Letzte Aktualisierung: 23. Oktober 2017

Pressemitteilung

„Near Sourcing“: Austausch mit Mittel- und Osteuropa bringt Bayern Vorteile / Brossardt warnt aber vor weiter steigenden Arbeitskosten im Inland

23.10.2017 - München

Eine Untersuchung der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. zeigt, dass sich die EU-Osterweiterung positiv auf Bayern ausgewirkt hat – auch auf die grenznahen Regionen zu Tschechien. Eine entsprechende Befragung zum „Near Sourcing“, also der Einkaufs- oder Produktionsaktivität von bayerischen Unternehmen im nahen mittel- und osteuropäischen Ausland, hat die IW Consult GmbH für die vbw unter 400 bayerischen Industrie- und Dienstleistungsunternehmen durchgeführt.

Die Studie zeigt, dass vor allem größere Industrieunternehmen Produktionsstätten im nahen Ausland aufgebaut haben und somit die Treiber des Near Sourcing sind. Für die Dienstleistungsunternehmen hat Mittel- und Osteuropa dagegen vor allem als Absatzmarkt Bedeutung.

Bis zum Jahr 2022 wird das Near Sourcing weiter zunehmen, allerdings in moderatem Umfang. Vor allem für diejenigen Unternehmen, für die Mittel- und Osteuropa bereits heute eine hohe Bedeutung hat, wird die Region als Beschaffungsmarkt oder Produktionsstandort noch attraktiver. Alle Unternehmen sehen in Mittel- und Osteuropa zudem einen immer wichtiger werdenden Absatzmarkt.

Insgesamt bringt die wirtschaftliche Verflechtung mit Mittel- und Osteuropa Bayern und seinen Grenzregionen viele Vorteile. So ist das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf seit der EU-Osterweiterung in den Landkreisen direkt an der tschechischen Grenze und den grenznahen Regionen stärker gewachsen als im bayernweiten Durchschnitt. Während das verfügbare Einkommen je Einwohner in Bayern zwischen 2003 und 2014 um durchschnittlich 1,8 Prozent pro Jahr stieg, legte es in den Landkreisen direkt an der Grenze um 2,3 Prozent zu, in grenznahen Gegenden um 2,2 Prozent. Auch die Beschäftigung ist gestiegen und die Arbeitslosigkeit gesunken. Die Regionen mit direkter Grenze verzeichneten den stärksten Rückgang der Arbeitslosenquote: Die Arbeitslosigkeit sank um 5,2 Prozentpunkte, von 9,2 auf 4,0 Prozent. Auch in grenznahen Gegenden ging die Arbeitslosenquote stark zurück, nämlich von 8,0 auf 3,5 Prozent (-4,5 Prozentpunkte). In den grenzfernen Regionen sank die Arbeitslosigkeit lediglich um 3,0 Prozentpunkte, von 6,5 auf 3,5 Prozent.

Die vbw weist darauf hin, dass die Attraktivität von Near Sourcing in die mittel- und osteuropäischen Staaten von den Standortbedingungen in Deutschland und Bayernabhängig ist. vbw Haupt-
geschäftsführer Bertram Brossardt: „Insgesamt bewerten die Unternehmen unseren Standort sehr gut. Kritisch werden jedoch die Themen Fachkräfteversorgung, Flächen-verfügbarkeit und Arbeitskosten gesehen. Sollten die Arbeitskosten im Inland stark ansteigen, steht den bayerischen Unternehmen Mittel- und Osteuropa als Ventil zur Verfügung. Daher müssen sowohl die Sozialpartner als auch die Politik alles verhindern, was die Arbeitskosten weiter nach oben treibt.“


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