Letzte Aktualisierung: 26. April 2018

Studie

Die Games-Industrie in Bayern

Die Games-Industrie ist schon heute ein wichtiger Teil der Digitalwirtschaft und gehört zu den bedeutendsten Zukunftsbranchen. Games sind dabei mehr als ein Unterhaltungsmedium. Sogenannte Serious-Games haben einen praktischen Nutzen und unterstützen Unternehmen dabei, Entscheidungen und Produktionsprozesse zu optimieren.

Eine Ende 2017 erstellte bundesweite Studie zur Games-Industrie, die von der vbw gefördert wurde, bietet nun erstmals auf Basis einer gesicherten Datengrundlage ein realistisches Bild der deutschen und bayerischen Games-Branche. Für den Freistaat Bayern wurde eine länderspezifische Auswertung durchgeführt, sodass nun ein detailliertes Bild der bayerischen Games-Industrie vorliegt.

Die Studie wurde vom Forschungs- und Kompetenzzentrum Audiovisuelle Produktion der Hamburg Media School (HMS) von den Autoren Juliane Müller, Clemens Poser, Christoph Witte unter der Leitung von Prof. Dr. Oliver Castendyk erstellt.

Bayern unter den Top 3-Standorten

In ihrem Kern besteht die bayerische Games-Branche aus 118 Unternehmen und hatte 2015 einen Umsatz von 560 Millionen Euro erwirtschaftet. Dies entspricht einem Anteil von 18 Prozent am gesamtdeutschen Umsatz. Bei der Zahl der Unternehmen lag Bayern 2015 auf dem dritten Platz in Deutschland, nur knapp hinter Berlin und Nordrhein-Westfalen (Berlin 138, Nordrhein-Westfalen 127). Von den insgesamt 118 Unternehmen in Bayern haben 90 ihren Sitz in München und im Jahr 2015 arbeiteten in der bayerischen Games-Industrie 1500 Beschäftigte, das entspricht einem gesamtdeutschen Anteil von 10,6 Prozent.

Stärken und Chancen der bayerischen Gaming-Branche

Zahlreiche Aus- und Weiterbildungsangebote sichern die Generierung von kompetenten Nachwuchskräften für den Games-Bereich.

Bayern ist als Gründungsstandort attraktiv. Der überwiegende Teil der Unternehmensgründer wurde in Bayern ausgebildet und hat seinen Standort beibehalten. Die bayerische Games-Förderung ist sehr gut aufgestellt. Neben den im nationalen Vergleich hohen Fördersummen für Games-Projekte des FilmFernsehFonds Bayern und deren Anerkennung auf EU-Ebene, sorgen auch Initiativen der vbw und Projekte wie das von der Stadt München geförderte Werk1 für eine strukturelle Unterstützung der Branche. In den letzten Jahren ist die Branche auch stark in den Fokus der Digitalisierungsoffensive des Freistaates gerückt. Mit knapp 2 Millionen Euro ist die Games-Förderung durch den FFF Bayern die höchste in Deutschland.

Die bayerische Games-Industrie ist gut vernetzt: Netzwerke wie games bavaria, das MedienNetzwerk Bayern, zahlreiche Workshopveranstaltungen und Konferenzen, wie z.B. die alle zwei Jahre in Bayern stattfindende Verleihung des Deutschen Computerspielpreises, ermöglichen und fördern den Erfahrungs- und Wissensaustausch der Branche.

Hinzu kommt die Stabilität Bayerns als Games-Standort. Das Durchschnittsalter der in Bayern ansässigen Games-Unternehmen liegt im bundesweiten Vergleich mit 7,9 Jahren bezogen auf 2015 im Mittelfeld, dies spricht dafür, dass sich Unternehmen hier zukunftsfähig aufstellen und kontinuierlich weiterentwickeln können.

Chancen und Möglichkeiten für den Standort Bayern

Die bayerische Games-Branche weist im Bereich Entwicklung vor allem kleine und einige mittlere Unternehmen auf. Bis auf Travian Games sind die umsatzstarken Unternehmen vor allem Publisher.

Damit ist die bayerische Games-Branche durch eine Vielzahl kleiner und mittelgroßer Entwicklungen und das Fehlen großer Triple-A-Projekte gekennzeichnet, welche dem Standort international Geltung verleihen könnten.

Es arbeiten wenig ausländische Fachkräfte in der bayerischen Games-Branche, die oft wichtiges Know-how und Erfahrungen bei der Entwicklung und Vermarktung großer Titel mitbringen.

Handlungsempfehlungen

  • Kommunikation stärken

Die bayerische Games-Branche ist in vielerlei Hinsicht sehr gut aufgestellt und konnte in den vergangenen Jahren auch ein stetiges Wachstum verzeichnen. Die Unterstützung von öffentlicher Seite ist in diesem Umfang im innerdeutschen Vergleich sehr groß. Bayern kann deshalb mit Vielem zufrieden sein.

Die vbw empfiehlt, die Kommunikation für die bayerische Games-Branche unter Rückgriff auf bereits angewandte und bewährte Plattformen und Institutionen stärker und branchenspezifischer auf nationaler und internationaler Ebene aufzubauen.

  • Gründungsfinanzierung ausbauen

Um die finanziellen Bedingungen für die Gründung eines Games-Unternehmens in Bayern zu verbessern, empfiehlt die vbw Maßnahmen, den Förderbetrag der Gründungsförderung des Staatsministeriums deutlich zu erhöhen sowie bessere Bedingungen für private Investitionen zu schaffen.

  • Stärker um internationale Entwickler werben

Mit der Ansiedlung großer internationaler Spieleentwickler in Bayern könnten die lokalen Fachkräfte berufliche Erfahrungen mit den großen Triple-A-Projekten sammeln und damit ihre Qualifikation auf ein internationales Niveau heben. Dies würde Potenziale für die Ansiedlung weiterer großer Entwickler entfalten und könnte auch Ausgründungen neuer Games-Unternehmen mit hochqualifizierten Entwicklern zur Folge haben.


Drucken
Kontakt
Ansprechpartner

Dr. Peter J. Thelen

Strategie und Politischer Dialog

+49 (0)89-551 78-331
Peter J. Thelen
Content Sharing
Bitte loggen Sie sich ein, um den Einbettungs-Code für diese Seite zu erhalten.
nach oben