Letzte Aktualisierung: 01. März 2018

Studie

Versorgungsgrad der digitalen Infrastruktur in Bayern

Seit 2013 analysiert die vbw regelmäßig den Ausbaustand der digitalen Infrastruktur in Bayern. Die vorliegende Studie für 2017 belegt, dass der Breitbandausbau im Freistaat beachtliche Fortschritte macht. Gleichzeitig zeigen internationale Vergleichszahlen, dass weiter Erhebliches zu leisten ist, um bzgl. der digitalen Netze an die Weltspitze zu kommen.

Die wesentlichen Ergebnisse der Studie:

Internationaler Vergleich: Festnetz mittel, Mobilfunknetz gut

Die Breitbandversorgung Deutschlands hat im internationalen Vergleich Stärken und Schwächen. Mit 15,3 Mbit/s liegt die mittlere gemessene Übertragungsrate etwa auf dem Niveau des europäischen Durchschnitts. Bei der Verbreitung reiner Glasfaser-verbindungen hängt Deutschland deutlich hinterher. Positiv lesen sich die Zahlen zu durchschnittlichen Übertragungsraten im Mobilfunk. Hier liegt Deutschland international in der Spitzengruppe.

Digitales Festnetz

Bayern mit im deutschen Vergleich gut

Bayern ist im deutschen Vergleich mit Bezug auf seine Siedlungsstruktur überdurchschnittlich gut mit hochleistungsfähigen Breitbandanschlüssen versorgt. Ende 2016 waren in 84,1 Prozent der Haushalte Anschlüsse mit mindestens 30 Mbit/s verfügbar. Bayern liegt bei NGA Versorgungsgraden sowohl in seinen städtischen als auch ländlichen Regionen deutlich über dem Durchschnitt Deutschlands.

Bayerische Stärken im ländlichen Raum

Besonders im ländlichen Raum hat Bayern bessere Versorgungsgrade als im bundesweiten Vergleich. 62,5 Prozent der Haushalte konnten Ende 2016 auf Verbindungen mit mindestens 30 Mbit/s zurückgreifen. Das sind 7,7 Prozentpunkte mehr als vor einem Jahr und 10,6 Prozentpunkte mehr als im deutschen Vergleich. Hier zeigen sich die Erfolge des bayerischen Förderprogramms bereits deutlich.

Bis zu bedarfsgerechter Versorgung bleibt viel zu tun

Bis zu einer flächendeckenden Versorgung mit mindestens 100 Mbit/s ist noch Erhebliches zu leisten. In 281 Kommunen in Bayern sind heute mindestens 80 Prozent der Haushalte mit solchen Anschlüssen versorgt. Dagegen liegt der Versorgungsgrad bei 1.199 Kommunen Bayerns noch unter 20 Prozent der Haushalte.

Hoher Handlungsbedarf bei Glasfaser

Reine Glasfaseranschlüsse sind für 9,3 Prozent der Haushalte in Bayern verfügbar. Damit liegt Bayern bundesweit auf Rang 3 der Länder und vor den Stadtstaaten Berlin und Bremen. Zudem haben rund 1.000 bayerische Kommunen einen FTTB-Ausbau zumindest in Teilbereichen angestoßen.

Nachholbedarf beim Anschluss von Gewerbegebieten

Bezogen auf die Breitbandversorgung in Gewerbegebieten liegt Bayern beim Anteil der Anschlüsse ab 50 Mbit/s mit Platz 8 (70 Prozent) im Ländervergleich im Mittelfeld. Besser sieht es bei der Versorgung mit 30 Mbit/s aus: diese steht für 82 Prozent der Betriebe an Gewerbestandorten zur Verfügung, das ist unter den Flächenländern Platz 4.

