Letzte Aktualisierung: 14. Dezember 2017

Pressemitteilung

Erwartungen der oberfränkischen Wirtschaft an die künftige Bundesregierung / Thomas Kaeser: „Wieder mehr Wirtschaft wagen“

14.12.2017 - Coburg

„Unseren Unternehmen stehen mit der globalen Konkurrenz, der digitalen Transformation und dem Fach-
kräftemangel gewaltige Herausforderungen gegenüber. Um sie zu meistern, brauchen sie die passenden Rahmenbedingungen. Die künftige Bundesregierung muss nach Jahren ausgedehnter Sozialpolitik die Wettbewerbsfähigkeit unseres Standorts stärken und wieder mehr Wirtschaft wagen“, fasste Thomas Kaeser, Vorstands-vorsitzender der vbw Bezirksgruppe und Vorsitzender der bayme vbm Region Oberfranken-West, in einem Pressegespräch die Erwartungen der oberfränkischen Wirtschaft zusammen, zu dem die vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. zusammen mit den Verbänden der bayerischen Metall- und Elektroindustrie bayme vbm eingeladen hatte.

vbw und bayme vbm setzen darauf, dass der Staat den dringend notwendigen Auf- und Ausbau modernster digitaler Infrastruktur vorantreibt. Dazu gehört maßgeblich der Breitbandausbau. Kaeser dazu: „Dank der seit 2013 laufenden Breitbandoffensive des Freistaats verfügen heute zwar knapp drei Viertel der Haushalte in Bayern über schnelles Internet. Allerdings hinkt der ländliche Raum hinterher: In einigen Kommunen in Oberfranken haben immer noch rund 20 Prozent der Haushalte keinen Zugang zu schnellem Internet. Die Lücken müssen schleunigst geschlossen werden.“

Die Verkehrsinfrastruktur in der Region ist nach Ansicht der oberfränkischen Wirtschaft im Großen und Ganzen leistungsfähig – allerdings hakt es an einigen empfindlichen Stellen. „Um zukunftsfähig zu bleiben, müssen wir die folgenden Projekte schnell verwirklichen: den Ausbau der B4 in Coburg (Weichengereuth), den vierstreifigen Ausbau der B173 zur Anbindung der Wirtschaftsräume Lichtenfels, Kronach und Kulmbach an das Autobahnnetz sowie den Ausbau der B173 östlich von Haidt bis zur A93, Anschluss-
stelle Hof/Ost, und bei der B505 mindestens den dreistreifigen Ausbau zwischen Bamberg und der A3“, unterstrich Kaeser.

Zwingend erforderlich ist nach Ansicht von vbw und bayme vbm eine Reform des Arbeitszeitgesetzes. „In der Arbeitswelt 4.0 brauchen wir auch Arbeitszeitregelungen 4.0. Die gesetzlichen Leitplanken müssen sich den veränderten Arbeits- und auch Lebensumständen von heute und morgen anpassen“, betonte Kaeser und erklärte: „Es geht nicht um eine Erhöhung des Arbeitszeitvolumens, sondern um die Möglichkeit, diese flexibler zu verteilen – konkret um eine wöchentliche statt tägliche Betrachtung der Höchstarbeitszeit.“

Eine teilweise Absenkung der Arbeitszeit – wie die IG Metall dies in der aktuellen Tarifrunde in der M+E-Industrie fordert – lehnen die Verbände dagegen klar ab. „Die Forderungen der IG Metall sind Gift für unsere Wirtschaft. Eine solche Arbeitszeitverkürzung passt überhaupt nicht in die heutige Arbeitswelt: Insgesamt summiert sich der Anspruch auf Arbeitszeitverkürzung mit dem zugleich geforderten Teillohnausgleich auf mehr als 33.000 Vollzeitarbeitsplätze in Bayern. Das wäre in Zeiten des Fachkräfte-
mangels
verheerend“, kommentierte Kaeser und erläuterte: „In Oberfranken ist die Situation bereits jetzt hoch problematisch: Bei uns kommen auf jede offene Stelle nur 1,7 Arbeitslose – und das ungeachtet der passenden Qualifikation. In der M+E-Industrie ist die Lage noch viel dramatischer: Das Verhältnis liegt hier bei 0,7. Im Klartext: Die fehlenden Fachkräfte werden nicht ersetzbar sein.“

„Wohlstand entsteht und besteht nur durch Wirtschaftskraft. Damit unser Land auch in zehn Jahren erfolgreich ist, müssen jetzt die richtigen Entscheidungen getroffen werden. Wir brauchen daher so schnell wie möglich eine dauerhaft stabile und handlungsstarke Regierung. Sie muss die Weichen rasch auf Wachstum und Zukunftsfähigkeit stellen“, so Kaeser.

Dr. Ulrich Schaarschmidt, Geschäftsführer der Wieland Electric GmbH, fügte hinzu: „Die Entgeltforderung der IG Metall geht über die erzielbare Produktivitätssteigerung hinaus. Sie muss daher zwangsläufig zu einer weiteren Benachteiligung des Faktors Arbeit führen und damit konsequenterweise zu einer weiteren Reduzierung der Inlandsinvestitionen. Wenn derzeit gerade – zu Recht – ein Mangel an zukunftsgerichteten Investitionen der Unternehmen in Deutschland beklagt wird, wird das durch eine Politik überzogener Lohnforderungen noch unterstützt. Dies passt nicht in die Zeit. Die geforderte Flexibilität kann und wird am besten vor Ort in den Betrieben umgesetzt. Dies geschieht erfolgreich, denn angesichts des Fachkräfte-
mangels ist ohnehin jeder Arbeitgeber gut beraten, flexibel zu sein. Eine zentrale starre Regelung auf Tarifebene braucht es nicht, sie ist hinderlich.“


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Ulla Wolfshöfer

Presse / Öffentlichkeitsarbeit

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