Die bayerische Wirtschaft

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Letzte Aktualisierung: 01. Juli 2022

Studie

Die enge EU-Anbindung der Schweiz – eine wirtschaftliche Erfolgsstory in Gefahr?

 Tatjana Vargas
Tatjana Vargas
Volks- und Außenwirtschaft, Europa, GUS
Telefon +49 (0)89-551 78-258 +mobil+ +49 (0)173-578 30 79
Die enge EU-Anbindung der Schweiz – eine wirtschaftliche Erfolgsstory in Gefahr?
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Die bilateralen Abkommen, die die Schweiz und die EU um die Jahrtausendwende abgeschlossen hatten, führten zu einer engen wirtschaftlichen Kooperation zwischen der Schweiz und Deutschland sowie insbesondere auch Bayern. Nachdem sich der Schweizer Bundesrat im Mai 2021 dazu entschieden hatte, das mit der EU verhandelte Institutionelle Abkommen nicht zu unterzeichnen, kündigte die EU an, die bestehenden bilateralen Abkommen auslaufen zu lassen. Die vorliegende Studie beleuchtet die engen wirtschaftlichen Verflechtungen sowie die möglichen außenwirtschaftlichen Folgen, falls keine Einigung zwischen der Schweiz und der EU erfolgt.

Schweiz – wichtiger Investitions-, Handels- und Forschungspartner für Bayern

Ein großer Teil des schweizerisch-deutschen Handelsvolumens entfällt auf Bayern. Im Vergleich zu Gesamtdeutschland investiert Bayern überdurchschnittlich viel in der Schweiz: Rund ein Viertel des gesamten deutschen Investitionsbestandes in der Schweiz stammt aus Bayern. Umgekehrt sind schweizerische Direktinvestitionen mit annähernd 9 Milliarden Euro im Jahr 2019 eine ebenso wichtige Kapitalquelle für die bayerische Wirtschaft. Eine Besonderheit des bayerisch-schweizerischen Austausches ist die Vielzahl der grenzüberschreitenden Forschungskooperationen. Die Forschungsrahmenprogramme Horizon 2020 und EUREKA sind Beispiele für diese Verbindungen. Aus bayerischer Perspektive hängen rund 5 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung und die Beschäftigung von 68.000 Personen am Handel mit der Schweiz.

Pattsituation kostet langfristig Wohlstand und Wachstum

Eine Abkehr der Schweiz von der EU würde den Handel zwischen den Partnern erheblich belasten. Sofern keine Einigung über das Institutionelle Abkommen oder eine Fortsetzung der bilateralen Abkommen zustande kommt, erfolgt der Handel zwischen der EU und der Schweiz künftig auf Grundlage der WTO-Vorschriften sowie dem seit 1972 bestehenden Freihandelsabkommen zwischen der EU und der Schweiz. Dies ist mit erheblichen Einschränkungen und Handelshemmnissen verbunden, die für keine der beiden Seiten vorteilhaft sind. Selbst ein Abkommen nach Vorbild des EU-UK-Handels- und Kooperationsabkommens wäre ein deutlicher Rückschritt für die Handelsbeziehungen.

Sollte keine Lösung gefunden werden, kostet das langfristig Wohlstand und Wachstum – sowohl in der Schweiz als auch in Bayern, Deutschland und der Europäischen Union. Vor allem in Zeiten von Protektionismus und gestörten Lieferketten müssen die Schweiz und die EU ein Zeichen einer starken politischen und wirtschaftlichen Partnerschaft setzen, die auf gemeinsamen Werten und offenen Märkten beruht.