Letzte Aktualisierung: 11. Mai 2017

Kurzbewertung

Minijobs: Falschdarstellungen und tatsächliche Fakten


Immer wieder werden Minijobs durch verzerrte oder gar falsche Darstellungen in der öffentlichen Berichterstattung diskreditiert. Ein Beispiel ist der jüngst veröffentlichte Bericht des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. Darin wurde behauptet, dass rund die Hälfte (50,4 Prozent) der ausschließlich geringfügig Beschäftigten unterhalb des gesetzlichen Mindestlohns bezahlt wird. Diese Darstellung ist schlichtweg falsch. Tatsächlich sind es gemäß dem ersten Bericht zu den Auswirkungen des gesetzlichen Mindestlohns der Mindestlohnkommission nur 13 Prozent – und damit über 37 Prozent weniger als von der Hans-Böckler-Stiftung propagiert.



Seit der Einführung des allgemeinen gesetzlichen Mindestlohns zum 01. Januar 2015 sind viele Minijobs ersatzlos weggefallen. Die Zahl der geringfügig Beschäftigten ist innerhalb von drei Monaten von November 2014 bis Februar 2015 bundesweit um 200.000 (vier Prozent) zurückgegangen. Die Darstellung, dass die weggefallenen Minijobs überwiegend in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse umgewandelt wurden, ist jedoch unzutreffend. Eine solche Umwandlung kann statistisch nicht nachgewiesen werden. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten steigt seit 2010 mit weitgehend gleichbleibender Dynamik. Eine Beschleunigung nach Einführung des Mindestlohns ist nicht erkennbar.

Auch von massenhaften Verstößen gegen die gesetzlichen Vorgaben zum Mindestlohn, wie das WSI suggeriert, kann keine Rede sein. Die Arbeitgeber treten entschlossen dafür ein, dass die bestehenden Regelungen eingehalten werden. Das bestätigen auch die systematischen Betriebskontrollen der Rentenversicherung, denen ausnahmslos alle Arbeitgeber regelmäßig unterliegen. Bei über 80.000 Überprüfungen ergaben sich lediglich 139 Beanstandungen wegen Verstößen gegen das Mindestlohngesetz – und bei diesen ging es auch nicht ausschließlich um zu wenig gezahlte Entgelte.

Falsch sind schließlich auch die Behauptungen, dass Minijobs immer weiter zunehmen, davon nur die Arbeitgeber profitieren und dass diese keine Brücke in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung darstellen. Die Zahl der ausschließlich geringfügigen Beschäftigten lag zwischen 2006 und 2014 konstant bei knapp 5,1 Millionen und ist zuletzt auf 4,9 gesunken – obwohl im gleichen Zeitraum die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung um fünf Millionen gestiegen ist. Dies beweist auch: Eine Verdrängung sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung fand durch Minijobs nicht statt. Wie Studienergebnisse des IAB zeigen, erhöht ein Minijob vielmehr – besonders bei Menschen, die zuvor lange Zeit ohne Beschäftigung waren – die langfristigen Chancen auf eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung (IAB, 2016).

Minijobs entsprechen zudem in den meisten Fällen den persönlichen Wünschen der Betroffenen. Häufig handelt es sich um Menschen, die keine umfangreiche Erwerbstätigkeit anstreben, sich aber dennoch etwas hinzuverdienen möchten. Dies gilt gerade für Schüler, Studierende, Rentner und (Ehe-)Partner. Über 80 Prozent der Minijobber sind mit ihrer Arbeitszeit zufrieden und wünschen sich keinen größeren Stundenumfang.


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Friedrich Stanner

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