Letzte Aktualisierung: 04. Juli 2018

Pressemitteilung

vbw für die Stärkung des ländlichen Raums / Ohl: „Vorhandene Potenziale ausschöpfen“

04.07.2018 - Bayreuth

Im Rahmen eines Pressegesprächs hat die vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. die Chan-
cen und Herausforderungen des ländlichenRaums in Oberfranken skizziert. „Demografischer Wandel, Fachkräftemangel, Infrastruktur, Gesundheitsversorgung und Digitalisierung sind die beherrschenden Themen bei der Diskussion um den ländlichen Raum. Um sie zu meistern, brauchen ländliche Regionen die passenden Rahmenbedingungen. Staat und Politik sind gefordert, ihrem Auftrag nach gleichwertigen Lebensbedingungen nachzukommen und im Rahmen der kommunalen Daseinsvorsorge die notwendige Infrastruktur bereitzustellen“, forderte Dr. Hanns-Peter Ohl, stellvertretender Vorsitzender des Vorstands der vbw Bezirksgruppe Oberfranken.

Laut vbw zeigt sich bei den Auswirkungen des demografischen Wandels und des damit im Zusammen-
hang stehenden Fachkräftemangels ein deutliches Stadt-Land-Gefälle. Einigen ländlichen Regionen wird kaum noch ein Bevölkerungswachstum prognostiziert, die Metropolregionen boomen hingegen. „Während in einigen Regionen Oberfrankens bis 2036 ein Bevölkerungsrückgang um mehr als 15 Prozent vorher-
gesagt wird, stagniert das Wachstum andernorts im gleichen Zeitraum. Erschwerend kommt hinzu, dass der Anteil älterer Menschen in einigen ländlichen Gegenden Oberfrankens teilweise von heute 46 auf dann über 70 Prozent steigen soll. Eine Stadt wie Bamberg wäre von dieser Entwicklung nicht im Ansatz so stark betroffen. Natürlich immer vorausgesetzt, man unternimmt nichts dagegen“, erklärte Ohl und fügte hinzu: „Würde diese Prognose so eintreten, hätte das weitere negative Auswirkungen auf die Verfüg-
barkeit von Fachkräften. Schon heute ist der Fachkräftemangel in Oberfranken spürbar und führt in manchen Unternehmen schon zu Einschränkungen in den Unternehmensprozessen.“

Damit der ländliche Raum für Fachkräfte attraktiv bleibt, setzt die vbw darauf, dass der Staat den dringend notwendigen Auf- und Ausbau der Infrastruktur konsequent vorantreibt. „Es ist eine Frage der Gerechtig-
keit
, dass der Staat die ihm aus Steuergeldern zur Verfügung stehenden Mittel nicht nur effizient, sondern auch adäquat auf alle Teile Bayerns und Oberfrankens verteilt“, betonte Ohl.

Als Folge des demografischen Wandels nehmen verschiedene Formen des Bedarfsverkehrs im ländlichen Raum zu. Vorrangiges Ziel muss laut vbw ein hoher Flexibilisierungsgrad sein, um auf unterschiedliche Raum- und Nachfragestrukturen reagieren zu können. „Die Lage in Oberfranken ist gut. Es muss aber auch künftig ein engmaschiges Verkehrskonzept aus Schienennetz, Straßen und öffentlichem Nahverkehr geben. Damit werden wir sowohl den Mobilitätswünschen der Bewohner als auch den Anforderungen der Unternehmen gerecht“, kommentierte Ohl.

Ein weiterer wichtiger Baustein für eine optimale Anbindung des ländlichen Raums ist eine leistungsfähige digitale Infrastruktur. „Dank der seit 2013 laufenden Breitbandoffensive des Freistaats verfügen heute fast 90 Prozent der oberfränkischen Haushalte über schnelles Internet. Es finden sich aber noch weißeFlecken in ländlichen Regionen, in denen Telefonie und mobiler Datentransport nur eingeschränkt möglich sind“, erklärte Ohl.

Der ländliche Raum hat ein großes Potenzial als Wirtschafts-, Wohn- und Kulturort. So ist Bayern in Deutschland das Tourismusziel Nummer eins. In Oberfranken sind Bamberg mit seinen zahlreichen Sehenswürdigkeiten und die fränkische Schweiz touristische Highlights. Die Zahl der Übernachtungen hat im Jahr 2017 die fünf-Millionen-Marke deutlich überschritten. „Das Naherholungspotenzial ist zugleich ein gutes Argument für die Unternehmen bei der Mitarbeitergewinnung. Und: Wohnraum ist auch noch erschwinglich. Bezahlt man in Bamberg 350.000 Euro und mehr für ein Haus, sind es im Landkreis Hof nur 250.000 Euro“, so Ohl. Problematisch sei allerdings die Verfügbarkeit von attraktivem Wohnraum und das Erscheinungsbild mancher Dörfer und Städte. „Wir unterstützen aus diesem Grund ausdrücklich die Förderinitiative Nordostbayern in Verbindung mit dem Domizilkonzept Hochfranken. Die Förderung ist unerlässlich zur Aktivierung privater Investitionen für mehr Wohnraum“ so schließt Ohl.

