Letzte Aktualisierung: 13. Juli 2018

Wirtschaft im Dialog

Rückblick - Digitale Transformation als Chance für die Arbeitswelt

Die vbw und die Evangelisch-Lutherische Kirche Bayern (ELKB) diskutierten auf einer gemeinsamen Veranstaltung am 12. Juli 2018 in München vor ausgebuchtem Haus über die Digitalisierung in der Arbeitswelt. Im Grundtenor war man sich einig: Die digitale Transformation ist voll im Gange – jetzt müssen ihre Chancen genutzt werden.

Jobchancen auch in Umbruchzeiten gut

vbw Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt erklärte: „Wir müssen die Ängste vor der digitalen Transformation ablegen, den technologischen Fortschritt annehmen und die neue Arbeitswelt zu unserem Nutzen gestalten. Es werden Tätigkeiten wegfallen, aber an anderer Stelle werden mindestens genauso viele neue Berufe und Jobs entstehen. Viele davon kennen wir heute noch gar nicht. Die Jobchancen in Bayern sind gut und bleiben es auch in einer weiter digitalisierten Arbeitswelt. Allerdings müssen wir unsere Rahmenbedingungen anpassen. Unser Bildungssystem muss so verändert werden, dass jeder Schüler, Auszubildende und Student eine informationstechnische Grundausbildung erhält. Hierzu hat der von uns initiierte Aktionsrat Bildung im Mai entsprechende Änderungen im Bildungswesen vorgeschlagen. Die gesetzlich vorgeschriebene tägliche Höchstarbeitszeit muss durch eine wochenbezogene Betrachtung ersetzt werden.“

Spaltung vermeiden

Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm, Landesbischof und Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), sagte: „In der Digitalisierung stecken Chancen und Risiken. Es muss darum gehen, die Chancen zu nutzen und die Risiken zu begrenzen und so die Digitalisierung verantwortlich zu gestalten. Die Gesellschaft darf sich nicht in Digitalisierungsgewinner und Digitalisierungsverlierer spalten. Auch die Schwachen müssen Anteil an den Früchten der digitalen Revolution haben. Und es ist darauf zu achten, dass nicht Computer mittels künstlicher Intelligenz die Kontrolle übernehmen, sondern es Menschen sind und bleiben, die verantwortliche Entscheidungen treffen. Datenkonzentration bedeutet Machtkonzentration. Deswegen müssen im digitalen Zeitalter neue Mechanismen der Machtkontrolle entwickelt werden.“

Digitalisierung in der betrieblichen Praxis

Das von Helmut Martin-Jung (Süddeutsche Zeitung) moderierte Dreiergespräch widmete sich den Folgen der Digitalisierung in der betrieblichen Praxis. Dr. Christian Heinrich Sandler, Vorsitzender des Vorstands der SANDLER AG aus Schwarzenbach an der Saale, schilderte dabei, welche Auswirkungen die Digitalisierung in seinem Unternehmen hat. Der Hersteller von Spezialtextilien aus Oberfranken betonte, dass der Prozess der Digitalisierung nichts Neues sei. Die einzelnen Fertigungslinien sind mittlerweile miteinander verkettet. “Wenn wir nicht mit der Technik Schritt gehalten hätten, würde es uns wahrscheinlich nicht mehr geben”, bilanzierte Dr. Sandler. Für das familiengeführte Unternehmen sei es extrem wichtig, Veränderungen und Trends richtig einzuschätzen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Wie der Umgang mit digitaler Technik in einem nicht produzierendem Unternehmen in der Praxis aussieht, schilderte Jan Möllendorf, geschäftsführender Gesellschafter von DEFACTO X. Die Erlanger bieten Komplettlösungen für Werbung und Marketing an und sind in 65 Ländern weltweit tätig. Firmen müssten laut Möllendorf versuchen, sich von oben positiv für das Thema einzusetzen. Eine Herausforderung sei es jedoch immer, eine digitale Begeisterung in die Belegschaft zu bringen. Von der Politik wünschten sich beide Unternehmer eine bessere Infrastruktur und Unterstützung für kleine und mittlere Unternehmen.

Staat muss auf die Änderungen richtig reagieren

In der abschließenden Podiumsrunde wurde um die Folgen der Digitalisierung und die dadurch notwendigen Änderung der Rahmenbedingungen diskutiert. Dabei gingen die Meinungen und Schwerpunktsetzungen wie erwartet etwas auseinander. Während die vbw mehr die Chancen betonte, stellte Landesbischof Bedford-Strohm eher ein vom Staat zu schützendes Individuum in den Mittelpunkt.

Die Hamburger Trendforscherin Birgit Gebhardt bereicherte die Runde mit Prognosen zur Zukunft der Arbeit. Sie spreche lieber von intelligenter Vernetzung als von Digitalisierung. Diese Bezeichnung zeige besser, welche Dimension die Umbrüche derzeit haben. Es gehe nicht nur um technische Neuerungen, sondern um mehr. So könne etwa mehr Inklusion möglich werden. Ebenso berichtete sie über einen Besuch im Silicon Valley bei vielen Firmen, die sich mit dem Thema “Künstliche Intelligenz” beschäftigen.

Dr. Paul Melot de Beauregard, Vorstandsmitglied im Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer in Deutschland e. V. (AEU), bezeichnete die Ereignisse um die Einführung der Datenschutzgrundverordnung als “große Verdammung von Daten”. Dabei müsse das Thema Daten wieder vom Kopf auf die Füsse gestellt werden. Ingesamt müsse viel mehr über das Thema Bildung gesprochen werden, damit die heutigen jungen Leute mit den Herausforderungen möglichst gut fertig werden.

Rückblick

Rückblick - Digitale Transformation als Chance für die Arbeitswelt
am 12.07.2018 in München

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