Letzte Aktualisierung: 28. September 2016

Studie

Industriestandort Deutschland und Bayern 2030

Die Industrie hat sich in Bayern wie in Deutschland insgesamt in den vergangenen Jahren als Garant für eine solide gesamtwirtschaftliche Entwicklung gezeigt. Die günstige Ausgangssituation bedeutet jedoch nicht, dass die starke Position der deutschen und der bayerischen Industrie auf Dauer gesichert wäre. Verschiedene Herausforderungen wie der demografische Wandel, die zunehmende internationale Wettbewerbsintensität oder die Digitalisierung machen eine kontinuierliche Anpassung der nationalen Rahmenbedingungen durch Wirtschaft, Gewerkschaften und Politik erforderlich.

Langfristige Trends

Industriegüter werden weiterhin weltweit nachgefragt werden, die Dynamik wird aber etwas nachlassen. Die Schwellenländer gewinnen als Absatzmarkt weiter an Bedeutung.

Die entscheidenden Wettbewerbsfaktoren, die den Erfolg der Industrie und des Industriestandorts beeinflussen, werden sich wie folgt entwickeln:

  • Das Erwerbspersonenpotenzial geht zurück, in Bayern weniger stark als bundesweit; die Löhne werden stärker steigen.
  • Die Verfügbarkeit von Energie ist grundsätzlich gesichert, die Preise werden aber steigen.
  • Dienstleistungen gewinnen immer mehr an Bedeutung als Vorleistungen für die Industrie. Der Importanteil von Vorleistungen wird nur leicht steigen, es wird aber eine Verschiebung der Lieferländer weg von westeuropäischen hin zu asiatischen Ländern geben.
  • Der Bedarf an einer leistungsfähigen Infrastruktur steigt, sowohl im Hinblick auf Verkehrs-, digitaler und Bildungsinfrastruktur.

Megatrend Digitalisierung

Eine ganz entscheidende Rolle bei der weiteren Entwicklung der Industrie spielt die Digitalisierung. Sie verändert Gestalt und Struktur der Industrie. Die sogenannte Industrie 4.0 verändert Produktionsprozesse – sowohl auf horizontaler Ebene (Produktionsprozess) als auch auf vertikaler Ebene (Zulieferer / Kunden). Es entstehen neue Geschäftsideen und Produkte. Eine wichtige Rolle spielt hierbei big data.

Der Trend der hybriden Wertschöpfung entwickelt sich weiter, wobei eine Gewichtsverschiebung stattfindet. Das physische Produkt wird nicht mehr so stark im Vordergrund stehen, stattdessen gewinnen datengetriebene Dienstleistungen (aber in Kombination mit einem Produkt) an Bedeutung. Es bilden sich neue Querschnittsbranchen, z.B. „Gesundheit“, „Wohnen und Leben“ oder „Sicherheit“. Es geht nicht mehr darum, „was“ produziert wird, sondern, „für wen“ produziert wird.

Bedeutung der Industrie

Die Industrie wird auch weiterhin der Kern der deutschen und bayerischen Wirtschaft sein. Die industrielle Wertschöpfung in Deutschland und Bayern wird bis 2030 um jahresdurchschnittlich 1,2 bzw. 1,1 Prozent wachsen und damit etwas langsamer als zwischen 2000 und 2015 mit 1,3 Prozent. Der Wertschöpfungsanteil der Industrie wird dabei stabil bleiben, die industrielle Beschäftigung wird im Trend zurückgehen.

Der Bezug von Vorleistungen aus dem Dienstleistungssektor wird zunehmen, sodass die Bedeutung der Industrie für die Gesamtwirtschaft noch zunimmt. Eine starke Industrie ist auch unter Innovations-Gesichtspunkten für die Gesamtwirtschaft bedeutend, da sie die Lokomotive bei Forschung und Entwickung ist. F+E wiederum hat nachweislich positive Effekte auf das Wirtschaftswachstum einer Volkswirtschaft.

Szenarien

Szenario-Rechnungen zeigen, welche negativen Folgen sich für Wachstum und Beschäftigung ergäben, wenn sich bestimmte politisch beeinflussbare Wettbewerbsfaktoren schlechter entwickeln: Höhere Arbeitskosten, schlechteres Investitionsumfeld, höhere Unternehmensbesteuerung, steigende bzw. nicht sinkende Handelshemmnisse.

In diesen Fällen läge das BIP im Jahr 2030 zwischen 10 Mrd. und 124 Mrd. Euro niedriger als in der Basisprognose. Die Beschäftigungsverluste summieren sich auf bis zur 300.000 Personen, knapp 120.000 davon in der Industrie.


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Volker Leinweber

Volkswirtschaftliche Grundsatzfragen

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