Letzte Aktualisierung: 21. September 2026
Pressemitteilung
vbw fordert wachstumsorientierte Standortpolitik mit klarem Fokus auf industrieller Wertschöpfung / Brossardt: „Strategiewechsel erforderlich, um im Wettbewerb mit China und den USA zu bestehen"
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Die vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. wies im Rahmen eines Kongresses auf die strukturelle Verwundbarkeit der Europäischen Union durch deren tiefe Integration in globale Wertschöpfungsketten hin. „Diese enge Verflechtung hat uns jahrzehntelang Wohlstand und Wachstum gesichert. Gleichzeitig ist die EU dadurch auf die Absatzmärkte der USA und Chinas angewiesen und in wichtigen Bereichen bei der Beschaffung von Rohstoffen und Vorleistungen von diesen Playern abhängig. Kommt es zu geopolitischen Schocks, drohen Versorgungsausfälle und eine politische Handlungsunfähigkeit“, erläutert vbw Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt im Rahmen einer Veranstaltung mit den europäischen Schwesterverbänden aus Spanien, Österreich, Ungarn, Frankreich und Italien und ergänzt: „China hat seine Staatssubventionen verdoppelt und die USA drohen mit immer weiteren Zöllen. In Europa braucht es daher einen Strategiewechsel in der Industriepolitik.“
Aus Sicht der vbw verfügt Europa über fünf zentrale Instrumente, um im geopolitischen Wettbewerb zu bestehen und seine Industrie besser zu schützen. „Wir müssen unfaire Handelspraktiken mit Ausgleichszöllen kontern, um Wettbewerbsverzerrungen zu neutralisieren. Auch muss Europa seine Abhängigkeiten reduzieren, insbesondere durch den Abschluss von Freihandelsabkommen. Die Weiterentwicklung des Binnenmarkts ist ebenfalls ein zentrales Instrument. Eine aktuelle vbw Studie zeigt, dass 7,2 Millionen Arbeitsplätze in Deutschland am Handel mit Europa hängen und 550 Milliarden Euro Wertschöpfung aus der EU-Nachfrage entstehen. Gleichzeitig muss Europa im internationalen Vergleich erhebliche Standortnachteile schultern. Mit niedrigeren Energie- und Arbeitskosten, niedrigerer Besteuerung und weniger Bürokratie müssen wir die eigene Wettbewerbsfähigkeit stärken. Zudem muss Europa in der Lage sein, gute Ideen auch zu skalieren“, sagt Brossardt und führt aus: „Die Spar- und Investitionsunion ist daher ein zentraler Pfeiler und muss ganz an die Spitze der EU-Agenda, damit vorhandenes Kapital besser für strategische Zukunftsinvestitionen genutzt werden kann.“
Für Deutschland und Bayern ist diese Agenda von besonderer Bedeutung, so die vbw. „Beide sind in hohem Maß industriell geprägt, eng in europäische und globale Wertschöpfungsketten eingebunden und daher besonders auf international wettbewerbsfähige Standortbedingungen angewiesen. Eine starke EU ist deshalb der wichtigste Hebel, um im Wettbewerb mit den USA, China und anderen Wirtschaftsregionen zu bestehen und die wirtschaftlichen Verwundbarkeiten zu reduzieren. Was Europa jetzt braucht, ist daher eine wachstumsorientierte Standortpolitik mit einem klaren Fokus auf industrieller Wertschöpfung“, so Brossardt.