Letzte Aktualisierung: 02. Oktober 2019

Vorsprung Bayern

Rückblick – vbw-Kongress: Perspektiven des bayerischen Arbeitsmarkts

„Im Herbst 2019 ist der bayerische Arbeitsmarkt stark und stabil. Der Blick in die Zukunft hingegen fällt wenig optimistisch aus“, konstatierte Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V., zur Einführung in den vbw Kongress „Perspektiven des bayerischen Arbeitsmarkts“ am 02. Oktober 2019 in München. Brossardt erläuterte, warum die Situation sich durchaus ambivalent darstellt: „Mit einer Arbeitslosenquote von 2,8 Prozent im September ist der Freistaat zwar nach wie vor unangefochtener Arbeitsmarkt-Spitzenreiter. Auch sind noch nie zuvor so viele Menschen wie heute einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgegangen. Wir alle müssen uns jedoch daran gewöhnen, dass wir uns am Ende eines goldenen Konjunktur-Jahrzehnts befinden.“

Zentrale Herausforderungen anpacken

Um die gute Situation zu erhalten, brauchen die Unternehmen nach Ansicht der vbw Handlungsspielräume und Unterstützung, um sich auf die Herausforderungen durch die Digitalisierung einzustellen. „Wir dürfen keine Angst vor der Digitalisierung haben. Wir müssen sie vielmehr als Chance begreifen!“, so der vbw Hauptgeschäftsführer. Um den Arbeitsmarkt fit für künftige Herausforderungen zu machen, sieht die vbw vier zentrale Herausforderungen: die Sicherung des Fachkräftebedarfs, die Flexibilisierung des Arbeitszeitrechts, die konsequente Integration von Geflüchteten und die passgenaue Qualifizierung Beschäftigter. Zu letzterem Punkt stellte Brossardt klar: „Das Qualifizierungschancengesetz ist ein richtiger Schritt, dessen Umsetzung allerdings erleichtert werden muss. Zudem müssen wir die Anspruchsdauer für das Kurzarbeitergeld auf 24 Monate verlängern. Damit sind wir gut gerüstet. Der Konjunktureinbruch darf nicht als selbsterfüllende Prophezeiung auf den Arbeitsmarkt ausstrahlen!“

Schwerpunkte der bayerischen Arbeitsmarktpolitik

Carolina Trautner, MdL, Staatssekretärin im Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales, bestätigte diese Ansatzpunkte. Aufgabe der bayerischen Arbeitsmarktpolitik sei es, Ängste und Verunsicherungen abzubauen, indem allen Menschen im Freistaat eine berufliche Perspektive erhalten. In diesem Zusammenhang lobte sie ausdrücklich die gute Zusammenarbeit der Partner am Arbeitsmarkt mit dem gemeinsamen Leitbild: „Kein Talent darf verloren gehen!“ Im Speziellen nannte sie die Initiative Fachkräftesicherung+ zwischen Bayerischer Staatsregierung und vbw mit dem Ziel, alle Beschäftigungspotenziale in Bayern auszuschöpfen.

Aufgaben der Arbeitsverwaltung

Klaus Beier, Geschäftsführer Operativ der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit, bekräftigte den Status quo eines „gespaltenen Arbeitsmarkts“: Während manche Branchen nach wie vor Wachstum verzeichnen, spüren insbesondere die exportorientieren Branchen die Auswirkungen der internationalen Krisen. Beiers betonte die Aufgabe der Arbeitsverwaltung, die Qualifizierung Beschäftigter weiter zu steigern. Der strukturelle Wandel dürfe „nicht einfach erlitten“, sondern müsse aktiv gestaltet werden. Dazu gehöre, das „Kind nicht in den Brunnen fallen zu lassen“, sondern Arbeitnehmer*innen bedarfsgerecht innerbetrieblich weiterzubilden, insbesondere auch Geringqualifizierte.

Engagierte Debatte über die Flexibilisierung der Arbeitszeitrichtlinie

In der abschließenden Podiumsdiskussion wurde die jüngste Initiative der Bayerischen Staatsregierung im Bundesrat zur Flexibilisierung der Arbeitszeitrichtlinie behandelt. Staatssekretärin Trautner erläuterte dazu, dass das Arbeitsrecht an die Interessen von Wirtschaft und Beschäftigten in einer sich ändernden Arbeitswelt anzupassen ist. Natascha Kohnen, die Vorsitzende der BayernSPD, wies auf die Vielgestaltigkeit von Arbeitsbedingungen hin und warb für die Idee von „Experimentierräumen“, die zeigen sollten, wie eine Flexibilisierung in der Praxis überhaupt gelingen könne. Die Bedarfe von Arbeitgebern und Arbeitnehmer*innen seien sehr heterogen. Auch müssten die äußeren Umstände bedacht werden; konkret warf sie die Frage auf, ob Kitas im Schichtbetrieb einzuführen wären. vbw Hauptgeschäftsführer Brossardt appellierte an die Politik, sich dieses Themas pragmatisch anzunehmen: Die heutige Gesetzeslage gehe schlicht an der betrieblichen Praxis vorbei. Insofern begrüßte er die bayerische Initiative im Bundesrat.

Einigkeit bei Notwendigkeit digitaler Bildung

Konsens herrschte über ein weiteres von Natascha Kohnen vorgebrachtes Thema: Digitalisierung in den Schulen zu verankern. Nur so könnten digitale Kompetenzen aufgebaut werden, die der kommenden Generation ermöglichten, die Geschäftsmodelle der Zukunft zu entwickeln, führte die bayerische SPD-Chefin aus. Brossardt unterstrich den Wunsch der bayerischen Wirtschaft, die Digitalisierung des Schulwesens ganzheitlich in die Fläche zu tragen – mit schnellem Internet, aktueller Hardware und Software, passenden Lehrplänen und befähigtem Lehrpersonal sowie fachlich versierten Systembetreuern. Das Podium war sich einig darin, dass Investitionen in diesem Bereich ebenso sinnvoll wie nötig sind.

Rückblick

Rückblick – vbw-Kongress: Perspektiven des bayerischen Arbeitsmarkts
am 02.10.2019 in München

Bilder (7 Bilder)


Drucken
Ansprechpartner
Ansprechpartner

Dr. Markus Meyer

Arbeitsmarktpolitik, Arbeitslosenversicherung, Grundsicherung, Fachkräftesicherung

+49 (0)89-551 78-214
Markus Meyer

  Zur Veranstaltungsübersicht

Content Sharing
Bitte loggen Sie sich ein, um den Einbettungs-Code für diese Seite zu erhalten.
nach oben