Letzte Aktualisierung: 07. Dezember 2018

Pressemitteilung

vbw: Gute Ausgangsposition – Fahrverbote müssen unterbleiben / Bergner: „Strukturvorteile in den Veränderungsprozessen“

07.12.2018 - Nürnberg

„Die Automobil- und Zulieferindustrie sind für Bayern und Mittelfranken von essenzieller Bedeutung“, erklärt Frank A. Bergner, Vorstandsvorsitzender der Bezirksgruppe Südost-Mittelfranken der bayerischen Metall- und Elektroarbeitgeberverbände bayme vbm. Er betont die Chancen und Herausforderungen der Automobil- und Zulieferindustrie in Mittelfranken. Bergner: „Gegenwärtig befindet sie sich in einem großen Strukturwandel, mit guten Chancen und verschiedenen Herausforderungen zur gleichen Zeit, zum Beispiel beim vernetzten und autonomen Fahren, bei der technologischen Entwicklung von Antriebssystemen und neuen Geschäftsmodellen wie Carsharing. Um weltweit Leitregion für das Automobil zu bleiben, müssen wir den Wandel bei den Antriebstechnologien als Innovationsführer aktiv gestalten.“

In zwei aktuellen Studien haben bayme vbm und die vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. analysiert, wie sich die Veränderungen auf die bayerische Automobil- und Zulieferindustrie auswirken. In den nächsten zehn Jahren ist ein weiteres Wachstum möglich, das maßgeblich auch noch von Autos mit Verbrennungsantrieb getragen wird, bevor sich neue Antriebstechnologien in Größenordnungen durchsetzen. „Das ist ein weiterer Grund, die Diesel-Debatte endlich zu beenden. Die ganze Diskussion um eine Technologie, in der Deutschland weltweit führend ist, gefährdet die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen und bayerischen Automobilstandortes. Diesel-Fahrverbote sind kontraproduktiv, wir lehnen sie strikt ab. Handwerk und Gewerbe sind auf umfassende Transportmöglichkeiten existenziell angewiesen. Der Diesel wird auch unter dem Aspekt des Klimaschutzes eine entscheidende Rolle spielen und darf nicht verteufelt werden. Mit der CO2-Gesetzgebung in Europa sind wir auch mittelfristig auf moderne Diesel-Motoren angewiesen. Der Weg zu einer emissionsarmen Mobilität führt nicht über Quoten und Verbote, sondern über innovationsfreundliche Rahmenbedingungen – etwa für die Elektromobilität oder das autonome Fahren“, so Bergner.

Beide Studien zeigen, dass bayerische Unternehmen im kommenden Jahrzehnt im Bereich der konventionellen Antriebe mit dem Markt weiterwachsen werden. Parallel müssen wir alternative Antriebstechnologien entwickeln und Elektro- und Hybridantriebe sowie Automatisierung und Vernetzung voranbringen. „Der konventionelle reine Verbrennungsantrieb steht also nicht vor dem Aus, sondern es wird eine lange Anpassungszeit mit relativ hohen Marktanteilen geben. Gleichzeitig haben die bayerischen Unternehmen im weltweiten Vergleich bei Elektro- und Hybridantrieben sowie Automatisierung und Vernetzung überdurchschnittliche Anteile. Wir müssen sie dabei unterstützen, diesen Strukturvorteil jetzt zu nutzen“, betonte Bergner.

In Mittelfranken sind 23 Betriebe mit über 12.000 Beschäftigten allein mit der Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen beschäftigt. Der Anteil an der Industriebeschäftigung beträgt 6,3 Prozent. „Viele kleinere oder mittelständische Unternehmen, die in ihrem jeweiligen Segment zu den Marktführern zählen – wie auch ‚Global Players‘ – sind im ländlichen Raum beheimatet und schaffen insgesamt eine hohe Wertschöpfung. Um dieses hohe Niveau zu halten, ist es unbedingt notwendig, den Auswirkungen des Fachkräftemangels entgegen zu wirken. Derzeit sind in Mittelfranken knapp 1.200 Stellen aus dem Bereich ‚Maschinen- und Fahrzeugtechnikberufe‘ unbesetzt – das kann sich langfristig hemmend auf die Standortattraktivität auswirken. Hier ist die vbw gemeinsam mit der Bayerischen Staatsregierung aktiv geworden und hat erst vor kurzem eine bayernweite Vereinbarung für ein Fachkräfteprogramm ins Leben gerufen, die Initiative Fachkräftesicherung+“, so Bergner.

Um die Automobilindustrie zukunftssicher zu machen und Arbeitsplätze sowie Wertschöpfung zu sichern, fordert die vbw für den Strukturwandel eine gemeinsame Innovationsstrategie von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. „Wir müssen uns den Herausforderungen stellen, damit der Freistaat weltweit Leitregion für das Automobil bleibt und den Wandel bei den Antriebstechnologien als Innovationsführer aktiv gestaltet. Die Herausforderungen sind groß, die Chancen sind es aber ebenfalls – nutzen wir sie“, fordert Bergner.

Benjamin Daniel, Produktlinienleiter E-Achsgetriebe bei der Schaeffler AG, erklärt: „Schaeffler geht von einer Antriebstrangverteilung von 30-40-30 für Leichtkraftfahrzeuge im Jahr 2030 aus. 30 Prozent sind rein elektrische Fahrzeuge, 40 Prozent davon Hybride (PHEV, FHEV, 48V) und 30 Prozent verbrennungsmotorisch angetriebene Fahrzeuge. In Summe ergibt das einen Anteil von 70 Prozent Leichtkraftfahrzeugen, die mindestens einen E-Motor an Bord haben. Gleichermaßen haben 70 Prozent der Fahrzeuge einen Verbrennungsmotor an Bord. Rein elektrisches Fahren befindet sich auf dem Vormarsch. Für eine flächendeckende Akzeptanz elektrischer Fahrzeuge dürfen diese ihren Pendants mit Verbrennungsmotor weder in Fahrkomfort noch in Fahrspaß nachstehen. Die Anforderungen, die heutige Fahrzeuge an ihren Antrieb stellen, sind daher enorm. Die Umstellung des konventionellen Antriebsstrangs auf hybride oder gar rein elektrische Fahrzeuge erfordert eine hohe Innovationskraft sowohl von Automobilherstellern als auch ihren Zulieferern.“

Benjamin Daniel betont: „In Bezug auf elektrische Achsen findet diese Entwicklung bei Schaeffler in Herzogenaurach statt. Hier wurde und wird ein Baukastensystem für diverse E-Achsen Anwendungen entwickelt. Erste Derivate von E-Achsen Getrieben befinden sich bereits in der Serienfertigung in Herzogenaurach. Weitere Anwendungen werden 2019 in Serie gehen.“


Drucken
Ansprechpartner
Ansprechpartner

Dirk Strittmatter

Presse / Öffentlichkeitsarbeit

+49 (0)89-551 78-376
Dirk Strittmatter
Content Sharing
Bitte loggen Sie sich ein, um den Einbettungs-Code für diese Seite zu erhalten.
nach oben