Letzte Aktualisierung: 21. Mai 2026
Pressemitteilung
Kinder und Jugendliche vor Risiken bewahren – Aktionsrat fordert Altersbegrenzung / Brossardt: „Vorrangig bestehende Regelungen konsequent umsetzen und Medienbildung intensivieren"
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Kinder und Jugendliche brauchen effektiven Schutz vor den Risiken unkontrollierter Social-Media-Nutzung. Gleichzeitig müssen sie mediale Integrität, also den verantwortungsvollen und reflektierten Umgang mit Sozialen Medien, erlernen. Daher fordert der Aktionsrat Bildung, dass mediale Integrität in allen Altersstufen als Bildungsziel festgelegt und im Unterricht gezielt vermittelt werden muss. Zudem empfiehlt er eine gesetzliche Altersbegrenzung für den Zugang zu Social-Media-Plattformen. Das Expertengremium des von der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. initiierten Aktionsrates Bildung hat dies in seinem diesjährigen Gutachten „Social Media – Bildung – Integrität“ verankert, das heute im Rahmen einer Veranstaltung erstmalig der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.
vbw Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt erläutert die Ergebnisse des Gutachtens aus Sicht der Wirtschaft: „Knapp 81 Prozent der bayerischen 16-Jährigen sagen von sich selbst, dass sie zu viel Zeit in Social Media investieren. Durchschnittlich verbringen in Deutschland 10- bis 17-Jährige täglich rund 2,5 Stunden mit Social Media, an freien Tagen sind es sogar fast vier Stunden. Das sind alarmierende Zahlen. Als vbw sehen wir wie der Aktionsrat die Risiken und Gefahren, die von Social Media Plattformen für Kinder und Jugendliche ausgehen. Aber bevor wir neue gesetzliche Beschränkungen einfordern, sprechen wir uns dafür aus, zunächst noch einmal mit den Plattformbetreibern ins Gespräch zu gehen und auf eine konsequente Umsetzung der Altersbegrenzungen hinwirken, wie sie bereits jetzt in den jeweiligen AGBs festgelegt sind. Gleichzeitig braucht es eine altersgerechte Gestaltung der Plattformen, wie sie der Digital Services Act auf EU-Ebene einfordert.“
Damit ist es aber laut vbw nicht getan. „Wir dürfen unsere Kinder und Jugendlichen in der digitalen Welt mit ihren Untiefen aus Cybermobbing und Desinformation nicht sich selbst überlassen. Darum müssen wir im Unterricht einen geschützten Raum schaffen, um ihnen schrittweise Medienkompetenz und die ethischen Grundlagen für den verantwortungsvollen Umgang mit Social Media zu vermitteln“, betont Brossardt und fügt hinzu: „So bereiten wir sie auch auf die Anforderungen der sich wandelnden Arbeitswelt vor. Die Fähigkeit, sich reflektiert in der digitalen Welt zu bewegen, ist am Arbeitsmarkt der Zukunft unverzichtbar.“
Mit Blick auf den Freistaat ist aus Sicht der vbw ein umfassender Masterplan für die Vermittlung eines altersgerechten, integren Umgangs mit Social Media notwendig. „Bayern sollte hier mit einer landesweit agierenden, zentralen Servicestelle für das pädagogische Personal vorangehen, die Wissen und gute Praxisbeispiele zur Social-Media-Nutzung im Unterricht bündelt und allen am Bildungswesen Beteiligten beratend zur Seite steht. Digitale Bildungsplattformen wie die BayernCloud Schule müssen wir mit Applikationen zur pädagogischen Nutzung von Social Media im Unterricht erweitern“, führt Brossardt aus und ergänzt: „Gerade das pädagogische Personal spielt beim digitalen Kompetenzerwerb eine zentrale Rolle. Und genau hier muss die Staatsregierung anknüpfen, indem sie das Praxis- und Methodenwissen des pädagogischen Personals im Umgang mit Social Media gezielt erweitert. Wir müssen unsere Lehrkräfte mit einem modernen Aus- und Weiterbildungsangebot befähigen, sich dem Thema am Puls der Zeit fächerübergreifend annehmen zu können. Nur dann ist es möglich, unserem Nachwuchs diese so wichtigen Kompetenzen wirklich zu vermitteln.“
Der Vorsitzende des Aktionsrates Bildung, Prof. Dr. Dr. h. c. Dieter Lenzen, erklärt die Idee zum Gutachten: „Die Debatte um die Wirkungen der Nutzung von Social Media durch Kinder und Jugendliche reißt nicht ab. Um dem Risiko eines blinden Aktionismus der Politik zu begegnen, bereitet das diesjährige Jahresgutachten den verfügbaren Wissensstand zum Thema auf und gibt Handlungsempfehlungen für politische Entscheidungen."
Die Bayerische Staatsministerin für Unterricht und Kultus, Anna Stolz MdL betont: „Unsere Kinder und Jugendlichen wachsen heute in einer Welt ständiger digitaler Verfügbarkeit auf. Umso wichtiger ist es, sie stark zu machen für einen reflektierten Umgang mit digitalen Medien. Dafür brauchen wir verantwortungsvolle digitale Bildung mit Orientierung, Schutz und klaren Empfehlungen für alle. Das gelingt nur, wenn Schule, Elternhaus und Gesellschaft zusammenarbeiten. Medienkompetenz ist heute so viel mehr als Technikkompetenz – sie ist Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe und eine starke Demokratie.“
Zum Aktionsrat Bildung: Der AKTIONSRAT BILDUNG ist ein politisch unabhängiges Expertengremium renommierter Bildungswissenschaftler*innen, das sich 2005 auf Initiative der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. konstituiert hat. Das gemeinsame Interesse liegt vor allem darin, die gegenwärtige Situation im deutschen Bildungssystem zu bewerten und zentrale Herausforderungen zu identifizieren. Dabei stehen insbesondere Schlüsselthemen wie z. B. soziale Selektion, Übergangs- und Durchlässigkeitsdefizite im Bildungsverlauf und Lehrpersonalentwicklung im Zentrum der Diskussion. In seinen Gutachten bewertet der Aktionsrat Bildung politische Entscheidungen vor dem Hintergrund empirischer Befunde und legt der Politik konkrete Handlungsempfehlungen vor.
Das Gutachten finden Sie zum Download unter: www.vbw-aktionsrat-bildung.de