Letzte Aktualisierung: 29. März 2017

Pressemitteilung

Für 80 Prozent der Beschäftigten in Bayern gelten Tarifverträge/ Brossardt: „Tarifverträge müssen wettbewerbsfähiger werden“

29.03.2017 - München

Die Tarifbindung in Bayern ist hoch. Für knapp 80 Prozent der Beschäftigten im Freistaat gelten direkt oder indirekt tarifvertraglich geregelte Arbeitsbedingungen. 53 Prozent der Beschäftigten unterliegen unmittelbar einem Flächen- oder Firmen-Tarifvertrag, bei weiteren 25 Prozent der Beschäftigten orientieren sich die Arbeitsbedingungen an einem Flächentarifvertrag. Dies ist das Ergebnis der Studie „Tarifbindung in Bayern“, die die vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. heute auf einem Kongress vor-
gestellt hat. vbw Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt: „Die tarifgebundenen Unternehmen sehen vor allem die Planungssicherheit durch die Friedenspflicht als großen Vorteil.“

Allerdings hat sich die direkte Tarifbindung in den letzten zehn Jahren zu Gunsten von Betrieben verschoben, die sich an einem Flächentarifvertrag orientieren, diesen aber nicht direkt oder in vollem Umfang anwenden. „Das zeigt: Die Firmen wollen nicht komplett aus dem Tarifsystem ausscheren. Sie halten aber einzelne Aspekte des Tarifkorsetts für ihre betriebliche Praxis für zu eng. Dies bedeutet für die Tarifvertragsparteien: Die Tarifverträge müssen wettbewerbsfähiger werden“, sagte Brossardt.

Um dieses Ziel zu erreichen, muss nach der vbw-Untersuchung beim tariflichen Kostenniveau angesetzt werden, vor allem in der Industrie. „Während die Arbeitskosten in der deutschen Industrie in den letzten fünf Jahren um zwölf Prozent gestiegen sind, hat die Produktivität nur um vier Prozent zugelegt. Somit ergibt sich ein Anstieg der Lohnstückkosten um acht Prozent, was ein gravierender Wettbewerbs-
nachteil ist. Lohnsteigerungen müssen sich an der Produktivitätsentwicklung orientieren“, sagte Brossardt. Die vbw fordert, dass Tarifverträge insgesamt lediglich Mindeststandards abbilden. „Der Tarifvertrag muss einen Rahmen schaffen, aber nicht jedes Detail regeln.“

Die vbw weist darauf hin, dass auch in den nicht-tarifgebundenen Unternehmen des Freistaats gute Arbeitsbedingungen herrschen: Nach den Studienergebnissen liegt die Arbeitszeit dort lediglich um eine Stunde pro Woche höher als in den tarifgebundenen Unternehmen, die Entgeltdifferenz beträgt 13 Prozent. Die vbw pocht deshalb darauf, dass nicht-tarifgebundene Unternehmen gegenüber tarifgebundenen nicht schlechter gestellt werden. Brossardt: „Öffnungsklauseln müssen allen Unternehmen gleichermaßen zur Verfügung stehen. Anderslautende Pläne des Bundesarbeitsministeriums im ‚Weißbuch Arbeiten 4.0‘ sehen wir daher sehr kritisch. Öffnungsklauseln nur für tarifgebundene Unternehmen wären eine einseitige Bevorzugung der tarifgebundenen Unternehmen durch den Gesetzgeber. Die Tarifbindung lässt sich nur über wettbewerbsfähigere Tarifverträge stärken, nicht aber durch staatliche Eingriffe in die Koalitionsfreiheit.“


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