Letzte Aktualisierung: 16. Oktober 2018

Position

Integration von Geflüchteten

Für die vbw ist die Bewältigung der Integration von Geflüchteten eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Sie kann vor allem dann gelingen, wenn Asylbewerber und anerkannte Flüchtlinge gezielt den Weg in eine Erwerbstätigkeit finden. Gerade zur Integration in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt trägt auch die Wirtschaft ihren Teil bei.

Langfristiger Prozess

Die Integration von Geflüchteten in die Gesellschaft und den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt ist ein dauerhafter Prozess. Damit die Integration gelingt, braucht es differenzierte und nachhaltige Ziele. Das sind aus Sicht der vbw ein gesteuerter Zuzug, verlässliche administrative Strukturen und eine zügige Ausbildungs- und Arbeitsmarktintegration. Die Bemühungen müssen sich dabei auf anerkannte Flüchtlinge und Asylbewerber mit einer hohen Bleibewahrscheinlichkeit fokussieren. Dennoch gilt es auch für diejenigen eine Perspektive zu entwickeln, die ausreisepflichtig sind, deren Ausreise aber aus den verschiedensten Gründen nicht kurz- und mittelfristig erfolgen kann.

Verantwortung der Politik

Klar ist, dass Asylbewerber unser demokratisches Rechts- und Wertesystem anerkennen müssen. Unerlässlich sind deshalb bedarfsgerechte, verstetigte Investitionen in das Bildungssystem, ein verlässlicher Zugang für Geflüchtete zu den Integrationskursen sowie ein Ausbau der Sprachförderung, sowohl für die allgemeinsprachliche als auch die berufsbezogene Förderung. Dafür muss die Politik Sorge tragen und auf Dauer gezielt ausreichende Mittel und Kapazitäten bereitstellen.

Handlungsempfehlungen der vbw

Diese Grundlagen sind die Voraussetzungen der Integration von Geflüchteten in eine Ausbildung oder Beschäftigung. In Bayern können bereits erste Erfolge der Ausbildungs- und Arbeitsmarktintegration verzeichnet werden. Das liegt vor allem am Engagement der Unternehmen. Damit dieser positive Weg fortgesetzt werden kann, empfiehlt die vbw:

  • Unternehmen brauchen bei der Beschäftigung und insbesondere bei der Ausbildung Planungssicherheit. Das heißt zum Beispiel, dass Entscheidungen zur Erteilung der Aufnahme einer Beschäftigung oder Ausbildung frühzeitig getroffen werden. Hier braucht es einheitliche Vorgaben. Im Falle der Ausbildung sollte die Entscheidung neun Monate vor Aufnahme gefällt sein.
  • Der Duldungstatbestand zum Zwecke einer Ausbildung muss auf das Instrument der Einstiegsqualifizierung ausgeweitet werden. Hierfür ist eine gesetzliche Anpassung notwendig.
  • Die Politik ist aufgefordert, das Beschäftigungsverbot in der Zeitarbeit, unabhängig von der jeweiligen Qualifikation, grundsätzlich aufzuheben und von der Vorrangprüfung zu entkoppeln.
  • Außerdem muss der Zugang zu allen Förderleistungen der Berufsausbildung mit Abschluss eines Ausbildungsvertrags ermöglicht werden.
  • Die Unternehmen müssen von der Meldepflicht eines Ausbildungsabbruchs befreit sein.
  • Um Asylbewerbern mit hoher Bleibeperspektive den Zugang zum Ausbildungs- und Arbeitsmarkt noch besser zu ermöglichen, ist es für potentielle Arbeitgeber essentiell, Informationen über vorhandene Qualifikationen und Berufserfahrungen zu erhalten. Es muss flächendeckend möglich sein, frühzeitig die Kompetenzen von Asylsuchenden abzufragen und festzustellen.
  • Die Politik muss dafür sorgen, die Mobilität im ländlichen Raum und die Erreichbarkeit eines Arbeitsplatzes soweit wie möglich zu gewährleisten.
  • In jedem Landkreis und in jeder kreisfreien Stadt muss ein Integrationscenter als erste Anlaufstelle für Zugewanderte auf Dauer etabliert werden, bei dem alle integrationsrelevanten Fragestellungen gebündelt und koordiniert werden.
  • Für jeden Geflüchteten mit einer mittel- und langfristigen Bleibeperspektive sollte ein individueller Integrationsplan erstellt werden und eine Begleitung der einzelnen Integrationsbausteine erfolgen (koordiniert im Integrationscenter).
  • Wir brauchen einen jährlichen bayerischen statistischen Datenbericht zur Asylpolitik, der alle vorhandenen Informationen zur Integration der Geflüchteten bündelt.
  • Übergangs- und Integrationsklassen müssen als bundesweites Erfolgsmodell beibehalten und bedarfsgerecht weiterentwickelt werden.


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Ansprechpartner
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Simona Muß

Integration von Geflüchteten, Projekte

+49 (0)89-55178-222
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