Letzte Aktualisierung: 16. Oktober 2020

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Rückblick – Sichere und bezahlbare Stromversorgung

Die vbw hat am 14. Oktober 2020 mit Vertretern aus Wirtschaft und Politik über das Thema: „Sichere und bezahlbare Stromversorgung“ diskutiert.

Energiewende europäisch denken

In seinem Begrüßungsstatement machte vbw Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt deutlich, dass Dezentralität und großräumiger Stromaustausch sich nicht ausschließen, sondern wechselseitig bedingen. Der Stromaustausch im europäischen Kontext erhöhe die Effizienz des Energiesystems und die Versorgungssicherheit. Daher müsse neben einem ambitionierten Ausbau der erneuerbaren Energien auch der Netzausbau schnell vorangebracht werden. Für einen internationalen wettbewerbsfähigen Strompreis forderte Brossardt die Absenkung der Stromsteuer und der Netzentgelte. Darüber hinaus müsse die EEG-Umlage unter die Fünf-Cent-Marke gedrückt werden.

Neue EU-Klimaziele mit dramatischen Auswirkungen

Thomas Bareiß, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, hob hervor, dass verschärfte Klimaziele auf EU-Ebene mit dramatischen Folgen auch auf die deutsche Energie- und Klimapolitik durchschlagen würden. Deutliche Verschärfungen seien ebenfalls hierzulande zu erwarten. Davon unabhängig erläuterte Bareiß die bundespolitischen Vorhaben beim Ausbau der erneuerbaren Energien, beim Leitungsausbau und bei der Wasserstoffwirtschaft. Die im Corona-Konjunkturpakt beschlossene Deckelung der EEG-Umlage sei zudem ein wichtiger Beitrag zur Senkung der Strompreise. Die Energiewende könne insgesamt jedoch nur gelingen, wenn die Akzeptanz bei der Bevölkerung vorhanden sei.

10-H-Regelung verhindert Windenergie-Ausbau in Bayern

Dr. Matthias Grote, Landesvorsitzender Bayern des Bundesverbands WindEnergie, zeigte auf, dass das bisherige 65-Prozent-Ziel der Bundesregierung für den Ausbau der erneuerbaren Energien nicht berücksichtigt, dass der Strombedarf in Zukunft eher steigen wird (E-Mobilität, Wärmewende, Dekarbonisierung der Industrie). Er verwies darüber hinaus auf den Grundsatz, dass der Ausbau der Windenergie volkswirtschaftlich sinnvoll ausgestaltet werden solle und daher im Norden mehr Wind-, im Süden mehr Solarenergie installiert werden müsse. Dennoch brauche man auch im Süden mehr Windenergieanlagen, da sich beide Energietechnologien sehr gut ergänzten. Die 10-H-Regelung stelle jedoch ein großes Hindernis beim Bau von Windenergieanlagen in Bayern dar.

Zahlreiche Innovationen beim Netzausbau

In seinem Vortrag erläutere Jens Görke, Stellvertretender Direktor Netzführung bei der Tennet TSO GmbH, die Bedeutung des Übertragungsnetzes für die Versorgungssicherheit. Besonders die heterogene Einspeisung von regenerativem Strom sei eine große Herausforderung, für die ein leistungsfähiges Übertragungsnetz erforderlich sei. Dabei setzt Tennet auf einen bunten Strauß an Innovationen zur Minimierung des zusätzlich erforderlichen Netzausbaubedarfs. In Zukunft werden hierbei besonders in intelligenter Betriebsführung, Netzboostern und Power-to-X große Potenziale gesehen.

Podiumsdiskussion

In der Podiumsdiskussion nahm neben den Rednern auch Dr. Christian Heinrich Sandler teil, Vorstandsvorsitzender der Sandler AG. Er wies darauf hin, dass die hohen Energiekosten, verstärkt noch durch das nationale Brennstoffemissionshandelssystem ab 2021, ein großer Standortnachteil für die deutschen und bayerischen Unternehmen seien. In der Diskussion wurden außerdem die große Bedeutung des Klimaschutzes sowie regulatorische Hindernisse wie die „Fallbeilregelung“ bei der Besonderen Ausgleichregelung angesprochen. Auch das Akzeptanzproblem beim Bau von Energieinfrastruktur wurde als ein großes Hindernis angesehen. Insgesamt waren sich alle einig, dass die Energiewende nach wie vor eine große Herausforderung sei, bei der alle relevanten Akteure weiterhin intensiv zusammenarbeiten müssen.

Rückblick

Rückblick – Sichere und bezahlbare Stromversorgung
am 14.10.2020 in Online

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Dr. Manuel Schölles

Energie, Klima

+49 (0)89-551 78 91-246
Manuel Schölles

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