Letzte Aktualisierung: 29. Mai 2018

Vorsprung Bayern

Vorsprung Bayern: Krankenhausversorgung im ländlichen Raum

Die Krankenhausversorgung im ländlichen Raum war Thema eines Kongresses der vbw im unterfränkischen Bad Neustadt an der Saale. Eingangs verwies vbw Geschäftsführer Ivor Parvanov auf die große Bedeutung der Gesundheitswirtschaft als Standortfaktor: „Die Gesundheitsbranche ist einer der größten Wirtschaftssektoren in Deutschland und Bayern. Ihr Anteil an der Gesamtwirtschaft beträgt zwölf Prozent, auf sie entfallen 8,2 Prozent der deutschen Gesamtexporte. Rund sieben Millionen Menschen sind in der Gesundheitswirtschaft beschäftigt – das ist jeder sechste Arbeitsplatz in Deutschland. Allein in Bayern sind mehr als 840.000 Menschen in diesem Sektor tätig. In vielen Landkreisen ist das Kreiskrankenhaus auch der größte Arbeitgeber der Region.“

Wichtiger Standortfaktor

Trotzdem sieht der vbw Geschäftsführer bei der Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum viele Herausforderungen: „Dafür sind zwei Megatrends verantwortlich: der demografische Wandel und der Fachkräftemangel, der die Krankenhäuser vor allem auch beim Pflegepersonal trifft.“

Maßnahmen der Politik

Die Politik habe bereits einige Maßnahmen eingeleitet, die für eine bedarfsgerechte Gesundheitsversorgung im ländlichen Bereich sorgen sollen. Steffen Vogel, direkt gewählter Abgeordneter im hiesigen Landkreis, skizzierte die Situation in Bayern und auch in der Region. So habe der Freistaat die meisten Krankenhäuser, die im Schnitt aber kleiner seien als in anderen Ländern. Zudem ist die Struktur stark von kommunalen Häusern dominiert, auch wenn der Trend zu privaten Kliniken geht. Steffen erläuterte außerdem die Krankenhauspolitik des Freistaates. Er selbst halte die Krankenhäuser im ländlichen Raum für zukunftsfähig. Sie müssten sich allerdings spezialisieren und gute Qualität beweisen. Das A und O einer Klinik sei die Akzeptanz in der Region.

Praxisbeispiel aus der Region für ganz Bayern

In einem Praxisteil skizzierten Dr. Ralph Barth, Facharzt aus Bad Kissingen, Dr. Rainer Schamberger, Chefarzt im Klinikum Main Spessart, sowie Fritz Lang, Unternehmensgründer der Heiligenfeld-Kliniken, ein Projekt des Zentrums für Telemedizin Bad Kissingen. Dabei wurde anhand eines konkreten Falles die Kette Patient-Notarzt-Krankenhausarzt abgebildet und gezeigt, wie Digitalisierung die Abläufe optimieren kann - zum Wohle des Patienten und zum Nutzen der Leistungserbringer. Durch eine ausgeklügelte digitale Vernetzung ist das Krankenhaus mittlerweile sehr gut im Vorfeld auf eingelieferte Notfall-Patienten vorbereitet.

Lebhafte Diskussion

Kathi Petersen, SPD Landtagsabgeordnete und Mitglied des Gesundheitsausschusses im bayerischen Landtag, forderte in der von Jürgen Gläser vom Bayerischen Rundfunk geleiteten Diskussionsrunde eine stärkere staatliche Planung. Die SPD habe dazu auch einen Entwurf vorgelegt. Wichtig seien auch Personalbemessungsgrenzen für die Kliniken.

Private Kliniken als unverzichtbarer Bestandteil der Versorgung

Die Rolle der privaten Kliniken in der Versorgung auch auf dem Land erläuterte Burkhard Bingel, Geschäftsführer der Campus-Kliniken Bad Neustadt der Rhön-Klinikum AG. Auf den Vorwurf der "Rosinenpickerei" seitens der privaten Betreiber konterte er mit dem Fakt, dass die Fachexpertise heute ausschlaggebend sei. “Die Patienten stimmen heute per Internet über die Krankenhäuser ab”, so Bingel. Oft gehe es nur, wenn sich Spezialversorgung und die Grund- und Regelversorgung zusammen aufstellen und so ihr Profil schärfen.

vbw: Weniger Restriktionen nötig

Für die bayerische Wirtschaft sind vor allem Maßnahmen zur Deregulierung auch im stationären Bereich wichtig. "So müssen wir die staatliche Bedarfsplanung schrittweise zu einer freiheitlicheren Ausrichtung weiterentwickeln. Außerdem müssen beschränkende Regulierungen so weit wie möglich aufgehoben werden. Dies gilt für mehr Vertragsfreiheit als auch für die Ablösung der Bedarfsplanung durch ein Akkreditierungsverfahren. Und wir brauchen mehr Transparenz beim Preis-Leistungsverhältnis und bei der Qualität für alle Seiten. Nicht zuletzt müssen innovative Modelle in der Gesundheitsversorgung gefördert werden. Insbesondere die Digitalisierung kann hier einen wichtigen Beitrag leisten", so Parvanov. "Der Erhalt der heimatnahen Krankenhäuser ist für uns unerlässlich, um dem Verfassungsgebot der ‚gleichwertigen Lebensverhältnisse‘ zwischen Stadt und Land gerecht zu werden. Deshalb ist es dringend notwendig, dass die Häuser der Grundversorgung stärker mit einer Sockelfinanzierung unterstützt werden“, ergänzte MdL Steffen Vogel.

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