Letzte Aktualisierung: 27. März 2019

Position

vbw Handlungsempfehlungen zur besseren Integration von Geflüchteten

Für die vbw ist die Bewältigung der Integration von Geflüchteten eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Sie kann vor allem dann gelingen, wenn Asylbewerber und anerkannte Flüchtlinge gezielt den Weg in eine Erwerbstätigkeit finden. Gerade zur Integration in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt trägt auch die Wirtschaft ihren Teil bei.

Langfristiger Prozess

Die Integration von Geflüchteten in die Gesellschaft und den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt ist ein dauerhafter Prozess. Damit die Integration gelingt, braucht es differenzierte und nachhaltige Ziele. Das sind aus Sicht der vbw ein gesteuerter Zuzug, verlässliche administrative Strukturen und eine zügige Ausbildungs- und Arbeitsmarktintegration. Die Bemühungen müssen sich dabei auf anerkannte Flüchtlinge und Asylbewerber mit einer hohen Bleibewahrscheinlichkeit fokussieren. Dennoch gilt es auch für diejenigen eine Perspektive zu entwickeln, die ausreisepflichtig sind, deren Ausreise aber aus den verschiedensten Gründen nicht kurz- und mittelfristig erfolgen kann.

Verantwortung der Politik

Klar ist, dass Asylbewerber unser demokratisches Rechts- und Wertesystem anerkennen müssen. Unerlässlich sind deshalb bedarfsgerechte, verstetigte Investitionen in das Bildungssystem, ein verlässlicher Zugang für Geflüchtete zu den Integrationskursen sowie ein Ausbau der Sprachförderung, sowohl für die allgemeinsprachliche als auch die berufsbezogene Förderung. Dafür muss die Politik Sorge tragen und auf Dauer gezielt ausreichende Mittel und Kapazitäten bereitstellen.

Handlungsempfehlungen der vbw

Diese Grundlagen sind die Voraussetzungen der Integration von Geflüchteten in eine Ausbildung oder Beschäftigung. In Bayern können bereits erste Erfolge der Ausbildungs- und Arbeitsmarktintegration verzeichnet werden. Das liegt vor allem am großen Engagement der Unternehmen. Damit dieser positive Weg fortgesetzt werden kann, empfiehlt die vbw:

  • Unternehmen brauchen bei der Beschäftigung und insbesondere bei der Ausbildung absolute Planungssicherheit. Das heißt zum Beispiel, dass Entscheidungen zur Erteilung der Aufnahme einer Beschäftigung oder Ausbildung frühzeitig getroffen werden. Hier braucht es einheitliche Vorgaben. Die im Fachkräfteeinwanderungsgesetz geplante Entscheidungsfrist von sieben Monaten vor Beginn ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Im Falle der Ausbildung sollte die Entscheidung jedoch definitiv neun Monate vor Aufnahme gefällt sein.
  • Der Duldungstatbestand zum Zwecke einer Ausbildung muss auf das Instrument der Einstiegsqualifizierung ausgeweitet werden. Hierfür ist eine gesetzliche Anpassung notwendig.
  • Die Politik ist aufgefordert, das Beschäftigungsverbot in der Zeitarbeit, unabhängig von der jeweiligen Qualifikation, grundsätzlich aufzuheben und von der Vorrangprüfung zu entkoppeln.
  • Außerdem muss der Zugang zu allen Förderleistungen der Berufsausbildung mit Abschluss eines Ausbildungsvertrags ermöglicht werden.
  • Die Unternehmen müssen von der Meldepflicht eines Ausbildungsabbruchs befreit sein.
  • Um Asylbewerbern mit hoher Bleibeperspektive den Zugang zum Ausbildungs- und
    Arbeitsmarkt noch besser zu ermöglichen, ist es für potenzielle Arbeitgeber essenziell, Informationen über vorhandene Qualifikationen und Berufserfahrungen zu erhalten. Es muss flächendeckend möglich sein, frühzeitig die Kompetenzen von Asylsuchenden abzufragen und festzustellen.
  • Die Politik muss dafür sorgen, die Mobilität im ländlichen Raum und die Erreichbarkeit eines Arbeitsplatzes soweit wie möglich zu gewährleisten.
  • Die Politik muss sicherstellen, dass die Verwaltungspraxis der Behörden bei Arbeitserlaubnissen einheitlich ist. Sowohl innerhalb Deutschlands als auch innerhalbs Bayerns sollten Parameter wie "Ermessensspielraum" oder "Mitwirkung zur Klärung der Identität" klarer definiert werden.
  • Auf europäischer Ebene muss Deutschland nachdrücklich auf ein gemeinsames Asylsystem hinarbeiten, da die Migration und Integration gesamteuropäisch betrachtet und angegangen werden muss.


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Ansprechpartner
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Simona Muß

Integration von Geflüchteten, Projekte

+49 (0)89-551 78-222
Simona Muß
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