Letzte Aktualisierung: 06. September 2016

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Wirtschaft 2040

Der von der Prognos AG erstellte Report Wirtschaft 2040 analysiert die konkreten Entwicklungen der Weltwirtschaft bis zum Jahr 2040 und zeigt auf, wie sich dies auf den Produktionsstandort Deutschland und Bayern auswirken wird. Der Report zeichnet ein insgesamt positives Bild für Deutschland. Für Bayern sind die Prognosen noch etwas günstiger. Die Wirtschaft im Freistaat wird im Schnitt um 1,5 Prozent pro Jahr und damit um 0,2 Punkte stärker wachsen als bundesweit. Verantwortlich sind die günstigere demografische Entwicklung, die überdurchschnittliche Internationalisierung sowie die besondere Stärke der bayerischen Industrie.

Der Report zeigt aber auch die Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte auf. Ein zentrales Problem ist die demografische Entwicklung und als Folge der Mangel an Arbeitskräften. Zu bewältigen ist auch die Sicherung der Energie- und Rohstoffversorgung zu wettbewerbsfähigen Bedingungen. Und die Unternehmen müssen in die Lage versetzt werden, in Forschung und Entwicklung sowie in Innovationen zu investieren. Denn der technologische Fortschritt wird der zentrale Wachstumstreiber sein. Nur so kann unsere Industrie auch weiterhin auf den Weltmärkten erfolgreich sein. Der globale Wettbewerb wird sich intensivieren. Chinas Anteil an der Weltproduktion wird sich bis 2040 verdoppeln, Indien wird auf Rang drei der größten Volkswirtschaften vorrücken. Und die USA werden dank der günstigen Energiepreise als Industriestandort an Bedeutung gewinnen. Die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit ist eine Daueraufgabe – damit Deutschland und Bayern auch in Zukunft erfolgreich sind.

Den Mitgliedern von bayme vbm vbw steht der exklusiv zum Herunterladen zur Verfügung.

Rahmenbedingungen

Die Globalisierung wird sich fortsetzen, allerdings wird die Globalisierungsdynamik etwas schwächer ausfallen als in den Jahren bis 2008. Vor allem der Warenhandel wird weiter kräftig steigen, insbesondere der intraindustrielle Vorleistungshandel. Aufgrund der weltweiten Diffusion von Technologien werden sich die Schwellenländer schneller entwickeln als dies die heutigen Industrieländer getan haben. Der technische Fortschritt wird der zentrale Wachstumstreiber bleiben. Es wird weniger neue Schlüsseltechnologien geben, sondern die Vernetzung der verschiedenen Technikfelder wird an Bedeutung gewinnen.

Die Weltbevölkerung wird bis 2040 von heute 7,2 auf 9,0 Milliarden Personen anwachsen. Das Bevölkerungswachstum geht zu 90 Prozent auf den Zuwachs in Afrika und Asien zurück. Auch in Nordamerika wird die Bevölkerung leicht steigen (im Wesentlichen wegen der Zuwanderung), in Europa geht sie ab 2020 zurück. Weltweit geht die Geburtenrate zurück und steigt die Lebenserwartung an. Dies führt zu einer Alterung der Bevölkerung. In Deutschland wird die Bevölkerung von derzeit 82 auf 78 Millionen zurückgehen. Die Zahl der über 65-Jährigen wird hingegen um 42 Prozent zunehmen. 2040 wird nur noch die Hälfte der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter sein, heute sind es 61 Prozent. Der Altenquotient (Personen im Rentenalter pro 100 Personen im Erwerbsalter) wird von derzeit 34 auf 59 steigen.

Zukunft des Industriestandorts Deutschland

Das Wirtschaftswachstum wird bis 2020 vor allem durch die Folgen der Finanz- und Schuldenkrisen und die dadurch verursachte gedämpfte Investitionsneigung noch moderat verlaufen. Im kommenden Jahrzehnt wird sich die Dynamik beschleunigen. Zum Ende des Prognosezeitraums ist dann wieder mit schwächerem Wachstum zu rechnen. Dies liegt zum einen an der auch langsameren Weltkonjunktur, zum anderen machen sich dann die Verknappung des Faktors Arbeit und die dadurch ausgelösten höheren Lohnsteigerungen dämpfend bemerkbar. Im Durchschnitt wird das BIP bis 2040 um jährlich 1,3 Prozent zunehmen.

Wichtigster Wachstumstreiber wird im Prognosezeitraum der private Konsum sein. Die Investitionen werden der Prognose zufolge unterdurchschnittlich um 1,1 Prozent wachsen. Auch die Exporte werden weiterhin einen wichtigen Beitrag zum Wirtschaftswachstum liefern. Europa wird auch in Zukunft der wichtigste Absatzmarkt bleiben, wenngleich der Anteil an den Gesamtexporte Deutschlands zurückgehen wird. Mit Blick auf einzelne Länder wird allerdings China ab dem Jahr 2024 der wichtigste Exportmarkt Deutschlands werden (aktuell Rang 4).