Clemens Dereschkewitz, Geschäftsführer der ait-deutschland GmbH, Kasendorf, fügte hinzu: „Attraktivität schafft Zukunft. Wir müssen es schaffen den ländlichen Raum für junge Leute und Familien attraktiver zu machen, um genügend Fachkräfte für die Zukunft zu haben. Die Gestaltung der Attraktivität sollte sich an den Bedürfnissen der nächsten Generation orientieren, wie zum Beispiel Digitalisierung, Bildung und Infrastruktur.“

Heidrun Piwernetz, Regierungspräsidentin des Regierungsbezirks Oberfranken, sagte: „Oberfranken hat sich insgesamt positiv zu einer Zukunftsregion entwickelt. Die wirtschaftliche Lage ist gut. Die Arbeitslo-
senquote betrug im Juni 2018 nur noch 3,0 Prozent, in einigen Teilregionen herrscht Vollbeschäftigung. Die Aufbruchstimmung ist mit Händen zu greifen. Ob es um den Ausbau der Verkehrswege oder die Breit-
bandversorgung geht, um die Unterstützung unternehmerischer Investitionen oder den Ausbau der Hochschulen und der wirtschaftsnahen Forschungsinfrastruktur, die Stärkung der Innenorte, die Förderung unserer kulturellen Einrichtungen und vieles andere mehr: Investitionsentscheidungen und Fördermaß-
nahmen der Staatsregierung haben maßgebliche Beiträge geleistet. Auch die mit der Heimatstrategie verbundenen, zum Teil bereits auf den Weg gebrachten Verlagerungen staatlicher Behörden bringen wertvolle Impulse. Und die positive Entwicklung setzt sich fort. Die eingeleiteten Maßnahmen zeigen Wirkung: Auch die Wanderungssalden zeigen, dass der ländliche Raum im Durchschnitt wieder wächst, in Oberfranken gab es hier ein Plus von 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der eingeschlagene Weg ist der Richtige, um den ländlichen Raum in Oberfranken nachhaltig und gleichwertig weiter voranzubringen. Wir brauchen zukunftsfähige Arbeitsplätze und eine gute Infrastruktur. Die Politik, die Wirtschaft, die Kammern und Verbände und viele Menschen in Oberfranken packen an. Die Oberfranken haben es schon oft bewiesen: Sie sind Meister des Strukturwandels. Gemeinsam wird es gelingen!“

Dr. Karl Döhler, Landrat von Wunsiedel, erklärte: „Statistiken zu Bevölkerungsentwicklungen nehmen wir sehr ernst, beeindrucken lassen wir uns davon nicht mehr. Wir haben aufgehört, sie als unabänderlich hinzunehmen und arbeiten mit einer gezielten Strategie daran, diese Entwicklungen positiv zu beeinflus-
sen. Mit wachsendem Erfolg – das belegt die jüngste Prognose des Bayerischen Landesamtes für Statistik zur Bevölkerungsentwicklung. Der Grund dafür sind die Einwohnerzahlen der vergangenen Jahre, die sich positiver entwickelt haben, als es vorangegangene Prognosen errechnet hatten. Wir gehen davon aus, dass sich diese positive Entwicklung auch in den kommenden Erhebungen fortsetzt. Erst in diesem Jahr haben wir dafür den nächsten Schritt getan. Mit dem Start der Imagekampagne #freiraumfürmacher wollen wir gezielt Fachkräfte in die Region holen. Die Wirtschaft ist hierin schon eng eingebunden. Schon jetzt haben wir erste Anfragen, die uns zuversichtlich stimmen; allerdings ist das natürlich ein Prozess, der seine Zeit braucht. Eine Trendwende in Bezug auf die demografische Entwicklung zu erzielen, bleibt unser Ziel. Schaffen werden wir das aber nicht allein. Alle müssen mithelfen, um die Region weiter attraktiv zu gestalten. Dazu braucht es neben Arbeitsplätzen, Kita-Plätzen, modernen Schulen oder Freizeitangeboten auch beispielsweise passenden Wohnraum.“


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Ulla Wolfshöfer

Presse / Öffentlichkeitsarbeit

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