Bayerisches Förderprogramm: gut genutzt und wirksam

Das bayerische Breitbandförderprogramm wird von den Kommunen sehr gut genutzt. Zum Datenstand August 2017 waren 96,8 Prozent der bayerischen Gemeinden im Förderverfahren aktiv, das verbeschiedene bayerische Fördervolumen belief sich zu dem Zeitpunkt auf 668 Millionen Euro. Die Ergebnisse der Förderung sind klar sichtbar: Mitte 2018 werden die ersten drei Viertel der Kommunen ihr erstes Förderprojekt abgeschlossen haben. Dadurch werden über 632.000 Haushalte mit Anschlüssen von mindestens 30 Mbit/s versorgt sein. Die Kommunen im bayerischen Förderverfahren setzen sich dabei im Zeitablauf immer ehrgeizigere Ziele. Viele Kommunen sind mehrfach im Verfahren aktiv, um verbliebene weiße Flecken bei der Breitbandversorgung abzudecken. Darüber hinaus werden zunehmend Anschlüsse mit mindestens 100 Mbit/s auf Glasfaserbasis verlegt. Bis Ende August kamen durch das Förderprogramm bereits mehr als 23.400 Kilometer Glasfaserkabel in den Boden. Für die nächsten 18 Monate ist durch das bayerische Förderprogramm von einer deutlichen Verbesserung der Breitbandversorgung in weiteren 536 Kommunen Bayerns auszugehen. Bis Mitte 2018 wird sich die Anzahl der bayerischen Kommunen mit einer schlechten Breitbandversorgung in etwa halbiert haben.

Bundesförderprogramm: Bayerns Kommunen aktiv dabei

Die bayerischen Kommunen sind im Breitbandförderprogramm des Bundes sehr aktiv. Obwohl große Gebiete Bayerns schon durch das Förderprogramm des Freistaates entwickelt und deshalb nicht erneut förderfähig sind, konnten die Kommunen und Kreise in Bayern zum Zeitpunkt der Finalisierung dieser Studie beim Bund 170,6 Millionen Euro zusätzliche Fördergelder für den weiteren Breitbandausbau akquirieren. Hinzu kommen 44,8 Millionen Euro für Beratungsleistungen. 908 Gebietskörperschaften in Bayern wurde diese Förderleistung bisher verbeschieden; sie planen demnach, durch das Bundesförderprogramm ihre Breitbandversorgung weiter zu verbessern.

Mobilfunkversorgung

LTE in Haushalten fast flächendeckend verfügbar

Mobile Sprachkommunikation und Datenübertragung sind in Bayern am Wohnort fast flächendeckend verfügbar. Nach Angaben des TÜV Rheinland waren Ende 2016 95,4 Prozent der bayerischen Haushalte mit LTE versorgt.

Verbindungen an Verkehrsstrecken zu oft unterbrochen

Reale Messergebnisse zur Empfangsqualität im Mobilfunk entlang häufig genutzter Verkehrswege und an zentralen Orten zeigen jedoch noch erhebliche Lücken beim Empfang für Telefonie und mobile Daten. 7,8 Prozent der Standorte, für die die Studie Daten auswertet, weisen eine schlechte Empfangsqualität für Telefonie auf. Mobile Datennutzung war an 23,5 Prozent der erfassten kleinteiligen Standorte in Bayern nicht oder nur ungenügend möglich. Diese Ergebnisse sind über die einzelnen Punkte hinaus kritisch, da jede einzelne Schwachstelle entlang eines Verkehrsweges zu einem Verbindungsabbruch führen kann. Schon überschaubar viele verbindungsschwache Punkte entlang einer Strecke erschweren mobiles Telefonieren oder Arbeiten auf der Strecke insgesamt erheblich.


Drucken
Ansprechpartner
Ansprechpartner

Dr. Benedikt Rüchardt

Steuern, Finanzen, Landesentwicklung, Wirtschaft und Kommunen

+49 (0)89-551 78-249
Benedikt Rüchardt
Content Sharing
Bitte loggen Sie sich ein, um den Einbettungs-Code für diese Seite zu erhalten.
nach oben