen Zeiten verlangen nicht nur von der Politik mehr Entschlossenheit. Auch der Journalismus ist gefordert. Dazu Kupfer abschließend: „Die Medienkonsumentinnen und Medienkonsumenten wollen mehr als intellektuellen Zynismus. Sie wollen verstehen, was passieren muss, damit es wieder aufwärts geht in unserem Land. Wir als bayerische Wirtschaft meinen: Überlassen wir die Antworten auf die großen Probleme unserer Zeit nicht den Populistinnen und Populisten, sondern nehmen wir diese selbst in die Hand!“