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Themen und Services/Nachhaltigkeit + CSR

Letzte Aktualisierung: 29. April 2021

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EU-Kommission veröffentlicht Richtlinienvorschlag zur CSR-Berichtspflicht

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 Beate Neubauer
Beate Neubauer
CSR / Nachhaltigkeit, Soziale Marktwirtschaft, Alterssicherung, Krankenversicherung, Pflegeversicherung, Gesundheitswirtschaft, FKS+
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Die Europäische Kommission hat einen Richtlinienvorschlag zur unternehmerischen Nachhaltigkeitsberichterstattung als Teil des "Sustainable Finance Package" am 21. April 2021 vorgelegt. Mit dem Vorschlag soll die EU-Richtlinie zur Angabe nichtfinanzieller und die Diversität betreffender Informationen durch bestimmte große Unternehmen und Gruppen (CSR-Berichterstattungsrichtlinie) geändert werden.

Bereits seit 2017 sind große kapitalmarktorientierte Unternehmen, Kreditinstitute und Versicherungen gesetzlich verpflichtet, über nichtfinanzielle Aspekte zu berichten. Auf nationaler Ebene war das deutsche Umsetzungsgesetz zur EU-Richtlinie 2014/95/EU zur Angabe nichtfinanzieller und die Diversität betreffender Informationen am 19. April 2017 in Kraft getreten. Es sah Änderungen der bilanzrechtlichen Vorschriften des HGB vor und führte für bestimmte – vor allem börsennotierte – Unternehmen neue handelsbilanzrechtliche Berichtspflichten für nichtfinanzielle Informationen ein. Der neue Richtlinienvorschlag sieht eine erhebliche Erweiterung der Informationspflichten von Unternehmen vor.

Anwendungsbereich der Richtlinie

Nach der bisherigen CSR-Berichterstattungsrichtlinie waren Unternehmen von öffentlichem Interesse mit über 500 Mitarbeitern erfasst, europaweit rund 11.700 Unternehmen. Durch den Richtlinienvorschlag soll der Anwendungsbereich auf rund 49.000 Unternehmen erweitert werden. In Zukunft sollen alle an einem regulierten Markt in der EU gelisteten Unternehmen (bis auf Kleinstunternehmen), zudem große nicht kapitalmarktorientierte Unternehmen sowie Banken und Versicherungen berichten, wobei das Kriterium der Arbeitnehmerzahl von 500 auf 250 gesenkt wird. Dies führt zu einer Ausweitung der Berichtspflichten auf große lageberichtspflichtigen Unternehmen nach §§ 264, 267 HGB.

Veröffentlichungspflichten

Es werden neue Anforderungen zur Nachhaltigkeitsberichterstattung eingeführt. Danach müssen Unternehmen umfassend unter anderem über die Auswirkungen der Geschäftstätigkeit auf Nachhaltigkeitsaspekte sowie über Geschäftsstrategien und -prozesse zur Erreichung von Nachhaltigkeitszielen berichten. Dies umfasst auch Informationen über den Due Diligence-Prozess zu Nachhaltigkeitsaspekten und über die Wertschöpfungskette. Informationen sollen zukünftig nach dem Prinzip der doppelten Materialität offengelegt werden, wonach die nachhaltigkeitsbezogenen Fakten veröffentlicht werden, die für das Verständnis von Geschäftsverlauf, Lage und Ergebnis erforderlich sind, sowie Informationen, um die Auswirkungen des Unternehmens auf die Gesellschaft zu verstehen.

Standard für die Nachhaltigkeitsberichtserstattung

Die konkrete Ausgestaltung der Berichtspflichten erfolgt durch einen neuen Nachhaltigkeitsberichterstattungsstandard, der von der EU-Kommission per delegierten Rechtsakt bis zum 31. Oktober 2022 beschlossen werden soll. Bis zum 31. Oktober 2023 soll eine Erweiterung der Nachhaltigkeitsberichtserstattungsstandards zu Sektorbetrachtungen und zusätzlichen Inhalten beschlossen werden. Dabei muss sich die EU-Kommission an der globalen Entwicklung, den Informationsbedürfnissen der Finanzmarktakteure und bestehenden Regulierungen orientieren.

Lagebericht

Der Richtlinienvorschlag sieht vor, dass die Nachhaltigkeitsberichterstattung zwingend im Lagebericht erfolgen muss. Zusätzlich müssen Unternehmen die Nachhaltigkeitsberichterstattung auf den Zeitpunkt der Lageberichterstattung vorziehen, ohne Wahlrecht über die Form und Ort der Berichterstattung. Der Lagebericht soll wie der Nachhaltigkeitsbericht in Einklang mit der ESEF-Verordnung (Einheitliches Europäisches Elektronisches Format) elektronisch erstellt und veröffentlicht werden. Das elektronische Format soll von der EU-Kommission mittels delegiertem Rechtsakt beschlossen werden. Im Ergebnis soll die Nachhaltigkeitsberichterstattung mit der Finanzberichterstattung angeglichen werden.

Geschäftsführung

Nach dem Richtlinienentwurf soll die Geschäftsführung die Verantwortung für die Nachhaltigkeitsberichterstattung tragen und die Verantwortung, die sich bislang nur auf die Finanzberichterstattung bezieht, auf den Nachhaltigkeitsbericht ausgeweitet werden.

Prüfpflicht

Der Richtlinienvorschlag sieht eine Prüfpflicht für die Nachhaltigkeitsberichterstattung vor, wonach der Abschlussprüfer, zunächst mit begrenzter Prüfungssicherheit, eine externe Prüfung vornehmen soll. Damit unterliegt die Nachhaltigkeitsberichterstattung der Bilanzprüfung.

Inkrafttreten

Die Richtlinie soll im Jahr 2021 im europäischen Gesetzgebungsverfahren verabschiedet werden. Bis Ende 2022 sollen die Mitgliedstaaten die Vorgaben in nationales Recht umsetzen. Die Berichtspflicht soll für Nachhaltigkeitsberichte gelten, die ab dem 1. Januar 2024 veröffentlicht werden, wonach die Berichtsperiode für Geschäftsjahre ab dem 01. Januar 2023 erfasst wäre.

Bewertung

Mit dem Richtlinienentwurf beginnt die EU-Kommission ein neues Kapitel in der CSR-/Nachhaltigkeitsberichterstattung. Er beinhaltet umfangreiche neue Berichtspflichten und erweitert dabei den Kreis der betroffenen Unternehmen erheblich. Flexibilisierungsmöglichkeiten in den bestehenden Richtlinien werden eingeschränkt. Dadurch werden neue Kosten und bürokratischer Aufwand auf die erfassten Unternehmen zukommen.

Über die weitere Entwicklung werden wir Sie informieren.

Information

Entwurf Richtlinie zur unternehmerischen Nachhaltigkeitsberichterstattung