Letzte Aktualisierung: 12. Dezember 2018

Vorsprung Bayern

Bayerische Automobilindustrie im Wandel

Die bayerischen Arbeitgeberverbände vbw bayme vbm haben zwei Studien beauftragt, die aus verschiedenen Perspektiven Auswirkungen des Wandels in der Automobilindustrie für die Unternehmen im Freistaat analysieren. Beide wurden am 25. September vorgestellt und diskutiert.

Alfred Gaffal: Technologieoffenheit und Innovationsfreundlichkeit

Einleitend hob Präsident Alfred Gaffal hervor, dass auf die Automobilindustrie verschiedene große Veränderungsprozesse gleichzeitig einwirken: die Entwicklung emissionsärmerer Antriebssysteme, zunehmende Automatisierung und Vernetzung der Fahrzeuge sowie neue Nutzungskonzepte wie das Car Sharing. Jede dieser Herausforderungen für sich könne den heutigen Markt umkrempeln. Für den Standort Bayern sei es besonders entscheidend, dass unsere Unternehmen diesen Wandel erfolgreich bestehen, weil die Automobilhersteller und die vielen Zulieferbetriebe einen ganz wesentlichen Teil zur heutigen wirtschaftlichen Stärke beitragen. Der Staat müsse mit Technologieoffenheit und Innovationsfreundlichkeit den richtigen Rahmen für diese Entwicklung schaffen. Den Diesel zu verteufeln sei ebenso verfehlt wie Fahrverbote oder Quoten für einzelne Antriebstechnologien.

Professor Ferdinand Dudenhöffer: Chancen, Risiken und Handlungsoptionen

Zunächst präsentierte Professor Ferdinand Dudenhöffer die Studie Zukünftige Herausforderungen für die bayerische Automobilindustrie . Basierend auf einer Befragung von Zulieferern wird darin untersucht, wie sich Umsätze und Beschäftigung bei einem durch Regulierung beschleunigten bzw. einem moderaten Hochlauf der Elektromobilität bis zum Jahr 2040 entwickeln, und ob davon eine Gefährdung für die Unternehmen ausgeht. Professor Ferdinand Dudenhöffer erläuterte, dass bis 2030 ein Wachstum mit dem Markt möglich sei, dann aber eine Trendwende einsetze, die erhebliche Einbußen bei Umsätzen und Beschäftigung bis 2040 verursachen könne, wenn nicht gegengesteuert werde. Eine der möglichen Handlungsoptionen sei beispielsweise ein Fokus auf Geschäftsfelder wie das Thermomanagement oder die Zusammenarbeit mit asiatischen Herstellern bei der Batterieherstellung.

IW Consult und Fraunhofer: Strukturvorteil für Bayern

Im Anschluss stellten Dr. Karl Lichtblau und Dr. Florian Herrmann die Ergebnisse der Studie Veränderungen der bayerischen Automobilindustrie durch automobile Megatrends dar. Sie analysieren Struktur und wirtschaftliche Bedeutung des „Auto-Clusters Bayern“ und stellen das Portfolio der bayerischen Unternehmen der Marktentwicklung bei den wichtigsten trendabhängigen Systemen gegenüber, also denjenigen Bauteilen, die besonders von Elektrifizierung, Automatisierung und Vernetzung betroffen sind. Dabei gelangen sie zu dem Ergebnis, dass die bayerische Automobilindustrie im Vergleich zum globalen Markt einen Strukturvorteil hat, weil die Unternehmen überdurchschnittlich stark auf die dynamisch wachsenden Segmente fokussiert sind.

Diskussion

In der Diskussion, die von Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt moderiert wurde, kamen zunächst die Ausgangspositionen wichtiger Wettbewerber und die Rolle weiterer Antriebstechnologien zur Sprache. Die Gutachter waren sich darin einig, dass der chinesische Markt eine entscheidende Rolle spielt und alleine deshalb die Elektromobilität in den nächsten Jahren stark an Bedeutung gewinnen werde, so dass der aktuelle Fokus darauf richtig gewählt sei. In der Perspektive nach 2030 bzw. für andere Transportmittel seien aber durchaus Alternativen wie eine Brennstoffzelle oder E-Fuels vorstellbar. Ein weiteres wichtiges Thema in der Diskussion stellte der Zusammenhang mit der Energiewende dar, deren Umsetzung insgesamt als eher hemmender Faktor u. a. für den Hochlauf der Elektromobilität am Standort empfunden wurde. Auch das autonome Fahren sowie damit verknüpfte Mobilitätskonzepte wie fahrerlose „Taxis“ und die Effekte auf den Fahrzeugbestand in Ballungsräumen wurden angesprochen. Angeregt diskutiert wurde schließlich auch die Frage, welche Rolle einer eigenen Batteriezellfertigung am Standort zukommt.

Zusammenfassend betonte Bertram Brossardt, dass die Ergebnisse zeigten, dass wir uns zwar nicht auf dem Erreichten ausruhen dürfen, aber mit Zuversicht in die Zukunft blicken können, wenn wir jetzt die Weichen richtigstellen.

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Christine Völzow

Leiterin Abteilung Wirtschaftspolitik
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