Letzte Aktualisierung: 28. August 2017

Position

IdA BayernTurbo – Asylbewerber erfolgreich in Ausbildung integrieren

Die vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. hat gemeinsam mit der Bayerischen Staatsregierung und der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit die Initiative IdA – Integration durch Ausbildung und Arbeit gestartet. Ein zentraler Bestandteil ist das Ausbildungsprojekt IdA BayernTurbo. Das Projekt ging im Februar 2017 zu Ende. Die Projektergebnisse und -erfahrungen hat die vbw in der Position IdA BayernTurbo – Asylbewerber erfolgreich in Ausbildung integrieren zusammengefasst.

Empfehlungen für eine erfolgreiche Integration

Aus der Projekterfahrung heraus lassen sich folgende Empfehlungen für die Integration von Asylbewerbern in eine Einstiegsqualifizierung oder Ausbildung ableiten:

  • Eine intensive kontinuierliche Betreuung aus einer Hand ist für die Stabilisierung und berufliche Integration von zentraler Bedeutung. Die jungen Flüchtlinge haben aufgrund kultureller Unterschiede einen hohen Begleitungs- und Betreuungsbedarf und viele Fragen zum alltäglichen Leben und zur Arbeitswelt in Bayern und Deutschland. Aus diesem Grund ist eine persönliche Begleitung, welche als Ansprechpartner jederzeit zur Verfügung steht und durch den ständigen Kontakt die Stabilisierung des Teilnehmers gewährleisten kann, unabdingbar.

  • Eine wichtige Voraussetzung für die berufliche Integration ist das Erlernen berufsbezogener Sprachkenntnisse. Sie haben sich im Projekt als wesentlicher Erfolgsfaktor bei der Vermittlung in Einstiegsqualifizierung oder Ausbildung erwiesen. Der berufsbezogene Deutschunterricht ermöglicht die Verbindung aus fachlicher Kenntnisvermittlung und dem praxisnahen Erlernen der Sprache. Eine berufsspezifische Sprachförderung für die berufliche Integration sollte daher flächendeckend gegeben sein.

  • Die jungen Flüchtlinge benötigen im Regelfall nach der Teilnahme am Projekt weitere sprachliche Förderung, um ihr Sprachniveau weiter zu steigern und die Berufsschule sowie die Ausbildung erfolgreich absolvieren zu können. Hierfür sollten fortführende Unterstützungsleistungen ausgebaut werden, ebenso wie Lernangebote, um die Sprache während der praktischen Tätigkeit weiter gezielt zu vermitteln.

  • Ein wesentlicher Erfolgsbaustein für die Integration ist ein systematisches und standardisiertes Kompetenzfeststellungverfahren im Rahmen einer Potenzialanalyse und anschließend während praxisbezogener Übungseinheiten. Diese Verfahren sind eine wichtige Voraussetzung für die weitere berufliche Förderung und Orientierung, für die Steigerung der Motivation der Teilnehmer sowie für eine passgenaue Besetzung und sollten deshalb Bestandteil aller Maßnahmen sein, die im Bereich der Berufsorientierung für Flüchtlinge durchgeführt werden.

  • Insbesondere für Jugendliche, für die das duale Ausbildungssystem neu ist, ist eine systematische Berufsorientierung und praktische Erprobung im Vorfeld der Integration in den Ausbildungsmarkt sinnvoll, da sie grundlegende Weichen für eine erfolgreiche Berufswahl stellen und eine enge Bindung zum Unternehmen ermöglichen. Den meisten jungen Flüchtlingen und Asylbewerbern ist das duale Ausbildungssystem in Deutschland nicht bekannt. Die grundlegende Vermittlung der Bedeutung und Relevanz des deutschen Ausbildungssystems ist wichtig, um dafür Akzeptanz und Verständnis zu gewinnen.

  • Um einen erfolgreichen Ausbildungsverlauf und -abschluss gewährleisten zu können, muss eine umfassende und kontinuierliche Nachbetreuung durch begleitende fachliche und pädagogische Unterstützungsangebote während der Ausbildung gewährleistet sein. Aus diesem Grund ist die Politik gefordert, den Zugang zu allen Förderleistungen der Berufsausbildung (Berufsausbildungsbeihilfe, assistierte Ausbildung, ausbildungsbegleitende Hilfen, usw.) mit Abschluss eines Ausbildungsvertrags zu ermöglichen. Um Unternehmen zu entlasten, Hemmnisse bei der Einstellung und im Ausbildungsalltag abzubauen sowie die Integration nachhaltig sichern zu können, ist eine bedarfsgerechte individuelle Beratung und Unterstützung notwendig.

  • Während des Modellprojekts wurden viele rechtliche Fragen rund um die Themen Arbeitserlaubnis und Aufenthaltsstatus aufgeworfen. Eine fundierte Rechtsberatung, die im Projekt durch die vbw erfolgte, ist angesichts der Komplexität asyl- und aufenthaltsrechtlicher Sachverhalte ein zentraler Faktor für die erfolgreiche berufliche Integration von Flüchtlingen und Asylbewerbern. Es braucht insbesondere beim Prozess der Beschäftigungserlaubnis transparente Prüfverfahren.

  • Viele junge Flüchtlinge sind aufgrund von Kriegs- und Fluchterlebnissen traumatisiert und benötigen professionelle Hilfe, damit sie erfolgreich in eine Ausbildung oder Einstiegsqualifizierung integriert werden können. Die entsprechenden Angebote sind auszubauen, um die zeitnahe, bedarfsgerechte Versorgung sicherzustellen. Dabei muss es auch Beratungsangebote für die Unternehmen geben, die traumatisierte Flüchtlinge ausbilden bzw. beschäftigen.

  • Für den Integrationserfolg stellt die Mobilität vor Ort einen wichtigen Faktor dar, da viele junge Flüchtlinge auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind. Sollte ein Erreichen des Ausbildungsplatzes nicht möglich sein, sollte die Möglichkeit eines Wohnsitzwechsels erleichtert werden.

  • Die Wohnsituation einzelner Teilnehmer gestaltete sich aufgrund von Gemeinschaftsunterkünftigen als schwierig. Die Unterbringung der Flüchtlinge in eigenen, abgeschlossenen Wohnräumen ist für das Gelingen der beruflichen Integration sehr wichtig und sollte für Geflüchtete in einer Ausbildung oder Einstiegsqualifikation so weit als möglich gewährleistet werden.


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Ansprechpartner
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Tina Wehrle

Berufliche Bildung, Weiterbildung und Projekte

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