Letzte Aktualisierung: 13. Januar 2020

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vbw Konjunkturprognose 2020

Die konjunkturelle Lage in Bayern hat sich deutlich abgekühlt. Die Industrie befindet sich in einer Rezession, dies bekommen zunehmend auch die unternehmensnahen Dienstleister zu spüren. Hingegen ist die Lage im Baugewerbe und den konsumnahen Wirtschaftszweigen weiter recht ordentlich. Zahlreiche Unsicherheiten prägen das Geschehen. Die vbw prognostiziert für 2020 ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts in Bayern um 1,0 Prozent. Die im Vergleich zu 2019 höhere Rate ist allein vier zusätzlichen Arbeitstagen im Jahr 2020 geschuldet. Die konjunkturelle Dynamik wird unverändert schwach bleiben

Rückblick 2019

Die in der zweiten Jahreshälfte 2018 einsetzende konjunkturelle Verlangsamung setzte sich im Jahr 2019 fort. Dabei zeigte sich die Konjunktur im Freistaat gespalten. In der Bauwirtschaft konnte die Produktion deutlich gesteigert werden. Auch in den konsumnahen Wirtschaftszweigen wie dem Einzelhandel oder der Gastronomie stiegen die Umsätze an. Dagegen musste die bayerische Industrie einen spürbaren Produktionsrückgang verkraften. Besonders kräftig fiel dieser in der Automobil- und Zulieferindustrie aus. Doch im Jahresverlauf ging die Produktionstätigkeit in immer mehr Industriebranchen zurück. Dies wirkte sich zunehmend auch auf die unternehmensnahen Dienstleister negativ aus.

Die Industrie stand und steht von zwei Seiten unter Druck. Zum einen belasten der weltweite Protektionismus und die Handelsstreitigkeiten sowie die sonstigen globalen Unsicherheiten und Risiken den Außenhandel. Nachdem die bayerischen Exporte bereits 2018 nicht mehr gewachsen waren, sind sie im Jahr 2019 voraussichtlich zurück gegangen. Außerdem bremsen die zahlreichen Unsicherheiten die Investitionstätigkeit der Unternehmen. Beide Faktoren belasten die exportorientierte und auf Investitionsgüter spezialisierte bayerische Industrie.

Der Arbeitsmarkt entwickelte sich insgesamt noch gut. Mit einer Arbeitslosenquote von unter drei Prozent herrscht im Freistaat praktisch Vollbeschäftigung. Allerdings zeigten sich auch erste Schwächeanzeichen wie z. B. der Rückgang an offenen Stellen oder die Zunahme von Kurzarbeit.

Prognose 2020

Am wirtschaftlichen Umfeld wird sich im Jahr 2020 wenig ändern. Die Weltwirtschaft wird nach wie vor durch die Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China sowie zwischen den USA und der EU belastet. Die Risiko- und Unsicherheitsfaktoren bestehen unverändert fort. So erwartet der Internationale Währungsfonds für 2020 zwar wieder ein etwas stärkeres globales Wirtschaftswachstum und eine leichte Beschleunigung des Welthandels im Vergleich zu 2019, mit prognostizierten +3,4 bzw. +3,2 Prozent fallen die Zuwachsraten aber immer noch geringer aus als 2017 und 2018. Somit wird sich der Export weiterhin sehr schwach entwickeln.

Weitere Unsicherheiten z.B. im Hinblick auf die Klimapolitik dämpfen die Investitions- und Geschäftstätigkeit der Wirtschaft und insbesondere die Industrie zusätzlich. Es steht zu befürchten, dass sich die Rezession in der Industrie auf weitere Wirtschaftszweige auswirkt. So sind die Unternehmenserwartungen auch in den nicht-industriellen Branchen im Herbst und Winter 2019 merklich gesunken.

Ein wichtiger Aspekt für den Konsum ist die weitere Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. Die Nachfrage der Unternehmen nach Arbeitskräften ist spürbar gesunken. Eine deutlich rückläufige Zeitarbeit sowie ein Anstieg der Kurzarbeit zeigen, dass zahlreiche Betriebe ihre Kapazitäten nach unten fahren. Der Beschäftigungsanstieg in Bayern wird sich nur noch mit sehr geringem Tempo fortsetzen. Dagegen ist eine moderate Zunahme der Arbeitslosigkeit zu erwarten.

Insgesamt geht die vbw für 2020 von einer weiterhin sehr schwachen konjunkturellen Dynamik aus. Nachdem das BIP im Jahr 2019 nach Einschätzung der vbw um 0,7 Prozent zugenommen hat, wird für 2020 ein Plus von 1,0 Prozent prognostiziert. Dieser höhere Wert ist aber allein auf die Tatsache zurückzuführen, dass im Jahr 2020 vier Arbeitstage mehr zur Verfügung stehen, wobei ein Arbeitstag für knapp 0,1 Prozentpunkte Wachstum steht.

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