Letzte Aktualisierung: 04. Dezember 2018

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Netzausbau – Ausbaustand und Handlungsbedarf

Unsere Wirtschaft mit ihrem hohen Industrieanteil muss sich jederzeit auf eine sichere und zuverlässige Stromversorgung verlassen können. Gemessen am internationalen Index für die durchschnittliche Ausfalldauer (System Average Interruption Duration Index, SAIDI), ist die deutsche Stromversorgung eine der zuverlässigsten der Welt. Damit dies so bleibt, muss unsere Energieinfrastruktur zügig erweitert, abgesichert und gestärkt werden. Denn spätestens ab 2023 wird sie auf einen kritischen Prüfstand gestellt: 2022 wird das letzte Kernkraftwerk abgeschaltet, eine Kommission berät derzeit über das Ende der Kohlestroms. Im selben Zeitraum werden die erneuerbaren Energien massiv ausgebaut, bis 2030 soll sich ihr Anteil von derzeit 37 auf 65 Prozent verdoppeln. Um sie sicher und zuverlässig vom Erzeugungsschwerpunkt im Norden in den Verbrauchsschwerpunkt im Süden zu transportieren, muss die Energieinfrastruktur zügig ausgebaut werden. Besonders wichtig sind dabei die Nord-Süd HGÜ-Leitungen (Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung) SuedLink und SuedOstLink, die bei einer optimistischen Prognose erst ab 2025 zu Verfügung stehen.

Netzausbau und Netzverstärkung

Die zentralen neuen Stromtrassen SuedLink und SuedOstLink sind lediglich zwei von vielen neuen Leitungsvorhaben. Dabei muss unterschieden werden in Leitungsvorhaben nach dem Bundesbedarfsplangesetz (BBPlG) und denen, die im Energieleitungsausbaugesetz (EnLAG) erfasst sind. Ein tieferer Blick in die Monitoringberichte der Bundesnetzagentur zu beiden Vorhabengruppen zeigt: es gibt nicht nur eine Vielzahl weiterer Netzausbauprojekte, sondern auch eine große Anzahl von reinen Netzverstärkungsvorhaben, d.h. Projekte, in denen an bereits bestehenden Netzen gearbeitet wird.

Von den 43 Leitungsvorhaben nach dem Bundesbedarfsplangesetz (BBPlG) sind 12 Netzausbauprojekte, vier eine Mischung aus Netzverstärkung und -ausbau und die große Mehrheit – 27 Vorhaben – Netzverstärkungsvorhaben. Erst unter Beachtung dieser Unterscheidung verdeutlicht sich die eigentliche Dimension des Rückstands.

Auch bei den 22 Vorhaben nach dem EnLAG dienen lediglich vier dem Netzausbau und die große Mehrheit der Netzverstärkung (zehn) oder es handelt sich um Mischformen (acht). Obwohl die Datenverfügbarkeit für die EnLAG-Vorhaben gering ist, zeigt eine Schätzung erhebliche Rückstände.

Handlungsbedarf

Damit unsere Stromversorgung auch in Zukunft sicher ist, müssen die bestehenden Leitungsvorhaben fristgerecht fertiggestellt werden. Daran führt kein Weg vorbei. Dafür müssen Genehmigungsverfahren beschleunigt werden und die Dringlichkeit der Vorhaben effektiv gegenüber allen beteiligten Akteuren kommuniziert werden.

Der Netzausbau allein genügt jedoch nicht. Dagegen sprechen anspruchsvolle Zeit- und Akzeptanzhorizonte für zusätzliche Leitungsvorhaben sowie das politische Ziel, bis 2050 80 Prozent unseres Stroms regenerativ zu erzeugen. Deshalb muss jetzt mit allem Einsatz daran gearbeitet werden, dass das Bestandsnetz mit Hilfe digitaler Technologien besser ausgelastet wird, um Kapazitätsreserven zu erschließen und die Kosten für das Engpassmanagement deutlich zu senken. Um sicherzustellen, dass der weitere Ausbau erneuerbarer Energien netzsynchron stattfindet, muss zunächst eine fachlich fundierte Ermittlung der Auswirkungen eines stärkeren und schnelleren Ausbaus bzw. der daraus resultierenden Anforderungen, insbesondere für die Netzstabilität, erfolgen. Nur so kann die Bundesregierung ihr Versprechen eines zukünftig „netzsynchronen“ Ausbaus Erneuerbarer Energien auch einlösen.


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Ansprechpartner
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Dr. Manuel Schölles

Energie, Klima

+49 (0)89-55178 91-246
Manuel Schölles
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