Letzte Aktualisierung: 29. Mai 2017

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Elektromobilität: Diese Infrastruktur braucht Bayern

Elektromobilität ist ein zukunftsweisender Baustein eines ressourcenschonenden Mobilitätssystems. Im internationalen Vergleich der Leitmärkte für elektrisch angetriebene Fahrzeuge liegt Deutschland derzeit noch im Mittelfeld. Während Länder wie Norwegen oder die Niederlande gezielte Kaufanreize durch Steuervergünstigungen setzen, liegt der Marktanteil an Neuzulassungen hierzulande unter einem Prozent – im Vergleich zu gut sechs Prozent in den Niederlanden.

Ladeinfrastruktur muss einfach, verfügbar und verlässlich sein

Eine zentrale Voraussetzung für Elektromobilität ist die Ladeinfrastruktur. Ladepunkte müssen einfach zu finden, verlässlich, jederzeit verfügbar und komfortabel zu bedienen sein. Dazu gehört auch bequemes Bezahlen, zum Beispiel per Smartphone oder EC-Karte.

Unterschiedliche Ladebedarfe berücksichtigen

Zu beachten sind folgende Ladebedarfe:

  • Regelmäßige Ladung/Nachtladung (privates und öffentlich zugängliches Laden) Leistungsschwache Steckdosen und sog. Typ2-Ladepunkte für zu Hause und an Straßenleuchten.
  • „Zwischendurch-Ladung“ (öffentlich zugängliches Laden) Typ2-Ladepunkte für AC Laden (Wechselstrom), elf bis 22 KW an Handelsmärkten, Restaurants, am Arbeitsplatz, in Parkhäusern.
  • Schnellladung (öffentlich zugängliches Laden) DC-Laden (Gleichstrom), 50 – 150 KW an Tankstellen und Autobahnen, wobei an Autobahnen größer als 150 KW vorteilhaft ist. Abhängig von der Verfügbarkeit der Fahrzeuge mit entsprechenden Batterietechnologien müssen einzelne Ladepunkte an Hauptverkehrsachsen mit perspektivisch bis zu 350 kW Ladeleistung ausgestattet werden – mit entsprechender Ertüchtigung des Netzanschlusses/ Netzausbau.

Entsprechende Ladestationen müssen gegebenenfalls in der Lage sein, den Strom pro Ladevorgang zu messen und in einer auch für steuerliche Zwecke geeigneten Form zu verrechnen.

Impulse setzen zum Ausbau der Ladeinfrastruktur

Am 15. Februar 2017 hat das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur das Bundesprogramm Ladeinfrastruktur veröffentlicht, nachdem die EU-Kommission die Regelungen genehmigt hat. Das Bundesprogramm umfasst 300 Millionen Euro bis zum Jahr 2020 für insgesamt 15.000 öffentlich zugängliche Ladesäulen. 200 Millionen Euro sollen für den Aufbau von etwa 5.000 Schnellladestationen zur Verfügung stehen. 100 Millionen Euro sind für etwa 10.000 Normalladestationen vorgesehen. Der für den Ladevorgang erforderliche Strom muss aus erneuerbaren Energien oder aus regenerativ erzeugtem Strom direkt vor Ort stammen. Das Bundesprogramm geht auf einen Beschluss der Bundesregierung von Mai 2016 zur weiteren Förderung von Elektromobilität zurück.

Der Freistaat Bayern geht davon aus, dass in Bayern bis 2020 ein Bedarf von bis zu 7.000 öffentlichen Ladesäulen besteht und setzt sich mit dem Ausbau einer Schnellladeinfrastruktur an Autobahnen, der Öffnung behördlicher Stationen für Bedienstete und Besucher und Erleichterungen für den Bau von Ladestationen in privaten Gemeinschaftsanlagen auseinander. Diese Initiativen sind zielführend und müssen konsequent umgesetzt sowie durch weitere Maßnahmen ergänzt werden:

  • Sonder-AfA für gewerbliche Nutzer von Elektromobilität einführen,
  • Angebot an Lademöglichkeiten deutlich verbessern,
  • Voraussetzungen für einfache Abrechnung des Ladestroms für Dienstfahrzeuge mit dem Arbeitgeber schaffen,
  • Forschung und Entwicklung entlang der Wertschöpfungskette kontinuierlich weiter fördern – vor allem in den Bereichen Fahrzeugtechnologie, Batterie sowie IKT und Infrastruktur,
  • Möglichkeiten einer teilweisen Verlagerung von Nutzverkehren wie Warenanlieferung oder Wert- und Reststoffentsorgung in verkehrsarme Tagesrandzeiten und die Nacht nutzen,
  • Voraussetzungen für weitere Einsatzmöglichkeiten entwickeln wie
    • autonome E-Zugmaschinen in Lkw-Umladestationen und Rangierbahnhöfen,
    • teilautonome Anwendungen, etwa Containerbewegungen in Häfen,
    • Transporte in Werkshallen,
    • Bodenverkehre an Flughäfen.

In Bayern sollen alle Tank- und Rastanlagen an den Bundesautobahnen durch die Autobahn Tank & Rast GmbH (mit einer Kostenbeteiligung des Bundes) bis 2017 mit Schnellladesäulen ausgestattet werden. Die erste Ausbaustufe ist bereits erfolgreich abgeschlossen. Die übrigen Rastanlagen sollen weitgehend bis Ende 2017 nachgerüstet werden. Bislang hat Tank und Rast bundesweit über 120 Rastanlagen mit Schnellladestationen für Elektroautos ausgerüstet, über 30 davon in Bayern insbesondere entlang der Hauptachsen A3, A7, A8 und A9. Bundesweit sollen rund 400 Standorten auf deutschen Autobahnen mit Schnellladestationen bis Ende 2017 ausgerüstet werden.


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Dr. Peter Pfleger

Umwelt, Verkehr, Verbaucherschutz, Rohstoffe

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