Letzte Aktualisierung: 03. November 2017

Position

Neue Herausforderungen erfordern flexibleren Umgang mit Arbeitszeit

Die Arbeitszeit ist ein entscheidender Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen in der bayerischen M+E Industrie. Die Arbeitskosten am Standort Deutschland sind hoch und die tariflichen Arbeitszeiten mit 35 Wochenstunden die kürzesten weltweit.

Digitalisierung revolutioniert Arbeit und Beschäftigung

Regulierungen zur Arbeitszeit gibt es auf der betrieblichen, der gesetzlichen und der tariflichen Ebene. Alle drei Ebenen müssen sich neuen Herausforderungen stellen. Digitalisierung, Globalisierung und Individualisierung bestimmen zunehmend die Arbeitswelt. Dazu brauchen die Unternehmen einen flexibleren Umgang mit dem Thema Arbeitszeit. Eine neue Balance zwischen dem betrieblichen Flexibilisierungsbedarf und dem Wunsch der Arbeitnehmer nach mehr Zeitsouveranität ist dringend geboten.

Forderungen der IG Metall: Anspruch auf Arbeitszeitverkürzung für alle, teilweise mit Entgeltzuschuss

Die tarifliche Ebene steht durch die in der aktuellen Tarifrunde erhobenen Forderungen der IG Metall wieder im Brennpunkt. Diese fordert neben einer wirtschaftlich nicht begründbaren Entgeltsteigerung von 6 Prozent zusätzlich einen individuellen Anspruch auf Reduzierung der Arbeitszeit auf bis zu 28 Stunden pro Woche mit einem Rückkehrrecht in Vollzeit. In Anbetracht von niedriger Arbeitslosigkeit und dem bestehenden Fachkräftemangel sind die Forderungen einseitig. Angedachte Arbeitszeitverkürzungen können nur unter Berücksichtigung von Arbeitszeitverlängerungen diskutiert werden. Denn viele Mitarbeiter wollen mehr arbeiten und nicht weniger.

Für Beschäftigte, die Kinder unter 14 Jahren im Haushalt betreuen oder Familienangehörige pflegen, fordert die IG Metall einen fixen Zuschuss von 200 Euro, wenn sie ihre wöchentliche Arbeitszeit um mindestens 3,5 Stunden oder mehr reduzieren. Schichtarbeiter, die ihre Jahresarbeitszeit um 5 Tage reduzieren, sollen einen Entgeltzuschuss in Höhe von 750 Euro pro Jahr bekommen. Für die durch Teilzeitansprüche Einzelner entstehenden Lücken sollen Regelungen zum Personalausgleich vereinbart werden. Diese Forderungen, insbesondere der finanzielle Anreiz für Teilzeitarbeit, verschärft den ohnehin bestehenden Fachkräftemangel, führt zur Leistungsverdichtung, erhöht Teilzeitarbeit und schwächt am Ende die Tarifbindung. Der vbm – Verband der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie e. V. weist die Forderung als überzogen zurück: "Das Gesamtpaket ist ein Sprengsatz für die Tarifbindung. Die IG Metall nimmt mit ihrem Forderungspaket Tarifflucht in Kauf, obwohl gerade sie Tarifbindung einfordert", so Brossardt.

vbw fordert flexiblere Gestaltung der Arbeitszeit

Auf gesetzlicher Ebene sind die Regelungen zur täglichen zehnstündigen Höchstarbeitszeit oder zur elfstündigen Ruhezeit nicht mehr zeitgemäß. "Die EU-Arbeitszeitrichtlinie erlaubt heute schon eine Wochenhöchstarbeitszeit von 48 Stunden bei gleichzeitiger flexibler Verteilung der Arbeitszeit innerhalb der Woche, d. h. auch mehr als 10 Stunden am Tag. Die EU-Arbeitszeitrichtlinie trägt den geänderten Rahmenbedingungen bereits Rechnung – bei der Umsetzung ist nun der Gesetzgeber gefordert", macht vbw Hauptgeschäftsführer Brossardt deutlich. Die betriebliche Ebene wird durch die Internationalisierung unserer Wertschöpfungsketten bestimmt. „Den Unternehmen werden aber immer kürzere Vorlaufzeiten für die Fertigstellung angeforderter Produkte abverlangt. Das erfordert viel Flexibilität seitens der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer. Das fein austarierte Gleichgewicht zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgeberinteressen gilt es auch zukünftig zu bewahren – ein tarifvertraglicher Eingriff ist schlicht nicht erforderlich“, betont Brossardt.

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Vortrag
Arbeitszeit: Fakten und politische Implikationen - Vortrag von Dr. Hagen Lesch

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Ansprechpartner
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Friedbert Warnecke

Tarif / Kollektive Arbeitsbedingungen / Arbeitswissenschaft

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