Letzte Aktualisierung: 23. März 2016

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Die Generation von morgen - neue Werte, neue Gesellschaft, neue Arbeitswelt?

Selbstverwirklichung statt Statusdenken, wenig Lust auf Leistung, Probleme mit der Anerkennung von Autoritäten – so werden junge Arbeitnehmer häufig charakterisiert. Kritiker befürchten, dass es mit der Generation Y – der Altersgruppe der heute 20- bis 35-Jährigen – zu einer tiefgreifenden Werteverschiebung in der Arbeitswelt kommt. Leistungsbereitschaft, Pflichtgefühl und Loyalität zum Arbeitgeber scheinen an Bedeutung zu verlieren.

Solche pauschalen Urteile werden der jungen Generation jedoch nicht gerecht. Ihr Denken und Handeln ist durchaus kompatibel mit den ökonomischen Erfordernissen erfolgreich wirtschaftender Unternehmen. Zudem liegt in der Generationenvielfalt eine Chance für die Weiterentwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft. Dies sind einige Ergebnisse der aktuellen Publikation des Roman Herzog Instituts Die Generation von morgen – Neue Werte, neue Gesellschaft, neue Arbeitswelt?, die den Auftakt einer Publikationsreihe für 2016 und eine Grundlage für die weitere Beschäftigung mit diesem Thema bildet.

Annäherung an eine komplexe Generation

Acht Experten aus unterschiedlichen Fachrichtungen haben sich mit Fragestellungen rund um die Generation Y befasst und geben Einblick in die Lebenswelten junger Erwachsener. Die Rahmenbedingungen für die berufliche Zukunft junger Menschen sind derzeit besser als je zuvor: Angesichts der guten konjunkturellen Lage seit 2010, die zu einem Rückgang der Arbeitslosigkeit geführt hat, sind ihre Chancen auf einen geeigneten Arbeits- oder Ausbildungsplatz deutlich gestiegen. Die positive ökonomische Situation fällt zusammen mit der demografischen Entwicklung - die geburtenschwachen Jahrgänge verlassen die Schulen und treten in die Arbeitswelt ein.

Zwischen Zuversicht und Pragmatismus

Die jungen Arbeitnehmer beurteilen ihre beruflichen Aussichten positiv. Die Mehrheit ist davon überzeugt, dass sich Leistung in unserem Land lohnt. Aber die jungen Arbeitnehmer bestehen auf eine strikte Trennung zwischen beruflicher und privater Sphäre, bevorzugen feste Arbeitszeiten und wollen sich im Arbeitsleben nicht verausgaben. Dies deutet der Betriebswirt Christian Scholz als Abkehr vom Arbeitsethos früherer Generationen und von den traditionellen Werten der Leistungsgesellschaft.

Werte im Umbruch?

Ein Bruch mit den Kulturwerten unserer Gesellschaft ist nach Ansicht von Jutta Rump, Expertin für Personalmanagement, bei der jungen Generation dagegen nicht zu erwarten. Sie bescheinigt jungen Arbeitnehmern eine hohe Motivation und Leistungsbereitschaft, wenn sie sich in ihren Bedürfnissen nach Aufmerksamkeit und Wertschätzung ernst genommen und unterstützt fühlen. Teamarbeit, Kommunikation auf Augenhöhe und ein Klima des gegenseitigen Vertrauens sind ihr zufolge jungen Menschen im Berufsleben wichtig. Dass es sich bei dem sogenannten Wertewandel nicht um ein neues Phänomen handelt, sondern um die Fortsetzung gesellschaftlicher Prozesse der 1970er Jahre, die eine Abkehr von autoritären Prinzipien gebracht haben, thematisiert der Historikers Bernhard Dietz. Die aktuell beobachtbaren Veränderungen führt er vor allem auf Entwicklungen wie die Globalisierung, Digitalisierung und den demografischen Wandel zurück.

Leben und Arbeiten in der digitalen Welt

Die zentrale Herausforderung für die Generation von morgen sieht Wirtschaftsethiker Nils Goldschmidt darin, sich in der virtualisierten, vernetzten und depersonalisierten Arbeitswelt zurechtzufinden. Eine Schlüsselrolle kommt dabei der Bildung zu, die junge Menschen in die Lage versetzen soll, politische und gesellschaftliche Prozesse zu gestalten und individuelle Lebensentwürfe zu verwirklichen. Wie Unternehmen junge Menschen als Zielgruppen mit alternativen Karriere- und Lebensentwürfen ansprechen und an sich binden können, erläutert der Psychologe Maximilian Mendius in seinem Beitrag.

Die Publikation Die Generation von morgen – neue Werte, neue Gesellschaft, neue Arbeitswelt? ist beim Roman Herzog Institut als RHI-Diskussion Nr. 27 erschienen. Zur vollständigen Publikation gelangen Sie über die Webseite des Roman Herzog Instituts .


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Dr. Nese Sevsay-Tegethoff

Geschäftsführerin, Roman Herzog Institut e. V.

+49 (0)89-551 78 91-755
Nese Sevsay-Tegethoff
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