Letzte Aktualisierung: 13. August 2026
Pressemitteilung
Bayern rutscht auf Platz 10 unter den stärksten Industriestandorten weltweit ab / Brossardt: „Wenn wir die Wettbewerbsfähigkeit nicht verbessern, werden wir die Deindustrialisierung nicht stoppen“
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„Der Freistaat bleibt zwar ein starker globaler Industriestandort, der Vorsprung gegenüber den Wettbewerbern schmilzt jedoch weiter“, fasst Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V., die zentrale Erkenntnis der von der IW Consult GmbH im Auftrag der vbw durchgeführten Studie „Industrielle Standortqualität im internationalen Vergleich“ zusammen und ergänzt: „Bayern ist Industrieland, ein knappes Viertel der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung wird im Verarbeitenden Gewerbe erzielt. Seit einigen Jahren verlieren wir aber zunehmend an Wettbewerbsfähigkeit und beobachten in der Folge eine schleichende Deindustrialisierung. Entscheidend sind die im internationalen Vergleich hohen Kosten: Bei Steuern sowie Arbeits- und Energiekosten muss dringend nachgesteuert werden. Mit dem vor der Sommerpause vorgelegten Reformpaket hat die Bundesregierung richtige Impulse und ein wichtiges Signal gesetzt. An manchen Stellen hätten wir uns allerdings anderes und mehr gewünscht. Vor allem das Kostenthema wird kaum angegangen – obwohl dieses unser Kernproblem ist, wie die Studie zeigt. Im Gegenteil: Durch die Reformen in der Renten- und Krankenversicherung nehmen die Lohnzusatzkosten weiter zu.“
Im aktuellen Niveau-Ranking des internationalen Standortvergleichs rutscht der Freistaat einen Platz nach unten und kann sich gerade noch unter den Top 10 der 46 untersuchten Volkswirtschaften halten. Den Spitzenplatz nimmt seit 2021 die Schweiz ein. „Zu den Stärken Bayerns zählt aufgrund der breiten und diversifizierten Wertschöpfungskette, des außenwirtschaftlichen Offenheitsgrads sowie des gut funktionierenden Industrie-Dienstleistungsverbunds weiterhin der Bereich Markt, hier erzielt Bayern den Spitzenplatz. Ähnlich gut schneidet der Freistaat mit einem vierten Platz aufgrund seines starken Innovationsumfelds, hoher Ausgaben für Forschung und Entwicklung und hoher Produktivität im Bereich Wissen ab. Während der Freistaat bei den weiteren Kriterien Staat, Ressourcen und Infrastruktur ebenfalls überdurchschnittlich gut ist, liegt unser Standort beim Kostenniveau auf dem 44. und damit drittletzten Platz. Schlechter schneiden nur Deutschland insgesamt und Frankreich ab“, führt Brossardt aus.
Beim Dynamik-Ranking liegt Bayern auf dem 42. Platz und damit auf den hinteren Rängen, hier dominieren erwartungsgemäß Schwellenländer wie Indien, Vietnam und China, deren Standortbedingungen sich von einem noch eher niedrigen Niveau aus rasch verbessern. „Nur zum Teil ist die schwache Dynamik Bayerns im hohen Ausgangsniveau begründet. Es wird immer offenkundiger, dass sich vor allem in Schwellenländern, aber auch in etablierten Volkswirtschaften, die Standortbedingungen besser entwickeln als bei uns“, legt Brossardt dar und fügt hinzu: „Dennoch erreicht der Freistaat im Bereich Markt aufgrund der guten Entwicklung bei der Verbundwertschöpfung den elften Platz. Im Bereich Kosten liegt Bayern bei der Dynamik auf Rang 45 und damit auf dem vorletzten Platz. Daran wird deutlich, wie groß unser Kostenproblem ist und dass es sich weiter verschärft.“
Die Studie betrachtet zudem, mit welchen Staaten Bayern am stärksten im wirtschaftlichen Wettbewerb steht. „Die sogenannte Wettbewerbsintensität misst sich daran, wie groß die Marktanteile der Wettbewerber auf wichtigen Exportmärkten Bayerns sind. China ist hier die größte Herausforderung für unsere Wirtschaft. Es ist das Land mit der größten Wettbewerbsintensität zu Bayern, legt zugleich die drittgrößte Dynamik im globalen Standortranking an den Tag und hat nur noch ein leicht unterdurchschnittliches Niveau der Standortqualität. Ebenso steht unser Standort im starken Wettbewerb mit Kanada, den USA, Südkorea, Japan und den Niederlanden, die alle eine überdurchschnittliche Standortqualität aufweisen. Mit Ausnahme von Südkorea haben diese Länder aber eine unterdurchschnittliche Dynamik. Die dynamischste Standortentwicklung haben Indien und Vietnam, die vor allem bei den Kosten punkten können“, so Brossardt weiter.
Brossardt abschließend: „Betrachtet man Niveau- und Dynamik-Ranking zusammen, so zeigt sich, dass die große Stärke Bayerns der Themenbereich Markt ist. Mit Abstand größtes Problem sind die Kosten. Unser Standort steht im internationalen Vergleich zwar immer noch gut da, aber diese Position ist in Gefahr. Klar ist: Wenn wir die Wettbewerbsfähigkeit unseres Standorts nicht nachhaltig verbessern, werden wir die Deindustrialisierung nicht stoppen.“
Die Studie "Industrielle Standortqualität im internationalen Vergleich" finden Sie hier .