Letzte Aktualisierung: 04. Oktober 2019

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Abschlussveranstaltung des Energiegipfels Bayern

Am 30. September 2019 fand die Abschlussveranstaltung des Energiegipfels Bayern statt. Diesen hatte Staatsminister Hubert Aiwanger im Dezember vergangenen Jahres ins Leben gerufen, um die Energiewende in Bayern zum Erfolg zu führen. Die Ergebnisse des Energiegipfels sollen in ein überarbeitetes Energieprogramm für Bayern fließen.

Stromlücke in Bayern ab 2023 schließen

Bei isolierter Betrachtung der bayerischen Leistungsbilanz nach dem Abschalten des letzten Kernkraftwerks entsteht Ende 2022 eine Lücke von rund fünf Gigawatt an gesicherter Leistung. Um diese Lücke zu schließen, sind insbesondere die zwei Übertragungsnetz-Leitungen (HGÜ) SuedLink und SuedOstLink geplant, die jedoch frühestens ab 2025 zur Verfügung stehen. Verschärft wird die Situation noch durch den absehbaren Kohleausstieg. Gleichzeitig werden sowohl die Notwendigkeit dieses Netzausbaus als auch Ausbauvorhaben im Bereich der Erneuerbaren Energien immer wieder in Frage gestellt.

Für die vbw ist entscheidend, dass sich die bayerische Wirtschaft jederzeit auf eine sichere und zuverlässige Stromversorgung im industriellen Maßstab und zu international wettbewerbsfähigen Strompreisen verlassen können muss. Um dies sicherzustellen, sind die geplanten HGÜ-Leitungen unerlässlich. Diese wirken durch großräumigen Stromaustausch wie ein großer Speicher für Erneuerbare-Energien-Strom. Sie steigern die Flexibilitätsmöglichkeiten des Energiesystems erheblich. Je mehr der europäische Strombinnenmarkt zusammenwächst, desto besser kann das Übertragungsnetz diese Funktion übernehmen.

Arbeitsgruppen des Energiegipfels

Die vbw hat in allen vier Arbeitsgruppen aktiv mitgearbeitet:

  • AG 1: Erneuerbare Energien-Ausbau in Bayern
  • AG 2: Energieeffizienz und Energieeinsparung
  • AG 3: Nachfrage- und Angebotsflexibilitäten – insbesondere Speicher
  • AG 4: Stromnetzarchitektur, Versorgungssicherheit, Digitalisierung

Die Ergebnisse der einzelnen Arbeitsgruppen können hier abgerufen werden.

Erfreulich ist, dass die Teilnehmer der Arbeitsgruppen mit großer Mehrheit die Umsetzung des geplanten Übertragungsnetzausbaus für notwendig erachtet haben. Die vbw geht davon, dass dieses klare Votum bei der Konzeption des überarbeiteten bayerischen Energieprogramms entsprechend berücksichtigt wird.

Hohe Kosten durch unterlassenen Netzausbau

Weil leistungsfähige Übertragungsnetze fehlen, betrugen 2018 die Gesamtkosten für Netz- und Systemsicherheitsmaßnahmen nach vorläufigen Schätzungen der Bundesnetzagentur rund 1,4 Milliarden Euro. Ab 2023 werden die Redispatch-Kosten noch um ein Vielfaches ansteigen. Diese Kosten treffen den Verbraucher über seine Stromrechnung deutlich stärker als nachhaltige Investitionen in die Netzinfrastruktur, die über viele Jahrzehnte abgeschrieben werden.

Bayern ist zudem besonders betroffen, wenn die Europäische Kommission die einheitliche deutsche Strompreiszone aufteilen sollte. Dieser Fall tritt ein, wenn Deutschland den vorgegebenen jährlichen Anstieg bei der Öffnung der grenzüberschreitenden Stromleitungen (Interkonnektoren) nicht einhalten kann. Dafür muss jedoch das nationale Übertragungsnetz entsprechend ausgebaut werden. Die Folge eines Strompreiszonensplits wären höhere Strompreise in Süddeutschland.

Erneuerbarer-Energien-Ausbau muss effizient sein

Der weitere Ausbau der erneuerbaren Energien muss netzsynchron ausgestaltet werden. Die Ineffizienzen und Fehlanreize im EEG-System müssen beseitigt und die erneuerbaren Energien in den Markt integriert werden. Die Schaffung von Flexibilität ist dabei ein wichtiger Faktor für die Erreichung der energiepolitischen Ziele. Erzeugung und Verbrauch erneuerbarer Energien müssen in Zukunft besser synchronisiert werden.

Kritisch ist die Festlegung auf energieträgerspezifische Ausbauziele für erneuerbare Energien zu bewerten. Die vbw hat diese beim Energiegipfel ausdrücklich nicht mitgetragen. Hier ist darauf zu achten, dass am Ende immer der Primat volkswirtschaftlicher Effizienz gilt und die Erreichung von Ausbauzielen zu keinem Selbstzweck wird.

Wettbewerbsfähige Stromkosten gewährleisten

Die Stromkosten sind in Deutschland im internationalen Vergleich zu hoch und müssen dringend gesenkt werden (vgl. auch Strompreisanalyse des BDEW ). Bei der im Klimaschutzpaket geplanten leichten Absenkung der EEG-Umlage dürfen wir nicht stehenbleiben, zumal bezahlbare Stromkosten auch ein entscheidender Faktor für die Sektorkopplung und damit für die Erreichung der Klimaziele sind.

In der Abschlussveranstaltung betonte StM Aiwanger, dass die Ergebnisse der Arbeitsgruppen aus seiner Sicht als eine Art Minimalkonsens verstanden und umgesetzt werden sollten. Das schließt aus unserer Sicht auch den Netzausbau ein. Die Zielerreichung werden wir in unserem regelmäßigen Monitoring der Energiewende messen - das nächste veröffentlichen wir im Januar 2020.


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Ansprechpartner
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Dr. Manuel Schölles

Energie, Klima

+49 (0)89-551 78 91-246
Manuel Schölles
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