Letzte Aktualisierung: 18. September 2020

Pressemitteilung

vbw Pressemitteilung zum Kongress und Studie „Die EU und China“ / Gleichberechtigter Marktzugang ist nach wie vor in weiter Ferne

18.09.2020 - München

Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den Mitgliedsstaaten der EU und der Volksrepublik China sind in den letzten Jahren deutlich gewachsen. Das bilaterale Handelsvolumen stieg von 2010 bis 2019 von 380 auf 580 Milliarden Euro. Auch Chinas Bedeutung als Investor in der EU nahm zu, während die Investitionen europäischer Unternehmen in China seit 2013 unverändert blieben. Ein Grund dafür ist, dass viele Bereiche in China für ausländische Investoren verschlossen oder nur bedingt zugänglich sind. Dies sind zentrale Ergebnisse der von der Prognos AG für die vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. erstellten Studie „Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen der EU und China“. Die Studie wird auf einem Online-Kongress der vbw vorgestellt, an dem auch Vertreter von vbw Schwesterverbänden aus Spanien, Ungarn, Frankreich, Österreich und Südtirol teilnehmen.

„Grund für dieses Ungleichgewicht ist, dass das Ziel `level playing fields´ bis heute keine Realität ist. Es gibt also keine ähnlichen Zugangsbedingungen zum Markt des jeweiligen Partners. So regeln `Negativlisten´ den Zugang zum chinesischen Markt. Unter dem Strich stehen für europäische Unternehmen Investitionsverbote in bestimmten Bereichen, Beteiligungsobergrenzen, der Zwang zur Bildung von Gemeinschaftsunternehmen und staatlich auferlegte Technologietransfers“, erklärte vbw Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt.

Um annährend gleiche Bedingungen zu erreichen, fordert die vbw die chinesische Seite auf, die Hindernisse und Unsicherheiten für ausländische Unternehmen zu beseitigen. „Abschottung ist keine Lösung. Wir müssen uns für offene Märkte und wirtschaftliche Gleichbehandlung einsetzen. Hier ist auch die EU als großer Wirtschaftsraum gefordert. Nur geschlossen hat Europa das erforderliche Gewicht und die Größe, um auf Augenhöhe mit China zu verhandeln“, so Brossardt.

Schwierig gestalten sich insbesondere die Rahmenbedingungen für Direktinvestitionen in China. Zwar bildete China 2018 in Asien mit einem Bestand von 155 Milliarden Euro das wichtigste Ziel von EU-Direktinvestitionen. Insgesamt entfallen damit aber nur zwei Prozent der EU-Direktinvestitionen auf das Reich der Mitte. Während China umgekehrt in den ersten Jahren nach der Jahrtausendwende fast ausschließlich Empfänger von Direktinvestitionen war, haben die chinesischen Direktinvestitionen in der EU in den letzten Jahren massiv zugenommen. 2018 lagen sie bei rund 60 Milliarden Euro. Chinesische Direktinvestitionen werden jedoch mit wachsender Skepsis in Bezug auf ungewollten Technologietransfer betrachtet. Brossardt: „Die Europäischen Verträge garantieren ein offenes Investitionsumfeld, das von China genutzt wird.“

In dem von China angestoßenen transnationalen Projekt „Neue Seidenstraße“ sieht die Studie für EU-Unternehmen Chancen und Risiken. Brossardt: „Auf der einen Seite bieten sich für europäische Unternehmen direkte Geschäftsmöglichkeiten über eine Beteiligung beim Ausbau der Infrastrukturvorhaben. Andererseits sichert sich China hier auch eine starke Kontrolle über internationale Logistikketten und damit großen Einfluss auf die Länder entlang der Seidenstraße.“

Handelszahlen Deutschland/China

- Für Deutschland und Bayern ist China der wichtigste Handelspartner.
- Handelsvolumen Deutschland/China 2019: (Exporte und Importe): rund 206 Milliarden Euro (= 8,5 Prozent des deutschen Außenhandelsvolumens)
- Exporte Deutschlands nach China 2019: 96 Milliarden Euro (= 7,2 Prozent aller deutschen Exporte; China ist damit der drittwichtigste Exportmarkt für deutsche Waren hinter den USA und Frankreich).

Handelszahlen EU/China

- Handelsvolumen 2019: (Exporte und Importe): rund 580 Milliarden Euro (= gut 6 Prozent des EU-Außenhandelsvolumens)
- EU-Exporte nach China 2019: 200 Milliarden Euro (= 4 Prozent aller EU-Exporte)
- 2019 stammten rund acht Prozent der europäischen Einfuhr aus der Volksrepublik. Der Wert: über 380 Milliarden Euro.

Die Studie „Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen der EU und China“ finden Sie unter www.vbw-bayern.de/EU-China


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