Letzte Aktualisierung: 31. August 2017

Kurzbewertung

Vermögensverteilung: Vorurteile auf dem Prüfstand


Die Auseinandersetzung zur Vermögensverteilung wird stark von vorgeprägten Meinungen bestimmt. Damit verbundene Argumente halten einer näheren Prüfung oft nicht stand. Wir stellen zu besonders verbreiteten Vorurteilen knappe, faktenbasierte Bewertungen zur Verfügung. Mehr dazu enthält die vbw Position Gerechtes Deutschland – Vermögensverteilung.



Vorurteil Wertung
Die Vermögensverteilung in Deutschland ist im internationalen Vergleich besonders ungerecht. Das ist falsch. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland bzgl. der Vermögensverteilung im Mittelfeld. Sie wäre übrigens noch viel gleichmäßiger, wenn es gelänge, die hier relativ niedrige Wohneigentumsquote zu verbessern. Vermögenspolitik muss beim Vermögensaufbau ansetzen.
Die Statistik erfasst große Vermögen zu schlecht, kleine aber angemessen. Das ist falsch. Die Statistiken zur Vermögensverteilung erfassen Vermögen nur unvollständig. Bei großen Vermögen wird das durch Hinzuschätzungen korrigiert, bei kleinen und mittleren Vermögen nicht. Besonders betroffen sind Geldvermögen und Hausrat, Altersvorsorgevermögen, zu denen auch Rentenansprüche gehören, und Unterhaltsansprüche. All das sind weit verbreitete Vermögenspositionen. Wenn man sie einberechnet, sinkt die Zahl der Vermögenslosen deutlich, und die durchschnittlichen Vermögen steigen erheblich.
Die Vermögen von Armen und Reichen gehen immer weiter auseinander. Das stimmt nicht. Innerhalb des letzten Jahrzehnts ist die Vermögensverteilung stabil geblieben.
Mehr Umverteilung durch Vermögen-
steuern führt zu einer gleichmäßigeren Verteilung von Vermögen.
Das klappt nicht. Deutschland verteilt schon so stark um wie kaum ein anderer Staat. Am Beispiel Skandinavien zeigt sich: Wer die Umverteilung übertreibt, sorgt dafür, dass die Vermögensschere immer weiter auseinandergeht. Denn das Interesse am und die Fähigkeit zum Aufbau eigenen Vermögens geht gerade bei kleineren und mittleren Einkommen verloren.

Durch Erbschaften werden die Reichen immer reicher.

Das stimmt nicht.
Erbschaften verteilen Vermögen auf die Erben. Das führt zu mehr Gleichheit in der Vermögensverteilung.
Solange es keinen Krieg gibt, muss der Staat korrigierend in die Vermögens-
verteilung eingreifen.
Das ist falsch und zynisch. Kriege führen zu starker Konzentration von Vermögen und zu bitterer Armut. In Friedenszeiten in einer Marktwirtschaft gleicht der Wettbewerb durch Aufbau neuer und Insolvenz bestehender Vermögen die Verhältnisse dagegen aus.
Große Privat-
vermögen müssen herangezogen werden, um staatliche Aufgaben zu finanzieren.
Der Schuss geht nach hinten los. Große Privatvermögen sind meistens unternehmerisch eingesetzt. Sie erfüllen eine für den Wohlstand unserer Gesellschaft, das Steueraufkommen und einen florierenden Arbeitsmarkt unerlässliche Funktion. Wer sie wegsteuert, beschädigt auch ihren Beitrag zu Wachstum, Arbeit und Staatshaushalt.
Die Folgen der Digitalisierung am Arbeitsmarkt müssen durch Vermögen-
steuern aufgefangen werden.
Das ist kurzsichtig. Die Digitalisierung bietet vielfältige Chancen, neue Unternehmen aufzubauen und bestehende neu auszurichten. So entstehen attraktive Arbeitsplätze und neue Vermögen. Gute Gründungsbedingungen sind zusammen mit Bildungschancen der beste Weg zu mehr Verteilungsgerechtigkeit.
Große Familien-
unternehmen sollten Kapitalgesellschaften werden und in die Hände vieler Menschen kommen.
Das wäre der falsche Weg. Staatlicher Zwang zur Umwandlung in Kapitalgesellschaften wäre mit dem Grundgesetz nicht vereinbar. Zudem zeigen Familienunternehmer regelmäßig besondere Verantwortung für Unternehmen und Mitarbeiter. Und Familienunternehmer, die zum Verkauf gezwungen werden, suchen in der Regel finanzstarke Käufer, und finden diese oft im Ausland. Damit wandern auch Steueraufkommen und möglicherweise auch Arbeitsplätze in das Ausland ab.


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Ansprechpartner
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Dr. Benedikt Rüchardt

Steuern, Finanzen, Landesentwicklung, Wirtschaft und Kommunen

+49 (0)89-551 78-249
Benedikt Rüchardt
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