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Letzte Aktualisierung: 28. Januar 2021

Themen und Services/Bildung/Ausbildung | Information

Tarifliche Ausbildungsvergütungen 2020 – Anstieg auch in Corona-Zeiten

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 Isabell Grella
Isabell Grella
Berufliche Bildung, Weiterbildung und Projekte
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Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) wertet jährlich die tariflichen Ausbildungsvergütungen zum 01. Oktober aus. Im Jahr 2020 lagen die tariflichen Ausbildungsvergütungen im Gesamtdurchschnitt bei 963 Euro pro Monat. Sie erhöhten sich gegenüber dem Vorjahr um durchschnittlich 2,6 Prozent. In Westdeutschland waren die tariflichen Vergütungen mit 965 Euro rund 2,8 Prozent höher als in Ostdeutschland mit 939 Euro. Den entsprechenden Fachbeitrag des BIBB finden Sie hier .

Regionale Vergütungsunterschiede

Obwohl sich die durchschnittlichen tariflichen Ausbildungsvergütungen zwischen Ost- und Westdeutschland immer weiter angleichen, gibt es bei einzelnen Berufen und auch nach Ausbildungsbereichen weiterhin größere Unterschiede mit in der Regel niedrigeren Vergütungsdurchschnitten in Ostdeutschland. Mit Blick auf die Ausbildungsbereiche war im Handwerk der Abstand zwischen den ost- und westdeutschen Werten am größten.

Vergütungsunterschiede nach Ausbildungsbereichen und Ausbildungsberufen

Zwischen den Ausbildungsbereichen unterscheiden sich die durchschnittlichen tariflichen Ausbildungsvergütungen zum Teil deutlich. Die höchsten Ausbildungsvergütungen wurden 2020 mit 1.076 Euro im Öffentlichen Dienst gezahlt. Ebenfalls über 1.000 Euro lag der Ausbildungsbereich Industrie und Handel.

Verteilung der Auszubildenden nach Vergütungshöhe

Ein erheblicher Teil der Auszubildenden in Deutschland wird in Berufen ausgebildet, in denen 2020 relativ hohe tarifliche Ausbildungsvergütungen gezahlt wurden.

  • Rund 42 Prozent der Auszubildenden, die in einem tarifgebundenen Betrieb lernten, erhielten Vergütungen von mehr als 1.000 Euro, 4 Prozent sogar mehr als 1.200 Euro.
  • Für 35 Prozent der Auszubildenden bewegten sich die Vergütungen zwischen 801 Euro und 1.000 Euro.
  • Eine vergleichsweise geringe Ausbildungsvergütung zwischen 601 Euro und 800 Euro erhielten 18 Prozent der Auszubildenden.
  • Bei lediglich 2 Prozent der Auszubildenden lag die tarifliche Ausbildungsvergütung unterhalb von 600 Euro.
  • Der Anteil hat sich trotz Einführung der Mindestausbildungsvergütung im Vergleich zu 2019 nicht geändert, obwohl durchaus in einigen Tarifbereichen mit eher geringen Vergütungen Anpassungen vorgenommen wurden. Allerdings lag die Mindestausbildungsvergütung für Auszubildende, die im Zeitraum vom 01.01.2020 bis zum 31.12.2020 ihre Ausbildung begonnen haben, bei 515 Euro, und auch in den kommenden Jahren bis zum 31.12.2022 sind für das erste Ausbildungsjahr Mindestausbildungsvergütungen von weniger als 600 Euro vorgesehen (vgl. § 17 BBiG).

Vergütungsunterschiede nach Geschlecht

Männliche Auszubildende erhielten 2020 im Durchschnitt über alle Ausbildungsjahre mit 968 Euro leicht höhere tarifliche Ausbildungsvergütungen als weibliche Auszubildende mit 953 Euro. Die Differenz veränderte sich im Vergleich zum Jahr 2019 nicht. Nach Ausbildungsbereichen zeigen sich vor allem im Handwerk große Unterschiede. Im Vergleich zu 2019 stiegen die tariflichen Ausbildungsvergütungen der männlichen Auszubildenden mit knapp 4 Prozent stärker an, als die der weiblichen Auszubildenden mit 2 Prozent, sodass sich der Abstand noch etwas vergrößerte.

Im Ausbildungsbereich Industrie und Handel waren die Unterschiede mit rund 2 Prozent relativ gering. Im Öffentlichen Dienst gab es keine geschlechtsspezifischen Unterschiede. In den Freien Berufen lag der ermittelte Durchschnittswert für Männer mit 867 Euro unter dem der Frauen mit 892 Euro. Die abweichenden Vergütungsdurchschnitte erklären sich durch die gewählten Berufe.

Vergütungshöhe in den einzelnen Ausbildungsjahren

Bei allen bisher genannten Beträgen handelt es sich jeweils um die durchschnittlichen tariflichen Vergütungen während der gesamten in der Ausbildungsordnung festgelegten Ausbildungsdauer der Berufe. Gesetzlich festgelegt ist eine mit jedem Ausbildungsjahr ansteigende Erhöhung der Ausbildungsvergütungen (§ 17 BBiG). Vom ersten zum zweiten Ausbildungsjahr sowie vom zweiten auf das dritte Ausbildungsjahr erhöhten sich die tariflichen Vergütungen jeweils im Durchschnitt um zehn Prozent. Der Vergütungsdurchschnitt für das vierte Ausbildungsjahr basiert ausschließlich auf den relativ wenigen Berufen mit einer dreieinhalbjährigen Ausbildungsdauer und ist somit nicht unmittelbar mit den Werten der anderen Ausbildungsjahre vergleichbar.

Bewertung

Aus den aufgeführten Gründen werden die Auswirkungen der Corona-Krise auf die tariflichen Ausbildungsvergütungen nur teilweise in den dargestellten Zahlen sichtbar. Eine tiefergehende Bewertung kann daher frühestens in einem Jahr unter Betrachtung der Zahlen für 2020 und 2021 vorgenommen werden. Tendenziell kann aber von einem im Durchschnitt geringeren Anstieg ausgegangen werden, wie er sich in den aktuellen Zahlen bereits zeigt. Diese Entwicklung belegt die aktiv und gemeinsam wahrgenommene Verantwortung der Sozialpartner, differenzierte Ausbildungsvergütungen auszuhandeln, die sowohl die aktuelle Wirtschaftskraft der Betriebe in den verschiedenen Branchen und Regionen berücksichtigen, als auch den betrieblichen Leistungen der Auszubildenden angemessen sind