Letzte Aktualisierung: 23. Juni 2017

Pressemitteilung

vbw wirbt in Oberbayern für flexible Gestaltung der Arbeitszeit/Dr. Dietmar Klein: „Das Arbeitszeitrecht von historischen Bedingungen befreien!“

23.06.2017 - Mühldorf

Die vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. wirbt zusammen mit 31 Mitgliedsverbänden mit der Kampagne „So möchte ich arbeiten!“ für mehr Flexibilität in der Arbeitszeit. „Die Digitalisierung befreit die Arbeit von der Ortsgebundenheit. Die Allverfügbarkeit von Smartphones, Laptops, schnellem Internet, digitaler Archivierung reduziert die Anwesenheit im Büro. Es gelingt uns, die Flexibilitätswünsche unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit den Bedürfnissen der Märkte in Einklang zu bringen. Leider sind wir dabei heute oft im Risiko, eine Arbeitszeitvorschrift zu übersehen oder wegen solcher Vorschriften die Wünsche der Beschäftigten zurückweisen zu müssen. Die geltenden Arbeitszeitregelungen stammen aus der Vergangenheit. Unsere Unternehmen und unsere Beschäftigten leben aber in der Gegenwart und strukturieren gerade die Zukunft. Diese Zukunft werden wir mit den alten Regeln zur Arbeitszeit nicht mehr erfolgreich gestalten. Wir fordern den Gesetzgeber daher auf, uns von historischen Bedingungen zu befreien, die heute niemandem mehr nützen. Dafür werben wir mit einer umfassenden Kampagne“, sagte der stellvertretende Vorsitzende der vbw Bezirksgruppe München-Oberbayern, Dr. Dietmar Klein, bei der Präsentation der Kampagne in Mühldorf.

Die vbw betont, dass es ihr nicht um die Dauer der Arbeitszeit geht. „Die ist in Tarifverträgen oder Arbeitsverträgen unter Mitwirkung der Unternehmen, ihrer Verbände und der Sozialpartner geregelt. Uns geht es um die Verteilung des Arbeitsvolumens über die Woche“, sagte Klein. Konkret forderte er, dass die Begrenzung der täglichen Arbeitszeit auf maximal zehn Stunden aufgegeben wird. „Die Menschen wollen an manchen Tagen länger arbeiten. Wir fordern, dass der Spielraum der Europäischen Richtlinie voll ausgeschöpft wird, die eine wochenbezogene Betrachtung und eine durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 48 Stunden vorsieht.“

Die vbw fordert auch, dass die elfstündige tägliche Mindestruhezeit zwischen Arbeitsende und dem Beginn der Arbeit am nächsten Tag als generelle Vorschrift abgeschafft wird. „Sie gehört auf die notwendigen Fälle, wie zum Beispiel Lenkzeiten im Straßenverkehr, begrenzt“, sagte Klein.

Ingolf F. Brauner, Geschäftsführer der COMED GmbH und Präsident der Vereinigung der Selbständigen und mittelständischen Unternehmen in Bayern e. V., erläuterte die Problematik des Arbeitszeitgesetzes für seine Branche und seinen Betrieb: „Für den bayerischen Mittelstand ist die individuelle Flexibilisierung der Arbeitszeit ein wichtiges Instrument zur Mitarbeiterbindung. So könnten zum Beispiel alleinerziehende Mitarbeiter niemals familiäre Aufgaben und berufliche Verpflichtungen miteinander vereinbaren, wenn ihnen der Arbeitgeber nicht in weiten Grenzen bei der Verteilung der Arbeitszeit über den Tagesverlauf entgegenkommt. In vielen Fällen werden aber gerade diese Arbeitgeber kriminalisiert, weil ihre Rücksichtnahme auf den Arbeitnehmer den engen Grenzen des deutschen Arbeitszeitgesetzes widerspricht.“

Christian Fiederer, Geschäftsführer der Heidelberger Beton Inntal GmbH & Co. KG, Altötting und Mitglied im Bayerischen Industrieverband Baustoffe, Steine und Erden, sagte: "Unser Arbeitsumfeld in der Baubranche sowie in der Baustoffindustrie ist von großen saisonalen Schwankungen sowie unvorhersehbaren Umständen auf den einzelnen Baustellen geprägt. Unterbrechungen von Arbeitsabläufen, vor allem auf Großbaustellen wegen der strikten Einhaltung von Arbeitszeitgesetzen in Deutschland, bedeuten für unsere motivierten Mitarbeiter Mehraufwand und Einschränkung ihrer Flexibilität und können für die Unternehmen existenzgefährdende Auswirkungen haben, falls Schäden wegen unvollendeter Arbeiten entstehen.“

Thomas Geppert, Landesgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands DEHOGA Bayern erklärte: „Das jetzige Arbeitszeitgesetz entspricht nicht mehr der Lebenswirklichkeit. Uns geht es explizit nicht um mehr Arbeit oder weniger Arbeitsschutz, die gesetzlichen Regelungen der Ruhezeiten garantieren auch weiterhin die gesundheitlichen Belange unserer Mitarbeiter. Das, was wir benötigen, ist lediglich etwas mehr Flexibilität. Denn das Gastgewerbe ist geprägt von starken, oftmals nicht planbaren Nachfrageschwankungen. Hochzeits- und Geburtstagsfeiern dauern länger als ursprünglich vorgesehen. Die Sonne scheint im Biergarten unangemeldet schon am Vormittag, Schnee und Eis verhindern die pünktliche Anreise der Gäste in den Abendstunden. Eine aktuelle Studie belegt den dringenden Handlungsbedarf: Seit 2015 haben bereits 54 Prozent der Hoteliers und Gastronomen ihre Öffnungszeiten aufgrund des starren Arbeitszeitgesetzes reduziert, über die Hälfte haben ihr Leistungsangebot eingeschränkt und ein Drittel ihre Ruhetage erhöht. Diese Zahlen untermauern, wie sehr dies dem Tourismus-Standort Bayern schadet, denn wo keine gastronomische Verpflegung über den Tag gewährleistet ist, kann auch kein Tourismus stattfinden.“

Ziel der Kampagne ist es, die zentrale Forderung – mehr Flexibilität in der Arbeitszeit für Arbeitgeber und Arbeitnehmer – einer breiten Öffentlichkeit verständlich zu machen. Deshalb zeigt die Kampagne Arbeitnehmer aus unterschiedlichen Branchen in ihrer persönlichen Arbeitsrealität.

Unter der Überschrift „So möchte ich arbeiten!“ erläutern die Arbeitnehmer, warum sie mehr Flexibilität in der Arbeitszeit benötigen und warum das für alle – Arbeitnehmer, Arbeitgeber und nicht zuletzt Verbraucher – wichtig ist. Die Kampagne wurde Ende April gestartet und läuft bis zur Bundestagswahl am 24. September. Das Motto und die Motive zum Thema Arbeitszeit werden auf Großflächenplakaten in ganz Bayern, davon rund 600 in Oberbayern, auf Online-Bannern, in Broschüren und auf Bierfilzen gezeigt. Die vbw stellt derzeit ihre Aktionen in allen Regierungsbezirken vor. Dreh- und Angelpunkte sind die Kampagnenwebsite www.so-moechte-ich-arbeiten.de und die Social-Media-Kanäle. Dort finden Sie verschiedene Branchenbeispiele und Video-Interviews.


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Presse / Öffentlichkeitsarbeit

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