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    Letzte Aktualisierung: 11. September 2015

    Position

    Neue Methoden der Konfliktlösung

    Das Grundgesetz setzt die Zulässigkeit eines Arbeitskampfes zur Erreichung tarifpolitischer Ziele voraus. Fakt ist, dass ein Streik in Form einer kollektiven Arbeitsniederlegung nichts anderes als die Verweigerung von vertraglich vereinbarten Arbeitsleistungen ist.

    Die Gewerkschaften betrachten das Streikrecht als „ein unverzichtbares Grundrecht für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Europa“. „Für unüberbrückbare Diskrepanzen, die nicht auf dem Verhandlungsweg beseitig werden konnten, bleibe nur der Arbeitskampf."

    Wandel der Streikformen

    Im Wandel der Wirtschaft haben sich die Streikformen der Gewerkschaft verändert. Nach dem lang andauernden Arbeitskampf zur Arbeitszeitverkürzung 1984 hatte die Regierung Kohl in § 116 Arbeitsförderungsgesetz (heute § 160 Sozialgesetzbuch III) die Neutralitätspflicht des Staates gesetzlich verankert, sodass die durch Streik in einem Nicht-Streikgebiet kurzarbeitenden Beschäftigten kein Kurzarbeitergeld mehr erhalten. Vor diesem Hintergrund hat die IG Metall neue Strategien entwickelt und 1995 im Arbeitskampf in der bayerischen M+E Industrie gezielt Endhersteller bestreikt. Ab 2002 wurden flächenmäßig Kurzstreiks von ein bis drei Tagen durchgeführt ("Flexi-Streikkonzept").

    Arbeitskämpfe führen zu Produktionsunterbrechungen

    Unabhängig von der gewählten Streiktaktik der Gewerkschaft führt jede Form des Arbeitskampfes zu Produktionsunterbrechungen, die aufgrund des internationalen Wettbewerbs und der weltweit eng verknüpften Lieferbeziehungen nachhaltige Schäden verursachen. Bereits die Drohung mit einem Streik sowie die Steigerung der Wahrscheinlichkeit eines Streiks mit zunehmender Dauer der Tarifverhandlungen führen zu einer konkreten Bedrohung der Liefer-, Kunden- und Bankbeziehungen. In einer eng verzahnten Wirtschaft mit einer just in time Produktion hat ein Streik für die allermeisten Betriebe schwerwiegende wirtschaftliche Folgen. Diese haben aber nicht nur die Betriebe, sondern auch die Mitarbeiter zu tragen.

    Streik ist nicht mehr zeitgemäß

    Wir halten Streik und Aussperrung für nicht mehr zeitgemäß. Im Bereich der M+E Industrie fordert der vbm einen offenen Dialog mit der IG Metall, um neue, für beide Seiten tragbare Wege der Konfliktvermeidung und Konfliktlösung zu erkunden. Mediation und zwingende Schlichtungsverhandlung könnten die zunächst am Verhandlungstisch nicht erreichte Einigung herbeiführen und dadurch Arbeitskämpfe verhindern. In der Schweiz gilt in einigen wichtigen Wirtschaftszweigen der sogenannte Arbeitsfrieden. Er geht auf ein Friedensabkommen zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbänden aus dem Jahr 1937 zurück. Ganz ähnlich ist die Situation in Österreich mit der sogenannten Sozialpartnerschaft. Streiks finden folglich in der Schweiz und in Österreich nur selten statt. Die dortigen Tarifabschlüsse sind dennoch allseits akzeptiert.


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    Ansprechpartner

    Enno Schad

    Tarif / Kollektive Arbeitsbedingungen / Arbeitswissenschaft

    +49 (0)89-551 78-128
    +49 (0)173-573 89 21
    +49 (0)89-551 78-127
    Enno Schad
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