Letzte Aktualisierung: 10. November 2016

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Finanzierung der GKV - Die Mär von der Parität

Immer wieder wird den Arbeitgebern vorgeworfen, dass sie sich nicht an der Finanzierung der Kostensteigerungen in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) beteiligen und die Kosten alleine die Arbeitnehmer tragen müssten. Oft fällt hier die sehr kurzsichtige Forderung nach "echter Parität" bei der Bezahlung der Beiträge. Diese wäre jedoch ein sehr schlechtes Geschäft für die Arbeitnehmer.

Arbeitgeber zahlen mehr für Krankheitskosten als die Arbeitnehmer selbst

Denn auch nach der weiteren Festschreibung des Arbeitgeberanteils bleibt es dabei, dass die Arbeitgeber einen deutlich höheren Kostenanteil an der Krankheitskostenfinanzierung übernehmen als die Arbeitnehmer selbst: Zu dem Krankenversicherungsbeitragssatz von je 7,3 Prozent, den seit dem 01. Januar 2015 sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber zahlen müssen, kommen auf Versichertenseite rund 13 Milliarden Euro (entspricht ca. 1,1 Prozentpunkte) durch den neuen Zusatzbeitrag und rund 3 Milliarden Euro (ca. 0,25 Prozentpunkte) an Selbstbeteiligungen hinzu, während auf Arbeitgeberseite allein die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall, die in den ersten sechs Wochen der Krankheit zum Ruhen des Krankengeldanspruchs der Arbeitnehmer gegen ihre Krankenkasse führt, mit insgesamt rund 51 Milliarden Euro (ca. 4,25 Prozentpunkte) zu Buche schlägt. Hinzu kommt, dass die Arbeitgeber für Minijobber die Krankenversicherungsbeiträge allein finanzieren (rund 2,8 Milliarden Euro bzw. ca. 0,3 Prozentpunkte). Auch bei Mini-Jobbern zahlen die Arbeitgeber höhere Beiträge als die Beschäftigten. Für Versicherte, die zu ihrer Berufsausbildung beschäftigt sind und wenig verdienen, und für Versicherte, die ein freiwilliges soziales Jahr oder ein freiwilliges ökologisches Jahr leisten, trägt der Arbeitgeber sogar den Gesamtsozialversicherungsbeitrag alleine - auch den Zusatzbeitrag für den Versicherten.

Arbeitgeber zahlen in der GKV drei Prozent mehr

Unter dem Strich müssen die Arbeitnehmer im Schnitt 8,65 Prozent für die Finanzierung der GKV beitragen, die Arbeitgeber aber mehr als 11,6 Prozent. Die Arbeitgeber zahlen damit im Vergleich zu den Arbeitnehmern drei Prozent mehr ein.

Etliche Posten in der Sozialversicherung zahlen die Arbeitgeber alleine

Abgesehen davon finanzieren die Arbeitgeber andere Sozialleistungen für ihre Arbeitnehmer vollständig mit ihren Beiträgen:

  • Beiträge zur gesetzlichen Unfallversicherung: ca. 10,6 Milliarden Euro
  • Beiträge für die Umlage zum Ausgleich von Aufwendungen für Mutterschaftszuschüsse: ca. 1,4 Milliarden Euro
  • Beiträge für die Insolvenzgeldumlage: ca. 1,2 Milliarden Euro

Auch die offizielle Gegenüberstellung der Bundesregierung (Sozialbudget 2014, ein Papier des BMAS) kommt auf ähnliche Finanzierungsanteile der Sozialbeiträge bei den Arbeitgebern in Höhe von 34,8 Prozent, während auf die Versicherten nur 30,4 Prozent entfallen.


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Franz Niedermaier

Frauen-, Familien- und Gesundheitspolitik, Kirche/Kultur Pflegeversicherung, Krankenversicherung, BGM/BGF

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