Letzte Aktualisierung: 02. Oktober 2019

Pressemitteilung

Herausforderungen: Strukturwandel durch Digitalisierung und Fachkräftesicherung / Brossardt: „Pläne des Bundesarbeitsministers untauglich für Arbeitswelt von morgen“

02.10.2019 - München

Nach Ansicht der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. steht der bayerische Arbeitsmarkt vor großen Herausforderungen. „Bayern ist seit Jahren bundesweiter Arbeitsmarkt-Spitzenreiter. Dies ist aber kein Selbstläufer. Neben der derzeitigen konjunkturellen Abkühlung gilt es vor allem, den mit der Digitalisierung der Arbeitswelt einhergehenden Strukturwandel und die Fachkräftesicherung zu schultern“, sagte vbw Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt auf dem vbw Kongress „Perspektiven des bayerischen Arbeitsmarkts“.

Die Arbeitsmarktpolitik muss nach Brossardts Worten noch stärker auf die Digitalisierung ausgerichtet werden: „Viele Tätigkeiten werden sich stark verändern, und damit auch die Anforderungen an die Kompetenzen der Beschäftigten. Dies haben die Unternehmen erkannt und investieren bundesweit jährlich über 33 Milliarden Euro in Weiterbildung. Die Betriebe brauchen einen verlässlichen Zugang zur Weiterbildungsförderung durch die Arbeitslosenversicherung. Dazu muss das Qualifizierungschancengesetz mit seinen Möglichkeiten flächendeckend umgesetzt und bedarfsgerecht weiterentwickelt werden. Nötig ist zudem ein zukunftsfähiger Rechtsrahmen. Die tägliche Höchstarbeitszeit sollte zugunsten einer durchschnittlichen wöchentlichen Höchstarbeitszeit von maximal 48 Stunden aufgegeben werden. Wir brauchen auch eine Flexibilisierung der elfstündigen täglichen Ruhezeit in Einklang mit dem EU-Recht.“ Des Weiteren fordert die vbw, die EuGH-Rechtsprechung zur Arbeitszeiterfassung nur im Rahmen dessen umzusetzen, was absolut notwendig ist.

In den jüngst vorgestellten Plänen von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil sieht die vbw dagegen keine Antwort auf die Herausforderungen der Arbeitswelt von morgen. Für kontraproduktiv hält sie insbesondere die Vorschläge zur Erhöhung der Tarifbindung. „Dies schaffen wir durch attraktive Tarifverträge, aber nicht durch gesetzlichen Zwang“, sagte Brossardt. Die vbw spricht sich auch gegen die geplante Einführung einer Perspektivqualifizierung aus, bei der Arbeitnehmer, für die es im Betrieb keine Perspektive mehr gibt, dennoch dort bleiben und weiterqualifiziert werden sollen. „Das ist eine künstliche Verlängerung, in der man ziellos ins Blaue hinein qualifiziert“, so Brossardt. Bayerns Arbeitsstaatssekretärin Carolina Trautner betonte: „Wenn wir über die Perspektiven des Arbeitsmarktes nachdenken, dürfen wir die Familienpolitik nicht ausblenden. Denn eine gute, zufriedenstellende Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist für viele von allergrößter Bedeutung, für Eltern ebenso wie für Kinder. Deshalb haben wir im Bundesrat die Initiative Bayerns zur Flexibilisierung der Arbeitszeit eingebracht. Denn das Arbeitszeitrecht muss an die sich stark geänderte Arbeitswelt angepasst werden, ohne dabei jedoch den Gesundheitsschutz der Beschäftigten außer Acht zu lassen. Wir wollen mehr Flexibilität erreichen, im Interesse der Wirtschaft, aber auch im Sinne der Beschäftigten, beispielsweise für eine verbesserte Vereinbarkeit von Familie und Beruf.“

Zur Fachkräftesicherung hat die vbw zusammen mit der Bayerischen Staatsregierung die „InitiativeFachkräftesicherung+“ ins Leben gerufen. Mit einem Bündel an Maßnahmen sollen bis 2023 in Bayern 250.000 zusätzliche Fachkräfte gewonnen werden.


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Presse / Öffentlichkeitsarbeit

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