Letzte Aktualisierung: 15. Dezember 2017

Deutschland hat Zukunft

Rückblick - Weltklimagipfel in Bonn – Ergebnisse und Perspektive

Am 13. Dezember 2017 trafen rund 70 Teilnehmer aus Wirtschaft und Ministerien in der Hanns-Seidel-Stiftung in München zusammen, um über die Ergebnisse der Bonner UN-Klimakonferenz zu diskutieren. Im Fokus standen die Herausforderungen, die sich durch die Umsetzung des Weltklimavertrags für die bayerische Wirtschaft ergeben.

Jeder Staat muss einen fairen Beitrag leisten

Der vbw Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt zeigte auf, dass die deutsche Wirtschaft in puncto Klimaschutz weltweit Maßstäbe setzt. Deutschland allein könne jedoch mit seinem 2,2- Prozentanteil am globalen CO2-Ausstoß das Klima nicht retten. Jeder Staat, auch aufstrebende Schwellenländer, müssten einen fairen Anteil leisten, so Brossardt. Hierfür sei es erforderlich, international geltende Regelungen für den Klimaschutz aufzustellen. Eine Tonne CO2 in der EU müsse auch einer Tonne CO2 in anderen Ländern entsprechen. Brossardt merkte an, dass Deutschland mit dem Klimaschutzplan 2050 vorgeprescht sei. Dieser sei mit massiven Sonderlasten und Wettbewerbsnachteilen für die deutsche Wirtschaft verbunden. Hierdurch drohe die Verlagerung von Produktion, die Abwanderung von Betrieben und der Verlust von Arbeitsplätzen.

Klimaschutz ist ein Kostenfaktor

Dr. Brigitta Huckestein, Senior Manager Energy and Climate Policy, BASF SE, legte dar, dass der Klimaschutz auf globaler Ebene kontinuierlich an Bedeutung gewinnt. Bei dem Bonner Klimagipfel habe sich gezeigt, dass die Sichtweisen der einzelnen Staaten weiterhin stark durch nationale Interessen geprägt sind. In der Klimafinanzierung würden die Gräben zwischen Industrie- und Entwicklungsländern fortbestehen. Frau Dr. Huckestein stellte klar, dass die Industrie durch die Entwicklung von Technologien auch künftig einen großen Beitrag für den Klimaschutz leisten könne. Allerdings sei ein globales Level Playing Field erforderlich. Ohne dieses kommt es zu Wettbewerbsnachteilen und Carbon Leakage, so Huckestein.

Klimaschutz erfordert Umdenken in allen Sektoren

MinDirig Berthold Goeke, Leiter der Unterabteilung Klimaschutzpolitik im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, betonte, dass der Bonner Klimagipfel als deutliches Signal für die Unumkehrbarkeit des Weltklimavertrags zu werten sei: Trotz des erklärten Austritts der USA zeigte sich, dass die internationalen Klimaschutzbemühungen fortbestehen. Allerdings müsse das Pariser Abkommen nun mit Leben gefüllt werden, indem auf allen Ebenen seine Umsetzung vorangetrieben wird. Laut Goeke käme den führenden Wirtschaftsregionen beim Klimaschutz eine besondere Verantwortung zu. Auf der anderen Seite biete sich für Technologienationen wie Deutschland die Möglichkeit, eine Führungsrolle auf den Zukunftsmärkten zu erlangen. Um die europäischen und nationalen Klimaziele zu erreichen, sei ein Umdenken in allen Sektoren erforderlich, so Goeke. Dies werde mit dem Klimaschutzplan 2050 angestrebt. Der Fokus müsse nicht alleine auf die Energiewirtschaft und die Industrie, sondern auch auf den Verkehr, die Landwirtschaft und den Gebäudesektor gelegt werden, so Goeke.

Unternehmen benötigen realistische und erreichbare Zielvorgaben

In der anschließenden Podiumsdiskussion wurden die Rahmenbedingungen für eine wirtschaftsverträgliche Klimapolitik diskutiert. Dr. Joachim Hein, Referent Energie- und Klimapolitik, Bundesverband der Deutschen Industrie e. V., merkte an, dass die Industrie ihre Emissionen bereits deutlich gemindert habe. Dies müsse bei der nun anstehenden Überprüfung der Sektorziele des Klimaschutzplans berücksichtigt werden.

Frau Dr. Huckestein ergänzte, dass für die Erschließung weiterer Minderungspotenziale neue Technologien entwickelt werden müssten. Dies sei jedoch mit erheblichen Investitionskosten verbunden. Darüber hinaus seien in der Industrie, im Gegensatz zum Gebäudesektor, die Technologiepfade unbekannt. Daher müsse es bei der Zieldefinition eine größere Flexibilität geben. Hierzu erklärte Goeke, dass der Klimaschutzplan als lernender Prozess angelegt sei. Ziel sei es, einen vernünftigen Pfad zu entwickeln. Diskutiert wurde zudem, inwieweit sich die politischen Klimavorgaben auf die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen auswirken. Frau Dr. Huckestein merkte an, dass die Belastungen durch Klimavorgaben in der EU am höchsten sind. Im Gegensatz zur europäischen und deutschen Klimapolitik sei beispielsweise die chinesische Klimapolitik immer auch an den wirtschaftlichen Interessen des Staates ausgerichtet. Einigkeit herrschte darüber, dass China trotz seines gesteigerten Klimaschutzengagements nicht als neuer Klima-Vorreiter bezeichnet werden kann.

Brossardt stellte abschließend fest, dass auf internationaler Ebene ein Level Playing Field, auf Ebene der EU abgestimmte Maßnahmen und auf nationaler Ebene ein schlüssiges Gesamtkonzept für den Klimaschutz und die Energiewende entwickelt werden müssen.

Rückblick

Rückblick - Weltklimagipfel in Bonn – Ergebnisse und Perspektive
am 13.12.2017 in München

Bilder (7)

Klimapolitik auf dem Prüfstand
Klimaimpulse aus Bonn
Klimapfad - Paris, Bonn, Kattowitz
Dr. Joachim Hein, Referent Energie- und Klimapolitik, BDI - Bundesverband der Deutschen Industrie e. V.
Podiumsdiskussion - Klimapolitik erfolgreich gestalten
Podiumsdiskussion
Bertram Brossardt, Daniel Wetzel (Moderator), Dr. Brigitta Huckestein, MinDirig Berthold Goeke, Dr. Joachim Hein
Information
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Vortrag
MinDirig Berthold Goeke | Klimapfad - Paris, Bonn, Kattowitz
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Vortrag
Dr. Brigitta Huckestein | Klimaimpulse aus Bonn

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Ansprechpartner
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Christian Kass

Energie, Klima

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