Letzte Aktualisierung: 10. September 2020

Pressemitteilung

Wertschöpfungsketten müssen neu austariert werden / Brossardt: „Corona kein Vorwand für Protektionismus und Re-Nationalisierung“

10.09.2020 - München

Die Corona-Pandemie zeigt die Verwundbarkeit einer globalisierten Wirtschaft. Die Abhängigkeit der bayerischen Industrie von internationalen Liefer- und Wertschöpfungsketten ist dabei äußerst heterogen. Das ist ein zentrales Ergebnis der Studie „Verbesserung der Resilienz der bayerischen Wirtschaft“, die die Prognos AG im Auftrag der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. erstellt hat. „Erfreulicherweise zeigen bayerische Schlüsselbranchen wie die Automobil- und Zulieferindustrie, aber auch der Maschinenbau, eine hohe Resilienz, obwohl bei ersterem die Wertschöpfungsketten sehr lang sind. Das ist insofern wichtig, weil ein Produktionsausfall in diesen großen Branchen hohe gesamtwirtschaftliche Auswirkungen hätte. Andere Wirtschaftszweige wiederum sind deutlich verwundbarer, wie beispielsweise die Chemische Industrie, das Ernährungsgewerbe sowie die Mineralölverarbeitung“, erklärt vbw Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt und ergänzt: „Die Corona-Pandemie wird zu einem Überdenken der Wertschöpfungsketten führen. Allerdings gelten die Vorteile der Globalisierung und der weltweiten Arbeitsteilung nach wie vor. Die Erfahrungen geschädigter Lieferketten dürfen nicht die bestehenden protektionistischen Tendenzen verschärfen. Sowohl auf betriebs- als auch volkswirtschaftlicher Ebene muss die Internationalisierung neu austariert werden, sie darf aber nicht zurückgedreht werden. Die Politik ist ebenfalls gefordert, z. B. durch Notfallpläne für das Gesundheitswesen.“

Laut vbw haben die Unternehmen die Möglichkeit, sich zwischen einer statischen oder dynamischen Resilienz zu unterscheiden. „Die Unternehmen sind generell und aufgrund von Corona gefragt, durch Multiples Sourcing, einem strategischen Bestandsmanagement, internen Risikoanalysen sowie einer sicheren und modernen IT-Infrastruktur ihre Widerstandsfähigkeit zu erhöhen. Zwar sind damit Kosten verbunden, die kurzfristig die Wettbewerbsfähigkeit schmälern können. Aber auf lange Sicht rentieren sich diese Investitionen für die Unternehmen, denn eine zu geringe Resilienz kann bei weltweiten Störungen der Handels- und Lieferketten gravierende betriebswirtschaftliche Schäden verursachen“, sagt Brossardt.

Die Studie untersucht und analysiert die Abhängigkeit der deutschen Unternehmen hinsichtlich ihrer Exporte und Importe basierend auf den Daten des Statistischen Bundesamtes für insgesamt knapp 6.000 Gütergruppen.


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