Letzte Aktualisierung: 14. September 2016

Pressemitteilung

Beschäftigung älterer Mitarbeiter Chance für Wirtschaft und Gesellschaft / Brossardt: „Erwerbstätigenquote der 60-64-Jährigen hat sich innerhalb von zehn Jahren verdoppelt – es bleibt aber noch viel zu tun“

14.09.2016 - München

Die vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. sieht bei der Erwerbstätigkeit Älterer gute Erfolge, betont aber, dass noch eine bedeutende Wegstrecke zurückzulegen ist. vbw Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt verwies im Vorfeld der Veranstaltung „Vorsprung Bayern: Alternde Belegschaften – Herausforderung und Chance“ darauf, dass die Älteren von der guten Arbeitsmarktentwicklung in Deutschland in den letzten zehn Jahren überproportional profitiert haben: „Die Erwerbstätigenquote der 55- bis 59-Jährigen ist von 2005 bis 2015 um 15 Prozentpunkte von 63 auf knapp 78 Prozent gestiegen. In der Gruppe der 60- bis 64-Jährigen hat sichdie Erwerbstätigenquote von 2005 bis 2015 auf 53 Prozent nahezu verdoppelt. Dies liegt auch daran, dass die Unternehmen in den letzten Jahren in alters-gerechte Arbeitsbedingungen investiert haben, zum Beispiel in das Betriebliche Gesundheitsmanagement. Die Verbände helfen ihnen dabei. Einen Schwerpunkt legen wir auf das Thema ‚Psychische Gesundheit‘.Unser Serviceprojekt ‚demografie(me)‘unterstützt die Unternehmen zudem bei der Entwicklung einer demografiefesten Personalpolitik“, sagte Brossardt.

Gerade hinsichtlich des demografischen Wandels ist für die vbw eine höhere und längere Erwerbsbeteiligung Älterer unerlässlich. „Die Rente mit 63 ist hier kontraproduktiv. Sie entzieht den Unternehmen vorzeitig Fachkräfte und wird Beitragszahler und Unternehmen bis 2030 rund drei Milliarden Euro pro Jahr zusätzlich kosten. Dies geht vor allem zu Lasten der jüngeren Generation“, sagte Brossardt. Damit noch mehr Ältere lange erwerbstätig bleiben, fordert die vbw, dass künftig zusätzliche Regulierungen des Arbeitsmarkts unterbleiben. „Der Übergang vom Erwerbsleben in den Ruhestand muss flexibler werden. Wir begrüßen, dass die Bundesregierung die starren Hinzuverdienstgrenzen zwischen dem Ausscheiden aus dem Beruf und dem Beginn der Regelaltersgrenze vereinfachen will.“

Der Kongress ist Teil der Reihe „Edelstahl statt altes Eisen“ im Rahmen der gemeinsamen Initiative „Ältere und Arbeitswelt“des Bayerischen Arbeitsministeriums, der Regional-direktion Bayern der Bundesagentur für Arbeit, der Kammern im Freistaat und des DGB Bayern. Ziel der gemeinsamen Initiative ist es, älteren Arbeitnehmern eine lang anhaltende Erwerbstätigkeit bei guter Gesundheit und Motivation zu ermöglichen.

Auch Bayerns Arbeitsministerin Emilia Müller zeigte sich erfreut über den positiven Trend bei den Erwerbstätigenzahlen, betonte aber, dass viele Unternehmen ihre Bemühungen noch verstärken müssen: „Nach einer aktuellen Betriebsbefragung hat sich im vergangenen Jahr nicht einmal jedes fünfte Unternehmen für alters- und alternsgerechte Arbeitsbedingungen eingesetzt. Gesundheitsförderung, Weiterbildung und eine demografieorientierte Arbeits-organisation sind aber grundlegende Voraussetzungen, um die Beschäftigungsfähigkeit der Mitarbeiter auch im Alter zu erhalten. Bislang werden solche Angebote noch nicht ausreichend von den Betrieben angeboten. Um dauerhaft wettbewerbsfähig zu bleiben, muss sich das ändern. Die Beschäftigung Älterer muss für beide Seiten attraktiv sein. Hinsichtlich des künftigen Fachkräftebedarfs können wir nicht auf das Know-How und die Erfahrung älterer Mitarbeiter verzichten.“

Dr. Markus Schmitz, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirek- tion Bayern der Bundesagentur für Arbeit erklärte: „Angesichts der anhaltend hohen Arbeits- und Fachkräftenachfrage in Bayern ist es für die Betriebe sehr wichtig, auf das Potential ihrer erfahrenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu bauen. Eine altersgemischte Belegschaft ist damit ein Erfolgsfaktor für bayerische Unternehmen. Damit das gelingen kann, ist gerade für ältere Arbeitnehmer die betriebliche Weiterbildung mit Blick auf den technologischen Wandel unserer Arbeitswelt unerlässlich. Zusätzlich benötigen wir flexible Übergänge, also attraktive Modelle für einen flexiblen Ausstieg jenseits der klassischen Ruhestandsgrenzen. Dann können die Menschen entsprechend ihrer Neigung und Leistungsfähigkeit eigenständig entscheiden, wie und wann sie den Übergang gestalten.“

Peter Driessen, Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages (BIHK): "Sozialkompetenzen, komplexes Denkvermögen, ‎Überblickswissen und Entscheidungs-fähigkeit: das sind oft die Stärken älterer Arbeitnehmer. Deshalb sollen diese Menschen bis zu ihrer Rente - oder sogar länger - gesund und leistungsfähig in unseren Betrieben mitarbeiten können. Denn mit ihrer großen Erfahrung stehen ältere Arbeitskräfte im Zentrum des unternehmerischen Wissensmanagements. Davon profitieren vor allem die jüngeren Kolleginnen und Kollegen."

Dr. Lothar Semper, Hauptgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft der bayerischen Handwerkskammern, erklärte: „Das Handwerk kann auf die Erfahrung seiner älteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nur schwer verzichten. Die Betriebe müssen sich mit Unterstützung der Handwerkskammern darum kümmern, dass ihre Beschäftigten möglichst lange ‚arbeitsfit‘ bleiben.“

Bayerns DGB-Chef Matthias Jena: „Die arbeitsbedingten Belastungen für die Beschäftigten in Bayern sind hoch. Gerade ältere Beschäftigte bezahlen diesen Zustand oft mit ihrem vor-zeitigen Ausscheiden aus dem Erwerbsleben. Zusätzlich werden sie mit lebenslangen Abschlägen bei der Rente bestraft. Diese doppelt negative Konsequenz aus gesundheitlichen Belastungen und finanziellen Abschlägen muss beendet werden. Das passiert nur durch den Ausbau guter betrieblicher Arbeitsbedingungen und mit Hilfe konsequenter politischer Rahmenbedingungen, zum Beispiel durch flexible Ausstiegsmöglichkeiten aus dem Erwerbsleben.“


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