Die Erwerbslosigkeit wird bis 2040 um 1,0 Millionen auf dann 1,3 Millionen sinken. Dies entspricht dann einer Erwerbslosenquote von 3,3 Prozent. Die Erwerbsbeteiligung wird weiter zunehmen: durch eine Aktivierung von Frauen und Älteren sowie durch Zuwanderung.

Die Zukunft des Produktionsstandorts Bayern

Das Wirtschaftswachstum in Bayern wird bis 2040 mit jahresdurchschnittlich 1,5 Prozent wachsen und damit um 0,2 Prozentpunkte stärker ausfallen als im Bundesdurchschnitt. Nur im Stadtstaat Hamburg ist die Dynamik leicht höher. Auch in Bayern kommen die wesentlichen Impulse vom privaten Konsum. Allerdings leistet der Außenhandel im Freistaat einen stärkeren Wachstumsbeitrag als im Bund.

Das überdurchschnittliche Wachstum Bayerns ergibt sich aus einer günstigeren demografischen Entwicklung, der über Handel und Investitionen überdurchschnittlichen Internationalisierung der Wirtschaft sowie der Tatsache, dass wachstums- und zukunftsorientierte (Industrie-)Branchen besonders stark vertreten sind. Bis 2027 nimmt die Bevölkerung in Bayern noch zu, 2040 wird sie nur leicht unter dem aktuellen Stand liegen. Zudem sinkt die Zahl der Erwerbstätigen mit 4,9 Prozent bis 2040 deutlich langsamer als bundesweit mit -9,1 Prozent.

Einen entscheidenden Anteil am wirtschaftlichen Erfolg Bayerns hat der starke industrielle Sektor. Dies wird sich der Prognose zufolge auch nicht ändern. Die Bruttowertschöpfung der Industrie wächst in Bayern mit +1,6 Prozent p.a. noch etwas stärker als die Wirtschaft insgesamt und stärker als die Industrie auf Bundesebene. Vor allem die Schlüsselbranchen Kraftfahrzeugbau, Sonstiger Fahrzeugbau, Elektroindustrie, Maschinenbau und Chemische Industrie wachsen schneller als bundesweit. Mit Ausnahme der Chemischen Industrie sind diese Branchen in Bayern zudem überdurchschnittlich vertreten.

Zukünftige Entwicklung der Weltwirstchaft

Die Weltwirtschaft wird auf einen Wachstumspfad einschwenken, der schwächer verläuft als im Vorkrisenzeitraum 1995 bis 2007. Damals wuchs das globale BIP pro Jahr um durchschnittlich 3,2 Prozent. Bis 2040 wird ein jährliches Wachstum von 2,7 Prozent erwartet. Die Verlangsamung fällt in den Schwellenländern relativ stärker aus als in den Industrienationen, was aber einen normalen Prozess darstellt. Insgesamt jedoch nimmt das Gewicht der Industrienationen kontinuierlich ab.

China ist für ein Drittel des weltweiten Wachstums bis 2040 verantwortlich, die USA für 23 Prozent, die EU für 17 Prozent, Indien für 8 und Brasilien für 4 Prozent. Der entscheidende Grund für das unterschiedliche Wachstumstempo ist die unterschiedliche Bevölkerungsentwicklung, die sowohl das Arbeitskräfteangebot als auch die Nachfrage beeinflusst.

Die USA profitieren auch von der Tatsache, dass der US-Dollar die weltweite Leitwährung bleiben wird und somit die USA für Kapitalströme ein attraktives Ziel sind. Die Wirtschaftsleistung in der EU bleibt mittelfristig durch die Konsolidierungsbemühungen gebremst, die aber dennoch notwendig sind. Erst ab 2020 wird sich die Dynamik wieder beschleunigen. Innerhalb Europas gibt es deutliche Divergenzen. Die MOE-Staaten wachsen vergleichsweise dynamisch, die südeuropäischen Krisenstaaten werden noch lange mit den Folgen der Krise zu kämpfen haben.

China wird der Haupttreiber des globalen Wachstums bleiben, wenngleich die Dynamik früherer Jahre nicht erreicht werden kann. Dämpfend wirkt die demografische Entwicklung. Hinzu kommen Sättigungstendenzen beim Kapazitätsaufbau, abnehmende Lohnkostenvorteile, wachsende Umweltprobleme und eine Aufwertung des Renminbi. Bis 2040 wird sich Chinas Anteil am weltweiten BIP von 10 auf 21 Prozent verdoppeln. Damit bleibt China die zweitgrößte Volkswirtschaft hinter den USA, deren Anteil von knapp 30 auf 26 Prozent zurückgehen wird. Gegen Ende des Prognosezeitraums wird Indien mit einem Anteil von dann sechs Prozent Japan von Platz drei verdrängen. Deutschlands Anteil sinkt von sechs auf vier Prozent, damit rangiert Deutschland auf Platz fünf.


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